DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Dienstag, 21.05.2013

Suchformular
 
Edingen / Neckarhausen Heddesheim Heidelberg Hirschberg Ilvesheim Ladenburg Ludwigshafen Mannheim Schriesheim
  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Medizin: Wissenschaftler aus Heidelberg und Mannheim stellen aktuelle Forschungsergebnisse zu chronischen Beschwerden vor

Bewegung gegen Schmerzen

Von unserem Redaktionsmitglied Kevin Hagen

Rund 20 Prozent der Bevölkerung leiden über einen längeren Zeitraum in ihrem Leben unter Schmerzen, die sich mit Medikamenten nicht behandeln lassen.

© dpa

Stiche im Rücken, der Magen rebelliert und das Dröhnen im Kopf will nicht nachlassen. Wenn Menschen unter chronischen Schmerzen leiden, wird der Kampf gegen die Qualen schnell zum hilflosen Geduldsspiel. Rund 20 Prozent der Bevölkerung haben einmal im Leben mit Schmerzen zu tun, die trotz der Einnahme von Medikamenten nicht abklingen. Doch was steckt dahinter und was kann man dagegen tun?

Mit diesen Fragen haben sich auch Forscher aus Heidelberg und Mannheim befasst. Wer sich bewegt, ist weniger anfällig, Medikamente sind bei chronischen Schmerzen oftmals wirkungslos, positives Denken hilft dagegen umso mehr. Das sind - verkürzt dargestellt - die Ergebnisse, die gestern Mitglieder des Forschungsverbundes "LOGIN" in der Medizinischen Universitätsklinik im Neuenheimer Feld anlässlich eines bundesweiten "Aktionstages gegen den Schmerz" vorgestellt haben.

"Schmerz ist nichts Einfaches. Das muss man sehr differenziert sehen", machte Professor Wolfgang Eich, Leiter der Sektion für Integrierte Psychosomatik am Uniklinikum Heidelberg und LOGIN-Sprecher, gleich zu Beginn klar.

Ein Grund für eine stärkere Schmerzempfindlichkeit könnte das Stresshormon Cortisol sein, sagte Dr. Walter Magerl von der Medizinischen Fakultät der Uni Heidelberg in Mannheim. Cortisol werde bei gesunden Menschen bereits beim Aufstehen freigesetzt und beuge einer Steigerung der Schmerzempfindlichkeit vor. Bei manchen Menschen fehle diese Reaktion - ein mögliches Risiko für dauerhafte Beschwerden.

Medikamente helfen nur selten

Doch kann man die scheinbar unzähligen Formen von Beschwerden überhaupt kategorisieren? Man versuche gerade verschiedene Untergruppen zu definieren, erklärte Professor Eich.

Ein Phänomen, mit dem sich die Mediziner schon intensiv befasst haben, ist das sogenannten Fibromyalgiesyndrom. Es handelt sich dabei um eine chronische Erkrankung des Bewegungssystems, bei der die Patienten mit Beschwerden an verschiedenen Körperregionen, beispielsweise im Rücken oder in den Gelenken kämpfen. Rund vier Prozent der Bevölkerung in den Industrienationen leiden unter dieser bislang unheilbaren Krankheit - betroffen sind vor allem Frauen im Alter von 40 bis 60 Jahren.

Pillen und Arzneicocktails verfehlten dabei jedoch meist ihre Wirkung, wie die Forscher nun herausfanden. "Es nutzt eigentlich nichts, noch draufzuhauen", sagte Eich. Der Mediziner setzt dagegen auf eine vielseitige Therapie. Die alte Devise, sich auszuruhen und zu schonen, sei falsch, sagte Eich, und riet stattdessen zu mehr Bewegung. Untersuchungen hätten ergeben, dass ein individuell angepasstes Ausdauer- und ein leichtes Krafttraining Linderung verschaffen. Im Idealfall sollte das Training mit einer Entspannung- und Verhaltenstherapie kombiniert werden.

Sport hilft. Das ist auch das Ergebnis einer Untersuchung, an der Dr. Jonas Tesarz von der Uniklinik Heidelberg beteiligt war. Die Mediziner haben 15 internationale Studien über Sportler und deren Schmerzempfinden ausgewertet. Das Ergebnis: Wer mehr als fünf Stunden pro Woche Sport treibt, kann größere Schmerzen ertragen, als jemand, der nicht aktiv ist.

Bei der Verhaltenstherapie soll das Positive mehr in den Fokus gerückt werden, erläuterte Professor Herta Flor vom Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI). Die Patienten bekämen zum Beispiel kein Schmerz-, sondern ein "Aktivitätentagebuch", in das sie die Zeit eintragen, in der sie sich fit fühlen. Es gehe um eine "Umpolung auf Schmerzfreiheit", so Flor.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 05.06.2012

Kommentar schreiben

Sie müssen sich einloggen, um einen Kommentar zu verfassen.

Leser-Kommentare  

Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen

    • via Facebook teilen
    • Drucken
    • Senden
     
     
    TICKER

    Swing: Zeitreise in die 1920er Jahre

    Bigband Sound, unkonventionelle Tanzbewegungen und jede Menge Spaß - das wollen die Begründer von SwingStep Heidelberg bei ihren Tanzpartys den Besuchern bieten. [mehr]

    Das Alte Hallenbad als neuer Treffpunkt

    Heidelberg, 11.04.13: Seit Donnerstag hat das Alte Hallenbad in Heidelberg offiziell wieder geöffnet und feiert dies mit einem mehrtägigen Programm.

    "Altes Hallenbad" zu neuem Leben erweckt

    Nach aufwändiger Sanierung ist das "Alte Hallenbad" im Stadtteil Bergheim wieder zu einem Treffpunkt in Heidelberg geworden. In dem 1906 errichteten Gebäude haben unter anderem eine Markthalle, ein Restaurant und ein Bio-Supermarkt Platz gefunden. Unsere Bildergalerie blickt zurück auf die bewegte… [mehr]

    Affenbaby im Heidelberger Zoo

    Es ist erst wenige Tage alt, hat noch keinen Namen und ist schon der neue Star im Heidelberger Zoo: ein Affenbaby. Nach über fünf Jahren gibt es im Heidelberger Zoo wieder Nachwuchs bei den Hanuman-Languren ("Hulmane"). Die Tiere zählen auf dem indischen Subkontinent zu den bekanntesten Affenarten… [mehr]

    Kontakt zur Redaktion Heidelberg

    Michaela Roßner Tel. 0621/392 1389
    Timm Herre Tel. 0621/392 1368
    Simone Jakob Tel. 0621/392 1328
    Ressorleitung: Martin Schulte Tel. 0621/392 1262
    Sekretariat Tel. 0621/392 1324
    Fax: 0621/392 1643

    Sie erreichen die Redaktion Heidelberg in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

    Öffentlicher Nahverkehr

    Diskussionen um Sozialticket

    Rhein-Neckar. Die Diskussion um ein "Sozialticket" brodelt schon seit Jahren, nicht nur in der Rhein-Neckar-Region, sondern in der ganzen Republik. "Das mag auch mit der Entwicklung unserer Gesellschaft zusammenhängen", mutmaßt Rüdiger Schmidt, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar… [mehr]

    "Lebensfreude, Inspiration, Wirtschaftskraft"

    Stadtmarketing will Mannheim sichtbarer machen

    Bei seiner Gründung galt das Mannheimer Stadtmarketing als bundesweit einzigartiges Modell der Zusammenarbeit einer kommunalen Verwaltung und der Privatwirtschaft. Mit elf Beschäftigten und einem Jahresetat von rund zwei Millionen Euro trommeln die Mannheim-Werber heute nach Kräften für die… [mehr]

    Michaela Roßner

    Vertrauen in Gefahr

    Im Eleonorenhaus erblickten einst Babys das Licht der Welt. In den vergangenen Tagen hingegen musste manche Illusion begraben werden. Die naive Vorstellung etwa, dass an einem Altbau alles geändert, gleichzeitig gutes Geld verdient und doch das meiste im alten Zustand erhalten bleiben kann. Das ist… [mehr]

    Rund 3.000 Jobs, Praktika und Ausbildungsplätze in Heidelberg und Umgebung finden Sie hier

     

    DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

    © morgenweb 2000 - 2013 | Über uns | Impressum | AGB | Datenschutz | Mediadaten | RSS