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Daimler ohne Benz ist weder eine kluge noch eine gerechte Wahl

Die Spitze des Stuttgarter Autokonzerns hat den neuen Namen zwar beschlossen, doch das letzte Wort liegt bei den Aktionären

Von unserem Redaktionsmitglied Ruth Weinkopf

Mannheim. Daimler ohne Benz - das ist nicht nur aus Mannheimer Sicht ein Unding. Eine der ersten Adressen der deutschen Industrie, die noch DaimlerChrysler AG heißt, hat sich mit der Namensfindung nach der Trennung von Chrysler generell keinen Gefallen getan. Die Logik, dass DaimlerChrysler ohne Chrysler auf Daimler zusammenschnurrt, ist eine allzu einfache, die außerdem historische Fakten negiert. Doch dazu später.

Fakt ist: Im Konzern ist die Entscheidung für den künftigen Namen Daimler AG gefallen. Tatsache ist aber auch, dass die Mitglieder des Aufsichtsrates für diese Firmierung zwar mehrheitlich, aber keinesfalls einstimmig votierten. Die Vertreter der Arbeitnehmerseite haben das Management daran erinnert, wer das Automobil erfunden hat und unter welchem Namen der in Stuttgart beheimatete Konzern groß und vor allem erfolgreich wurde: unter Daimler-Benz AG.

Wenigstens vier Mitglieder des Kontrollgremiums, so ist zu hören, haben sich für den Traditionsnamen stark gemacht - unter anderem die Vertreter der IG Metall und die Betriebsratsvorsitzenden der Werke Wörth und Gaggenau. Zitieren lassen möchte sich niemand mit dieser Information, denn Aufsichtsratsmitglieder sind zur Verschwiegenheit verpflichtet - nicht nur bei Daimler...Benz. Dass den Betriebsratsvorsitzenden der württembergischen Standorte Untertürkheim oder Sindelfingen ihr Gottlieb Daimler näher liegt als der gebürtige Karlsruher und Wahl-Mannheimer Carl Benz, ist verständlich - aber auch für sie gilt: die Geschichte des Automobils ist an den Namen Benz geknüpft. Und wer - wie Daimler - für sich in Anspruch nimmt, der älteste Automobilhersteller der Welt zu sein, kommt an dem Namen des begnadeten Technikers Carl Benz nicht vorbei. Daran sollten auch die Macher der Metropolregion, die zwei große Nutzfahrzeugwerke des Stuttgarter Autobauers beheimatet, nachdrücklich erinnern.

Es ist kein guter Stil, sich mit Verweis auf "markenrechtliche, juristische und strategische Anforderungen" daran vorbei mogeln zu wollen. Alle Gründe, die der Konzern für die Wahl des Namens Daimler AG ins Feld führt, laufen bei gründlicher Betrachtung ins Leere. "Daimler AG wird auch deshalb präferiert, weil dieser Name in der Positionierung für das von uns geführte Markenportfolio kommunikativ offener als Mercedes-Benz AG oder Daimler-Benz AG ist", heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Autobauers. So gewunden argumentiert in der Regel nur, wer keine stichhaltigen Argumente hat. Immerhin hieß der Konzern zu einer Zeit, als er sich vom reinen Autobauer zum integrierten Technologiekonzern mit Ausflügen in die Produktion von Haushaltsgeräten (AEG) und Flugzeugen (Fokker) aufschwang, gar Mercedes-Benz-Holding. Wenn damals die Kombination von Mercedes und Benz gut genug für ein Portfolio war, das weit über die angestammten Fahrzeugaktivitäten hinaus lappte, mag verneinen wer will, warum die Kombination von Daimler und Benz nicht perfekt für einen reinen Autobauer ist.

Das Konzernmanagement ist dem Charme der einfachen Lösung erlegen. Sie ist aber weder klug noch gerecht. Vielleicht haben ja die Aktionäre von Daimler...Benz den Mumm, auf der außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst den Missgriff zu korrigieren.

Selbst Rock-Legende Janis Joplin war der Name Benz nicht fremd. Immerhin bat die Dame in einem weltbekannten Song, "dass ihr der Herr im Himmel einen Mercedes-Benz kaufen" solle, damit sie zu ihren Porsche fahrenden Freunden aufholen könne. Die Sängerin hätte ganz einfach von einem Mercedes sprechen können, - sie war aber so klug, den Erfinder aller kleinen, großen, schnittigen und imagefördernden Autos mit einzubeziehen.

Mannheimer Morgen
26. Mai 2007

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