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Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm

Die Stadt baut die Versorgung in den kommenden Jahren massiv aus. (Bild: Thomas Troester)
Mannheim. Wenn es um Familienfreundlichkeit geht, dann geht es immer auch um Kinderbetreuung. In den vergangenen Jahren hat das Thema fast allen anderen Bereichen den Rang abgelaufen. Krippen, Kindergärten, Horte - bei der Versorgung mit Plätzen unterscheiden sich die Städte deutlich voneinander, und neu zuziehende Familien suchen sich ihre Heimatstadt heute auch gerade nach diesen Angeboten aus. Am meisten tut sich derzeit bei den Krippen für Kinder bis drei Jahre.
Warum? Weil hier der Nachholbedarf am größten ist und weil der Bund Vorgaben gemacht hat: Ab dem Jahr 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Um diesen einzuhalten, hat das Land eine Versorgungsquote von 35 Prozent vorgegeben. Für gut ein Drittel aller Kinder zwischen einem Jahr und drei Jahren müssen dann Plätze zur Verfügung stehen. Ob diese Quote in Mannheim aber reichen wird, darf bezweifelt werden.
Mannheim liegt derzeit bei einer Versorgung von 19 Prozent - auch das ist schon Ergebnis des Ausbaus in den vergangenen Jahren. Doch auf die Stadt kommt noch viel zu, die größten Schritte schiebt das Rathaus bis ganz zum Schluss vor sich her: Bis zum nächsten Sommer sollen 18 neue Gruppen eingerichtet werden, bis Mitte 2012 nochmal 23 Gruppen und dann in einer letzten Tranche bis zum Stichtag Mitte 2013 sogar 31 neue Krippengruppen. Insgesamt muss die Stadt in drei Jahren also 850 Plätze schaffen.
Andere Städte sind da schon weiter, immer wieder genannt natürlich Heidelberg. Dort stehen bereits jetzt genügend Plätze für rund 36 Prozent der Kleinkinder zur Verfügung. Weil die Nachfrage so hoch ist, will die Nachbarstadt bis zum Jahr 2013 für jedes zweite Kind zwischen einem Jahr und drei Jahren einen Krippenplatz parat haben.
Ludwigshafen wiederum geht einen ganz anderen Weg. Dort hat die Landesregierung den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, den es deutschlandweit gibt, ab diesem Sommer auch auf Kinder ab zwei Jahren ausgedehnt. Die Stadt muss darum derzeit viele Plätze schaffen, bis zum Jahr 2013 soll es 1200 Kindergartenplätze für Zweijährige geben, das wäre eine Quote von 80 Prozent aller Ludwigshafener Kinder in diesem Alter. Anstrengen muss sich die Stadt allerdings noch bei den Jüngeren. Besonders bei den Gebühren geht Rheinland-Pfalz ganz andere Wege als Baden-Württemberg. Links des Rheins sind Kindergartenplätze, auch die für die Zweijährigen, gebührenfrei. Das Land engagiert sich hier immens, während sich Stuttgart bei solchen Fragen zurückhält. In Mannheim ist derzeit darum genau die entgegengesetzte Entwicklung zu beobachten: Die Kosten für die Betreuung steigen, gleichzeitig schafft die Stadt den Betreuungsgutschein schrittweise ab und verwendet das Geld für das beitragsfreie dritte Kindergartenjahr. Für Eltern von Krippenkindern bedeutet dies, dass sie künftig deutlich mehr für die Plätze bezahlen müssen.
Verantwortlich für die meisten Krippenplätze ist die Stadt - anders als bei den Kindergärten, wo die Kirchen deutlich vorne liegen. Von den aktuell 1456 Krippen-Betreuungsplätzen sind 636 städtisch, 363 Plätze werden von Tagesmüttern angeboten. Rund 200 Plätze bieten die Kirchen an. Dazu kommen noch freie Träger, das können Unternehmen sein wie Daimler mit der eigenen Krippe "Die Sternchen" oder etwa Elterninitiativen, die aus dem Umfeld von Unternehmen entstanden sind, wie "Die kleinen Stromer" bei der MVV oder die "Krabbelkäfer" bei Roche Diagnostics. Auch das Klinikum etwa stellt seinen Mitarbeitern eine eigene Krippe zur Verfügung. Der Ausbau der Krippen in den kommenden Jahren wird sich aber stark auf die Stadt konzentrieren - sie wird die meisten der benötigten Plätze selbst schaffen müssen.
20. August 2010
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