DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Mittwoch, 24.08.2016

Suchformular
 
 

Edingen / Neckarhausen Heddesheim Heidelberg Hirschberg Ilvesheim Ladenburg Ludwigshafen Mannheim Schriesheim

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Soziales: Michael Eißele entwickelt 3D-Drucker für Prothesen – einer ist nun mit dem Paralympiker Wojtek Czyz auf großer Fahrt

Ein Drucker, der Leben ändert

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 10.06.2015

Von unserer Mitarbeiterin Sarah Weik

Wojtek Czyz mit Elena Brambilla und Michael Eißele mit seinem 3D-Drucker an Bord des Katamarans "Imagine". Mit ihrer Segeltour wollen die Profisportler Menschen mit Behinderung mit neuen Prothesen versorgen.

© sailing4handicaps

"Krüppel". Ein Wort, in dem so vieles mitschwingt. Das nicht nur einen Menschen mit körperlicher Behinderung bezeichnet, sondern einen, der nichts taugt, der für die Gesellschaft keinen Wert mehr hat. "In vielen Ländern werden Menschen mit Behinderung oft noch als 'Krüppel' stigmatisiert, ihnen fehlt jede Perspektive", erzählt Wojtek Czyz. "Das hat mir gezeigt, dass ich bei allem was geschehen ist, doch noch sehr viel Glück hatte."

2001 stand Czyz vor einer Karriere als Profifußballer bei Fortuna Köln. In seinem letzten Spiel für die Amateure des 1. FC Kaiserslautern prallte er mit einem gegnerischen Spieler zusammen, Czyz erlitt schwere Verletzungen, sein linkes Bein wurde oberhalb des Knies amputiert. Doch der damals 21-Jährige ließ sich nicht unterkriegen. Er stieg in den Behindertensport ein und sammelte bereits drei Jahre nach seinem Unfall als Leichtathlet Medaillen bei den Paralympischen Spielen in Athen. "Bei meinen Reisen als Sportler habe ich aber auch gesehen, dass Menschen mit Behinderung nicht überall diese Chancen haben, die ich hatte." Er wollte daran etwas ändern.

Passgenaue Prothesen

Sailing4Handicaps

Der Paralympiker Wojtek Czyz hat das Projekt "Sailing4Handicaps" 2012 ins Leben gerufen.

Ziel der fünfjährigen Segeltour ist es, Menschen - vor allem in Entwicklungsländern - mit neuen Prothesen zu versorgen.

Die Segeltour kann man unter www.sailing4handicaps.de und über die Facebookseite verfolgen.

Das Projekt finanziert sich über Spenden: sailing4handicaps e.V., IBAN : DE22540501100000542985, BIC: MALADE51KLS

Durch einen Zeitungsartikel wurde Czyz auf einen Heidelberger aufmerksam: Michael Eißele. Der 34-Jährige ist Maschinenbau-Absolvent und Dozent an der SRH-Hochschule. Schon als Student war er fasziniert von den Möglichkeiten, die 3D-Drucker bieten. Seit einigen Jahren arbeitet er nun gemeinsam mit dem SRH Berufsförderungswerk Heidelberg daran, Prothesen individuell und passgenau auszudrucken. Czyz war begeistert von dem Projekt, reiste nach Heidelberg, um sich die Drucker genauer anzuschauen. "Die Chemie zwischen uns stimmte sofort", sagt Czyz. Für ihn war der 3D-Drucker das ideale Instrument für sein eigenes großes Projekt: Eine Weltumsegelung, bei der er Menschen in Entwicklungsländern mit Beinprothesen versorgen will.

Mit an Bord ist seine Frau Elena Brambilla, ebenfalls Profisportlerin, und Eißeles 3D-Drucker. Eine Spezialanfertigung, wie der Maschinenbauer erklärt. "Ich habe den Drucker so angepasst, dass er an Bord funktioniert." Er hat ihn besonders stabil gebaut und wasserfestes Material verwendet. "Man weiß ja nie, was die beiden auf dem Atlantik so erwartet." Der 34-Jährige reiste selbst nach Schleswig-Holstein, um sicherzugehen, dass der Drucker auf dem Katamaran "Imagine" auch gut verstaut ist.

Am 31. Mai haben Czyz und Brambilla dann die Segel ihres Katamarans "Imagine" gesetzt. "Die ersten Seemeilen waren entspannt", berichtet er. Drei Jahre hat sich das Paar auf sein großes Abenteuer vorbereitet, fünf Jahre wollen sie unterwegs sein und dabei einmal um die Welt segeln. Der erste große Stopp ist im Oktober in Marokko geplant. Auch Eißele wird dann nach Nordafrika fliegen.

"Für alle Fälle", sagt er. Schließlich warten in Marokko bereits 15 Menschen auf eine neue Prothese. Der segelnde Drucker wird diese zunächst nicht direkt ausdrucken, sondern einen maßgenauen Abdruck des Beinstumpfes der Menschen, an den die Prothese dann angepasst wird. "Normalerweise stellt man diesen aus Gips her", erklärt Eißele. Auch deshalb war Czyz an der Technik so interessiert. "Dadurch kann er auf den Gips verzichten, spart Gewicht - und Gips verträgt sich ja auch nicht so gut mit Wasser." Der Drucker funktioniert ähnlich wie eine Heißklebepistole. Aus nahezu flüssigem Kunststoff entsteht Schicht für Schicht der Abdruck.

"Viel günstiger und schneller" sei die Methode, sagt Czyz. "So können wir viel mehr Menschen helfen - und damit auch ihr Leben ändern." Er sieht viel Potenzial in der 3D-Drucktechnik - genau wie Eißele. Nach seinem Studium hat er sein eigenes Unternehmen mit Sitz in Heidelberg gegründet, ferrumio, das spezialisiert ist auf das Drucken von und auf Drucker für Prothesen. Er ist stolz darauf, Teil von Czyz' Projekt zu sein. Und darauf, dass seine Drucker Leben verändern können.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 10.06.2015

Kommentar schreiben

Jeder Kommentar wird mit dem Vor- und Nachnamen des Autors veröffentlicht.

Sie müssen sich anmelden, um einen Kommentar zu verfassen.

Leser-Kommentare  

Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen

    • Drucken
    • Senden
     
     
    TICKER

    Das Wetter in Heidelberg

    Heidelberg - Prognose für 15 Uhr

    29°

    Das Wetter am 24.8.2016 in Heidelberg: sonnig
    MIN. 15°
    MAX. 31°
     

     

     
     

    Grafik

    Entwicklung des Arbeitsmarktes 2013/2014

    So haben sich die Arbeitslosenzahlen und die Arbeitslosenquote 2013 und 2014 in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg bisher entwickelt.


    Kontakt zur Redaktion Heidelberg

    Michaela Roßner Tel. 0621/392 1389
    Christian Beister Tel. 0621/392 1368
    Simone Jakob Tel. 0621/392 1328
    Martin Geiger Tel. 0621/392 1329
    Ressorleitung: Martin Schulte Tel. 0621/392 1262
    Sekretariat Tel. 0621/392 1324
    Fax: 0621/392 1643

    Sie erreichen die Redaktion Heidelberg in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

    Kontakt

    Möchten Sie sich an die Redaktion wenden?

    Sie wollen Kritik oder Lob loswerden? Sie haben interessante Themen für uns? Hier finden Sie die Ansprechpartner der jeweiligen Redaktionen, ihre Telefonnummern und E-Mail-Adressen. [mehr]

    Rhein bei Germersheim

    Passagierschiff unter Quarantäne

    Germersheim. Weil 37 Insassen eines niederländischen Passagierschiffes "Prinses Christina" offenbar an einem Virus erkrankt sind, steht das Schiff auf dem Rhein bei Germersheim derzeit unter Quarantäne. An Bord befanden sich ingesamt 92 Personen. Teilnehmer einer Reisegruppe aus Großbritannien… [mehr]

    Sandhofen

    Haftbefehl nach Schusswechsel im Maisfeld

    In einer gemeinsamen Presseerklärung teilen die Staatsanwaltschaft und Polizei Mannheim mit, dass Haftbefehl gegen einen 43-Jährigen erlassen wurde. Er soll sich einen Schusswechsel mit der Polizei geliefert haben, nachdem er in Sandhofen in eine Wohnung eingebrochen sein soll. [mehr]

    Rund 3.000 Jobs, Praktika und Ausbildungsplätze in Heidelberg und Umgebung finden Sie hier

     

    DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR