Während seit Jahren immer wieder Meldungen von geplanten Theaterschließungen durch die Republik geistern, während im Zuge von Verschuldung und Schrumpfung Politiker in Rathäusern und Parlamenten den Rotstift stets bei der Hand haben, während die Besucherzahlen an den Bühnen seit vielen Jahren langsam aber sicher sinken - während all dieses passiert, eröffnen die Stadt Heidelberg und ihre Bürger einen neuen Theaterbau. Das ist als reine Tatsache eine Überraschung - und die erste Sensation. Die zweite wäre, dass Heidelberg in dem Gebäude der Darmstädter Architekten Waechter+Waechter - vor allem auch den sensiblen Umgang mit umliegender alter Bausubstanz betreffend - einen wegweisenden Bau entwickelt haben. Glückwünsche gehen einem da leicht über die Lippen.
Was Peter Spuhler vor Jahren angestoßen hatte, führte Holger Schultze konsequent und gegen einige Widrigkeiten weiter. Jetzt, wo das Theater so gut wie fertig ist und am Samstag mit der Premiere von Tschaikowskys selten anzutreffender Oper "Mazeppa" eröffnet wird, gilt es wieder der Kunst.
Denn natürlich ist ein schönes Theater nur so gut, wie die Kunst, die darin gemacht wird. Und der Druck, den das Leitungsteam nun spürt, dürfte nicht gering sein, muss jetzt doch in Qualität und (Zuschauer)-Quantität bewiesen werden, dass sich das Projekt gelohnt hat - und da sind zwei Säle mit insgesamt rund 840 zu füllenden Sitzplätzen nicht wenig für eine Stadt mit 150 000 Bürgern, zumal nebenan in Mannheim abendlich runde 1800 Theatersessel auf Sitzfleisch warten.
Nicht, dass dies alles Intendant Holger Schultze nicht zuzutrauen wäre; der Mann weiß, dass Klappern zum Geschäft gehört. Auf Dauer aber reicht das freilich nicht. Das wird auch viel Mühe machen und viel Geschick erfordern. Da Schultze auch diese Erkenntnis sicherlich bekannt ist, darf man wohl mit einigem Optimismus in die Heidelberger Theaterzukunft blicken.
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