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Sprache: Die Heidelbergerin Daniela Ziegler hat ein kurpfälzisches Wörterbuch verfasst

„Heimatgefühl konservieren“

Von unserem Redaktionsmitglied Sarah Levy

Daniela Ziegler hat "Wi ma halt so redd!"" verfasst.

© zg

Wenn Daniela Ziegler als Kind etwas genascht hat, dann hieß das "schneeke". Gekocht wurde Zuhause mit "Zwiwweln", gebacken mit "Quetsche" und geschimpft mit der Aufforderung "Hald dei Gosch!". Kein Wunder also, dass Zieglers erste Fremdsprache "Hochdeutsch" war. In den 50er Jahren in Heidelberg geboren und aufgewachsen, kannte sie bis zur Schulzeit nur das Heidelberger Kurpfälzisch. Dass sie ein kurpfälzisches Wörterbuch herausgegeben hat, das ein großer Erfolg wurde, hat aber noch andere Gründe.

Der Gedanke, den heimatlichen Dialekt zu konservieren, kurpfälzische Worte zu sammeln und aufzuschreiben, kam ihr in den 90er Jahren - fern der Heimat, in Berlin. "Damals ging durch die Presse, dass Dialekte aussterben und Kinder mit Dialekten Nachteile haben sollen", erzählt sie. Nachrichten, die Zieglers Heimatgefühle geweckt haben. "Weit weg ist man der Heimat innerlich näher", sagt sie heute über die Zeit in Berlin.

Sie begann, Listen zu führen: kurpfälzische Worte, Redewendungen und deren "Übersetzungen". Die Listen wurden umfangreicher, die Sehnsucht nach dem Geburtsort größer. 2002 zog sie zurück nach Heidelberg - und sammelte weiter. Sie lauschte beim Bäcker, im Rathaus, zu Hause. Eine der besten Quellen für die heimatlichen Dialektschätze: "die Mudder".

2009 war es so weit: Ein Verlag erklärte sich bereit, Zieglers kurpfälzisches Wörterbuch zu verlegen. Ein überraschender Erfolg: 3000 Exemplare verkauften sich in zwei Jahren, 2012 ging das Buch in die zweite, erweiterte Auflage. "Das fühlt sich klasse an", sagt Ziegler noch immer etwas ungläubig ob des großen Zuspruchs: "Ich habe das echt nicht erwartet."

Viele junge Leser

Auch viele junge Leute gehörten zu ihren Lesern. Unter zugezogenen Studenten würde ihr Buch bereits als Kuriosum gehandelt. Auf einer Lesung habe sogar einmal eine türkischstämmige Studentin, die gerade Deutsch lernte, ein Buch gekauft und Daniela Ziegler Fragen zu einzelnen Worten gestellt. "Das fand ich beachtlich, dass sie sich damit beschäftigt hat."

Rückmeldungen erhält Ziegler noch immer viele. Oft schrieben ihr Leser Ergänzungen, Wörter, Sprüche und Anmerkungen, die noch fehlten. Den Schwerpunkt habe die promovierte Archäologin aber auf das städtische Heidelbergerisch gelegt, die "Sprooch" der Dörfer sei noch mal anders und ihr nicht ganz so geläufig. Immer wieder stößt die Autorin auf Worte, die sie faszinieren. Wie zum Beispiel "Alleritt", was laut Wörterbuch "immerzu, in regelmäßigen Abständen" bedeutet. Nach langer Recherche fand Ziegler heraus, dass der Begriff seinen Ursprung im Mittelalter hat: "Dialekte sind viel älter als die Hochsprache. Das ist doch bemerkenswert."

Eine Redensart, die Daniela Ziegler besonders schätzt, lautet: "Mit Neckarwasser gedaafd sei". Das heißt so viel wie ein gebürtiger Heidelberger sein. Sie selbst sei zwar nie in den Neckar gehüpft. Gerade deshalb aber finde sie diese Wendung so einzigartig - der Ausdruck erzähle die Geschichte einer älteren Generation, in der die Leute noch im Neckar schwimmen waren. Ein Stück Vergangenheit, konserviert in Redewendungen - Ziegler betont, sie sei keine Sprachwissenschaftlerin, ihre emotionale Bindung zum Kurpfälzischen sei einfach sehr stark.

"Manche Wörter versteht man heute nicht mehr", sagt sie. Andere würden nicht mehr genutzt oder wandelten sich. In diesem Jahr wird an der Heidelberger Volkshochschule erstmals ein Kurs zum Erlernen des dialektfreien Sprechens angeboten.

Die Endlichkeit der "Sprooch" - eine starke Motivation für Daniela Zieglers Sammelleidenschaft von heimatlichen Eigenworten. "In 100 Jahren haben wir vielleicht keinen Dialekt mehr", bedauert sie. Dann aber fügt sie lachend hinzu: "Solange ich lebe, stirbt der Dialekt nicht aus."

© Mannheimer Morgen, Montag, 11.02.2013

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