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Notfälle: Landesweit erste Spezialambulanz am Uniklinikum Heidelberg eröffnet / Tätigkeitsbereich Nordbaden „und darüber hinaus“

Anlaufstelle für Gewaltopfer

Von unserer Mitarbeiterin Heike Dürr

Opfer von Gewalt können sich künftig an die neue Ambulanz wenden. Die Ärzte sind rund um die Uhr erreichbar, die Untersuchung ist kostenlos und die Dokumentation kann später als wichtiges Beweismaterial vor Gericht dienen.

© dpa

Die Zahlen sind erschreckend und verdeutlichen den Bedarf: Allein in Heidelberg wurden im vergangenen Jahr 382 Fälle von schwerer Gewalt sowie mehr als 1000 Fälle von einfacher Körperverletzung gezählt. Im Rhein-Neckar-Kreis waren es sogar 560 Fälle von schwerer Gewalt und knapp 1700 Fälle einfacher Körperverletzung. Betroffen sind zu mehr als 90 Prozent Frauen, aber auch Männer werden zunehmend Opfer von Gewalttaten - sie alle haben nun eine neue Anlaufstelle. Denn gestern eröffnete am Heidelberger Uniklinikum die erste "Gewaltambulanz" in Baden-Württemberg.

Gewaltopfer wenden sich in der Regel an ihre Hausärzte oder an Klinikambulanzen. Dort kann ihnen zwar bei der Behandlung von offensichtlichen Verletzungen geholfen werden. Geht es aber um die Feststellung des Tathergangs oder die Erhebung gerichtsverwertbarer Beweise, sind Rechtsmediziner zuständig. Ein mobiles Team aus fünf Fach- und fünf Assistenzärzten ist in der neu eröffneten Ambulanz am Rechtsmedizinischen Institut zukünftig rund um die Uhr im Einsatz.

Die Fachleute sind Ansprechpartner für Ärzte aller Fachrichtungen, für Polizisten, Jugendämter, Opferhilfe-Einrichtungen, Familienangehörige und Opfer. Betreut wird die Region Nordbaden und "im Bedarfsfall auch darüber hinaus". "Wir wollen möglichst breit und möglichst weit tätig sein", erläutert Initiatorin Professor Dr. Kathrin Yen. Seit März 2011 ist sie die Ärztliche Direktorin des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin und hat schon in Graz eine Gewaltambulanz aufgebaut und geleitet.

Rasche Untersuchung notwendig

Die notwendigen Untersuchungen können sowohl in den eigenen Ambulanzräumen in Bergheim als auch vor Ort durchgeführt werden, um die Opfer so schnell wie möglich zu untersuchen. Denn die aussagekräftigsten Ergebnisse gibt es dann, wenn der Zeitabstand zur Tat möglichst kurz gehalten wird. Sogenannte KO-Tropfen können zum Beispiel nur innerhalb der ersten acht Stunden nach Gabe nachgewiesen werden.

Bei sexuellen Übergriffen wird stets in den entsprechenden Kliniken und in Zusammenarbeit mit Gynäkologen untersucht. Behandlungsbedürftige Verletzungen können dadurch sofort versorgt werden, das rechtsmedizinische Team nimmt parallel seine Arbeit auf. Dem Opfer kann so ein zweiter Behandlungstermin erspart werden.

Nach einer gründlichen und umfassenden Untersuchung durch die Rechtsmediziner erfolgt die ausführliche Dokumentation der vorgefundenen Verletzungen. Es schließt sich die Sicherung von Spuren an Körper und Kleidung an. Die Rechtsmediziner können aufgrund der Verletzungsmuster und der vorgefundenen Spuren Rückschlüsse auf Tat und Hergang ziehen.

"Im Gegensatz zu anderen Disziplinen schauen wir nicht in die Zukunft, sondern in die andere Richtung", so Professor Yen. Hat sich das Opfer zur Anzeige entschlossen, können die erfassten Beweise vor Gericht verwendet werden. Schreckt das Opfer vor der Anzeige zurück, werden die Daten gespeichert und können jederzeit abgerufen werden. So können die Folgen von Wiederholungstaten im häuslichen Umfeld auch zu einem späteren Zeitpunkt nachgewiesen werden. "Rechtsmediziner können durchaus auch präventiv tätig sein", so Yen. Denn bestätigt sich der Verdacht und ein gewaltsamer Übergriff hat stattgefunden, können die Opfer aus dem entsprechenden Umfeld entfernt und damit vor weiteren Übergriffen geschützt werden.

Für Wolfgang Erichson, Bürgermeister der Stadt Heidelberg, ist die Gewaltambulanz der letzte fehlende Bestandteil des Konzepts "Heidelberger Interventionsmodell gegen Gewalt in Beziehungen" (HIM). Das enge Netzwerk aus Ämtern der Stadtverwaltung, der Polizei, Justiz und allen einschlägigen Beratungsstellen soll bürokratische Wege zum Wohle der Opfer verkürzen.

Die beschriebenen Untersuchungen sind für Betroffene kostenfrei. Im Moment trägt das Uniklinikum Heidelberg einen Großteil der Kosten, zukünftig soll über eine teilweise Übernahme durch Kostenträger verhandelt werden.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 22.11.2012

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