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Heidelberger Herbst: Musiker und Kreative im Mittelpunkt / Aussteller auf Kunsthandwerkermarkt nur teilweise zufrieden

Altstadtfest mit neuen Facetten

Von unserer Mitarbeiterin Heike Dürr

OB Eckart Würzner (dritter von links) beim Rundgang mit seinem Amtskollegen aus der japanischen Partnerstadt Kumamoto und Weinhoheit Larissa.

© Rothe

Der Heidelberger Herbst hat auch in seiner 43. Auflage am Samstag wieder über 100 000 Besucher in die Innenstadt gelockt. Neben den traditionellen Angeboten wie Floh- und Kunsthandwerkermarkt bietet eines der größten Altstadtfeste der Region mittlerweile vor allem ein spannendes Forum für die junge und kreative Szene Heidelbergs.

So konnten sich auf dem Friedrich-Ebert-Platz bereits zum dritten Mal junge Künstler, Musiker und Kreative unter dem Motto "Herbst/Zeit/Lose" präsentieren. Standgebühren werden nicht verlangt, die Hilfe von Sponsoren macht es möglich. Neben hochkarätigen Live-Bands begeisterte nach Einbruch der Dunkelheit die Fassadengestaltung von Dominik Rinnhofer und Götz Grämlich. Eine beeindruckende Installation aus Lichteffekten, organischen und typografischen Motiven wurde mit Hilfe eines riesigen Beamers auf die Fassade des ehrwürdigen Bunsen-Laboratoriums projiziert.

Tagsüber gab es "Kunst von der Straße". Das Projekt "Zeitwille" um Benedikt Zeitwille und Fritz Fronius ließ mit Spraydosen und Acrylfarben vor den Augen der Besucher zwei überdimensionale Gemälde auf Leinwand entstehen. Zentrales Element des Werkes ist eine rund drei Quadratmeter große Fläche, die ausschließlich von Kindern bemalt und beschrieben werden durfte. Die Wand soll bestehen bleiben.

Niki und Emilia beteiligten sich gerne daran. Die beiden Neunjährigen finden das Projekt prima, "weil so viele andere Kinder mitgemacht haben", so Emilia. "Und weil das später viele Leute ansehen werden", findet Niki. Der Heidelberger Student Zeitwille und der renommierte Künstler Fronius arbeiten seit einem Jahr zusammen, lassen mit ihren Aktionen Grenzen zwischen Jung und Alt, zwischen Pinsel und Spraydose verschwinden.

Initiativen informieren

Auch "Action House" stellten sich vor, ein Zusammenschluss von Kreativen aus den verschiedensten Bereichen. Neben Wohnzimmerkonzerten bieten sie Workshops in den Bereichen Nähen, Stricken, Liederschreiben, Gitarre und Gesang oder kreatives Schreiben sowie Filmkurse an. Die Initiative "Viva con Agua" hatte ebenfalls einen Stand. Dort wurden Spenden durch den Verkauf von Bingo-Zetteln gesammelt. Wer mitspielen wollte, konnte es sich auf Sofas aus Bierbänken und Europaletten bequem machen - und sich ganz nebenbei über die Arbeit der Menschen informieren, die sich der Bekämpfung der Trinkwasserknappheit in der Welt verschrieben haben.

Auf dem Universitätsplatz durften die Kleinen und Kleinsten mit überdimensionalen "Aqua Balls" übers Wasser laufen. Denn die Kinder steigen dabei in große Wasserbälle ein und müssen versuchen, ähnlich wie ein Hamster im Laufrad, die richtige Balance zu wahren - zum Vergnügen der Zuschauer gelang das nur den Wenigsten. Ein Jonglierworkshop oder eine Spielecke hielt die kleinen Besucher zusätzlich auf Trab.

Der traditionelle Kunsthandwerkermarkt in der Hauptstraße zog ebenfalls viele Besucher an - auch wenn die Umsätze nach dem Rekordjahr 2011 dieses Mal eher mäßig waren - zumindest für Manfred Mehl aus Freiburg. Er verkauft bereits zum zehnten Mal Panama-Hüte, die er selbst aus Ecuador mitbringt. Weniger Umsatz findet er problematisch, die Nebenkosten für den Stand sind laut Mehl nirgends so hoch wie in Heidelberg. Auch Petra Yürür verkaufte weniger als im Vorjahr. Dennoch sei sie mit dem Umsatz, den sie mit ihren selbst gehäkelten und gestrickten Sachen gemacht habe, zufrieden.

© Mannheimer Morgen, Montag, 01.10.2012

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