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Namensstreit um Benz nimmt an Schärfe zu

Mannheimer Politiker und Wirtschaftsspitzen laufen Sturm gegen Pläne des Daimler-Konzerns

Von unserer Mitarbeiterin Charlotte Baumann

Mannheim. Spitzenpolitiker und Wirtschaftsführer der Metropolregion machen mobil im Kampf für Carl Benz. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Gerhard Vogel, und IHK-Hauptgeschäftsführer Franz Luzius appellierten in einem Brief an DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche, Benz wieder zum Namensbestandteil des Konzerns zu machen.

Schließlich "liegen die historischen und erfolgreichen Wurzeln des Unternehmens in Mannheim", argumentiert die IHK-Spitze. "Der Name Benz steht für einen Pionier der Automobilindustrie, für Innovation und Erfinderreichtum." Der Automobilkonzern hatte zu Beginn der Woche bekannt gegeben, nach dem Verkauf der US-Tochter Chrysler künftig als "Daimler AG" auftreten und den Namen Benz nicht wieder aufnehmen zu wollen. Der Name Benz war erst mit der Chrysler-Übernahme vor neun Jahren aus dem Firmennamen gestrichen worden. Carl Benz hatte im 19. Jahrhundert in Mannheim das erste Auto gebaut.

Auch die Stadt Mannheim verstärkt ihren Kampf für "den renommierten Namen Daimler-Benz" und kritisierte die Stuttgarter Konzernleitung gestern scharf. "Das Unternehmen hat sich wenig Zeit genommen, sich mit diesem Vorschlag ernsthaft zu befassen", teilte Mannheimer Oberbürgermeister Gerhard Widder gestern mit. Widder hatte am Dienstag ein Protestfax an Konzernchef Zetsche geschickt. Die Stuttgarter Autoschmiede begründet ihr Nein zu Benz mit markenrechtlichen, juristischen und strategischen Gründen. Mit dem Namen "Daimler AG", über den die Aktionäre bei einer Hauptversammlung im Herbst abstimmen müssen, zeige das Unternehmen "einen klaren Aufbruch nach vorn". Das sieht Widder nicht: "Die Plausibilität der Argumente steht in einem eklatanten Widerspruch zu der sonst gewohnten Qualität der Produkte des Unternehmens." Carl Benz und Gottlieb Daimler hätten gleich viel zur Entwicklung des Automobils beigetragen, findet Dieter Müller, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Mannheim. "Auch die Dachmarke sollte das widerspiegeln."

Sabine Kuester, Marketing-Professorin an der Uni Mannheim, fordert, eine für den Ruf des Konzerns strategische Entscheidung "nicht aus hohler Hand" zu treffen. Es sei denkbar, dass der Zusatz "Benz" sich positiv auf den Wiedererkennungswert der Fahrzeuge auswirke. Kuester traut einer Pro-Benz-Bewegung Chancen zu. "Noch sind die Würfel nicht gefallen."

Mannheimer Morgen
19. Mai 2007

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