Südstadt:
Quartier droht durch neue Bebauung seinen Charakter zu verlieren
Anwohner kämpfen um Grün
Von unserem Redaktionsmitglied Michaela Roßner
In der Görresstraße soll die Bebauung verdichtet werden. Anwohner befürchten, dass das Quartier sein Gesicht verändert - und möchten einen Baum erhalten.
© Rothe
Großzügige Gärten, hochgewachsene alte Bäume, das ganze zentrumsnah: Die Heidelberger Südstadt ist oberhalb der Rohrbacher Straße mit ihren freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern ein beschaulicher Stadtteil. Noch. Denn es gibt Nachverdichtungstendenzen.
Nachbarn sorgen sich um den Charakter des Quartiers - und fragen sich, ob vor dem Hintergrund der nur wenige Meter entfernt liegenden Konversionsflächen derartige Verdichtungen überhaupt sinnvoll sein können. Thema war das auch bei der Bürgersprechstunde gestern Abend im Heidelberger Gemeinderat.
Ingeborg Feilhauer wohnt in der Görresstraße 37. An ihrem Fenster hat sie ein Transparent angebracht. "Nee, nicht die Linde 39" steht darauf. Der Nachbar hat einen Antrag auf Doppelbebauung gestellt. Hinter dem Einfamilienhaus soll ein zweites entstehen.
"Damit wäre das Grundstück zu 70 Prozent überbaut", sorgt sich Feilhauer. Zudem soll ihres Wissens nach eine über 50 Jahre alte Linde - neben zwei Buchen - gefällt werden.
Für einen Fahrradständer soll der alte Baum weg, hat die Anwohnerin auf den Bauplänen gesehen. "Ist das verhältnismäßig?" fragt sie sich. Und stellte diese Frage gestern Abend bei der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates im Heidelberger Rathaus laut. Verbunden mit der Anfrage, ob die Stadt wohl gegen das Projekt Einwände vorbringen werde.
Stadt als Anliegerin gefragt
Denn der Kommune gehöre ein Grünstreifen - sie werde nicht nur als Planungsbehörde, sondern auch als Anliegerin befragt.
Den Anwohnern geht es nicht darum, dem Nachbarn eine Erweiterung zu missgönnen. Sie befürchten vielmehr einen "Dominoeffekt". Denn sei der Damm erst einmal gebrochen, könne weiteren Anliegern kaum mehr der erweiterte Ausbau versagt werden. "Sicher warten einige schon darauf, ihren Garten endlich versilbern zu können", vermutet ein weiterer Beobachter.
"Sensibilisieren" wollte Feilhauer mit ihrer Anfrage Gemeinderat und Rathausverantwortliche. Sie aufmerksam machen darauf, dass hier Präzedenzfälle geschaffen werden könnten. "Wäre es nicht sinnvoll, sich zum Beispiel mit einer Bebauungsplanung darüber Gedanken zu machen, wie es langfristig hier aussehen soll?"
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