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Bilanz: Seit einem Jahr Unterstützung bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen / 236 Menschen nutzen das Angebot

Beratung im Behördendschungel

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 22.09.2015

Von unserem Redaktionsmitglied Michaela Roßner

Nertila Korcari ist erst vor einem Jahr aus Albanien nach Deutschland gekommen. Dass sie nun bereits eine Stelle als Arzthelferin hat, verdankt sie auch einem Angebot der Stadt: Zweimal im Monat gibt es eine spezielle Beratung für die Anerkennung ausländischer Diplome. 236 Menschen haben die Beratung im ersten Jahr genutzt. Die Nachfrage ist sehr groß: Wer einen Termin möchte, muss im Moment vier bis sechs Wochen darauf warten.

"Es gibt in Deutschland über 400 verschiedene Anerkennungsstellen", macht Beraterin Maryam Shariat-Razavi deutlich, wo die größte Schwierigkeit liegt. Da durchzublicken, erfordert gute Sprach- und Landeskenntnisse. Ausländer überfordert das schnell. Industrie- und Handelskammern, aber auch Berufsverbände sind es meist, die darüber entscheiden, ob ein in Damaskus ausgestelltes Zeugnis darüber Auskunft gibt, dass hiesige Berufsprofile erfüllt sind.

"Noch schwieriger wird es, wenn Menschen - zum Beispiel Flüchtlinge - gar keine Papiere vorlegen können", erklärt Shariat-Razavi. "Glücklicherweise können wir da inzwischen auf das Angebot eines Instituts für Qualifizierungsanalyse zurückgreifen", nennt sie Möglichkeiten. Doch das sei teuer - "und Kosten sind immer ein Thema", sagt die Expertin, die Sprechstunden in Deutsch, Englisch und Persisch abhält.

Beratung zu ausländischen Berufsabschlüssen

  • Die nächsten Beratungstage sind am 13. und 27. Oktober, 10. und 24. November sowie 8. und 22. Dezember, jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr.
  • Die Sprechstunden gibt es im Bürgeramt Pfaffengrund (Am Markt 21).
  • Eine Terminvereinbarung ist unter Telefon 0621/4 37 731 13 nötig.
  • Das Heidelberger Netzwerk "Integration durch Anerkennung und Qualifizierung" gibt es seit Juli 2013.
  • Das Heidelberger Netzwerk arbeitet mit dem IQ Netzwerk Baden-Württemberg zusammen.
  • Trägerin dieses Netzwerks ist das "Interkulturelle Bildungszentrum gGmbH (www.ikubiz.de)" in Mannheim. Adresse: G 2, 3-4, in Mannheim (Telefon 0621/12 47 91 03).

Weitere Qualifizierung

Über das IQ Netzwerk Baden-Württemberg, mit dem das Heidelberger Netzwerk zusammenarbeitet und das in Mannheim einen von vier Standorten in Baden-Württemberg hat, können die arbeitswilligen Neubürger zudem Kurse und Schulungen bekommen, die ihre Berufserfahrungen erweitern oder ergänzen. Das, erklärt Hüseyin Ertunç vom Interkulturellen Bildungszentrum (ikubiz) in Mannheim, werde über Bundes-, Landes- und EU-Mittel finanziert. Das ikubiz koordiniert die Angebote des IQ Netzwerks Baden-Württemberg in der Region.

Shannon Rogers hat es nicht aus politischen Gründen nach Heidelberg verschlagen, sondern aus familiären - ihr Mann arbeitet hier. Auch die 37-Jährige aus Virginia hatte das Problem, dass ihr Studium als Logopädin nicht so einfach anerkannt wurde. "In Deutschland ist das ein Ausbildungsberuf", weiß die Amerikanerin jetzt, dass es hier spezielle Logopädieschulen gibt. Sie musste nachweisen, was sie kann.

"Sehr freundlich und hilfreich" bewertet Rogers die Tipps von Shariat-Razavi. Sechs Monate habe es gedauert, bis das Diplom der Amerikanerin anerkannt war - am selben Tag bekam sie die Bestätigung, dass sie in Landstuhl eine Stelle als Logopädin erhält. Die lange Verfahrensdauer ist auch Bürgermeister Eckart Würzner und Dörthe Domzig, Leiterin des Amtes für Chancengleichheit, ein Dorn im Auge. "Eigentlich müsste die Anerkennung in drei Monaten erfolgen, aber die Stellen sind meist überlastet", weiß Beraterin Shariat-Razavi aus ihrer Praxis. Dass bisher nur zehn Prozent der in Heidelberg Unterstützten die Ausbildung anerkannt bekam, enttäuscht den Stadtchef: "Das macht ja keinen Sinn: Es werden Fachkräfte gesucht, sie sind auch vorhanden - aber sie müssen warten", bedauert Würzner.

Viele Lehrer und Medizinberufe

Wer hat ihre Beratung im ersten Jahr in Anspruch genommen? "Es sind vor allem die IHK-Berufe, um die es geht, aber etwa genauso viele Lehrer. Sie stammen aus 24 Ländern", geht Shariat-Razavi auf die vielen Unterschiede der Ausbildungssysteme ein. Alten- und Krankenpfleger machen ebenfalls einen großen Anteil bei aus. So wie Nertila Korcari. In Albanien hat sie ein fünfjähriges Bachelor- und Masterstudium absolviert. Im Juni sind diese Abschlüsse anerkannt worden. Jetzt arbeitet die 28-Jährige bereits in einer kardiologischen Praxisklinik in der Innenstadt. Deutsch hat sie ebenfalls in nur einem Jahr eifrig gebüffelt - nun ist es absolut "praxistauglich" .

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 22.09.2015

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