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Heddesheim: In den nächsten Jahren werden alle Grundbuchämter zentralisiert / Bürgernähe geht verloren

EDV ersetzt die Schönschrift des Beamten

Von unserem Mitarbeiter Dieter Kolb

Einst schrieb Franz Winkler, Leiter des Heddesheimer Bürgerservice, die Einträge per Hand in die Bücher.

© diko

Die Bücher wurden in den vergangenen Jahren durch die EDV ersetzt.

So ein Grundbuch ist ein echtes Schwergewicht. "Es wiegt etwa zehn Kilogramm", weiß Franz Winkler, der den Heddesheimer Bürgerservice leitet. "Das erste Buch wurde 1900 angelegt, wie es im Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) verlangt wurde", erklärt er weiter. Zum Bürgerservice gehören neben dem Grundbuchamt auch die Arbeitsbereiche Standesamt und Friedhofsverwaltung.

In einem großen Stahlschrank sind die Personenstandsbücher archiviert. Winkler erläutert, wie sich die Bücher, in denen die Geburts- und Sterbefälle sowie die Trauungen beurkundet wurden, mit der Zeit verändert haben. Er kann es mit Zahlen unterfüttern: "Im Mittel werden in Heddesheim etwa 50 Paare im Jahr getraut. Da gab es keine großen Schwankungen in den letzten Jahren. Die Geburtenzahlen haben dagegen stark abgenommen", weiß der Verwaltungsfachmann. Während 1957 in Heddesheim noch 109 Kinder bei Hausgeburten zur Welt kamen, kommt jetzt nur noch alle zwei Jahre in Heddesheim ein Kind zur Welt. "Die Babys werden in der Regel in den umliegenden Krankenhäusern geboren", sagte Winkler.

Die Zahlen zwischen den in Heddesheim verstorbenen Menschen und den Bestattungen am Ort liegen weit auseinander. 2012 sind in der Gemeinde 55 Menschen gestorben, jedoch wurden im gleichen Jahr 114 Einwohner beerdigt. Die Urnenbestattungen liegen im Trend, dafür gibt es verschieden Gründe. "Die Kosten für den Ankauf eines Grabes und auch des Grabsteins oder der Grabplatte sind geringer, und auch der Pflegeaufwand ist nicht so hoch", berichtet der Standesbeamte. "Es werden auch immer mehr Rasengräber gewünscht, da ist für die Hinterbliebenen der wenigste Aufwand zu erbringen. Die Mäharbeiten werden von den Friedhofsgärtnern übernommen. Dies ist im Ankaufpreis der Grabstätte bereits enthalten."

Die Bücher, in denen diese Angaben archiviert wurden, werden seit 2009 nicht mehr geführt, da die Elektronische Datenverarbeitung (EDV) dies rationeller erledigen kann. "Früher war es wichtig, dass der Standesbeamte eine saubere, gut leserliche Handschrift hatte. Bei der EDV ist dies nicht natürlich nötig. Es wird alles gespeichert und ist in Sekundenschnelle greifbar", erläutert Winkler. Den größten Wandel gibt es bei den Grundbüchern. "Zwischenzeitlich wurde von der handschriftlichen auf die maschinengeschriebene lose Blattsammlung im Grundbuchwesen umgestellt." Ein riesiger Zeitaufwand war notwendig, um die 5033 Grundbücher ab dem Jahre 1900 bis 2008 schließlich elektronisch zu archivieren. In einem Grundbuch sind alle relevanten Vorgänge, die das Grundstück betreffen, enthalten. 30 bis 35 Bücher sind in DIN-A 3-Form zusammengebunden worden. In jedem Einzelnen sind die Grundbuchänderungen und die Belastungsvorgänge enthalten.

Allerdings wird es in einigen Jahren einen Wandel geben: "Die Tage der Grundbuchämter in den Kommunen sind gezählt. Die Grundbuch- und Notariatsreform der ehemaligen Landesregierung hat eine einschneidende Änderung gebracht. Ab 2017 werden alle Grundbuchämter zentralisiert sein, es wird vor Ort nur noch Einsichtsstellen geben", bedauerte Winkler. "Es geht damit ein großes Stück Bürgernähe verloren. Wir konnten aber erreichen, dass bis zum letztmöglichen Zeitpunkt - also 2017 - das Grundbuchamt in der heutigen Form für Heddesheim erhalten bleibt", betonen Bürgermeister Michael Kessler und Franz Winkler.

Danach aber werden alle Änderungen in Mannheim vorgenommen und nicht mehr im Bürgerservice im Rathaus vor Ort. Dort können die Unterlagen dann nur noch eingesehen werden. Die angestrebte Rationalisierung wird sich in diesem Punkt also zum Nachteil für die Bürger auswirken.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013

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