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Bildung: Uni-Bibliothek digitalisiert Bestand der karolingischen Klosterbibliothek / Erfolgreiche Verhandlungen mit Vatikan

Lorscher Codex geht online

Archiv-Artikel vom Samstag, den 24.03.2012

Von unserer Mitarbeiterin Agnes Polewka

Prorektor Prof. Dr. Thomas Rausch, Dr. Veit Probst und Karl Weber (SSG ) zeigen das berühmte Lorscher Evangeliar (von links). Die Wissenschaftsministerinnen Eva Kühne-Hörmann (links) und Theresia Bauer begrüßen die Digitalisierung des Werks.

© Rothe

Dichte Regalwände aus dunklem Holz, dicke Leinenbände oder gefaltete Pergamentblätter, das Lorscher Evangeliar reiht sich an das Augsburger Fragment - so könnte sie einst ausgesehen haben, die karolingische Klosterbibliothek in Lorsch. Im neunten Jahrhundert gehörten rund 500 Handschriften zu ihrem Inventar. Bis heute sind 330 Exemplare (fragmentarisch) erhalten. Die Lorscher Codices befinden sich aber längst nicht mehr in ein- und demselben Gebäude. Sie sind über 68 Bibliotheken weltweit verstreut. Ein Wissenschaftler, der alle Werke einsehen wollte, musste bislang eine halbe Weltreise unternehmen.

450 000 Euro aus Hessen

Vor zwei Jahren hat die Uni Heidelberg deshalb in Kooperation mit der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SSG) die "Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch" ins Leben gerufen. Der Inhalt des Projekts ist rasch zusammengefasst: Alle Lorscher Handschriften und Fragmente sollen über das Internet zugänglich gemacht werden. Bislang ist rund die Hälfte der Schriften im Netz einsehbar, denn der Digitalisierungsvorgang gestaltet sich äußerst aufwändig. "Wir benötigen einen Tag, um 180 Blätter oder eben 360 Seiten zu digitalisieren", erklärt der Direktor der Universitätsbibliothek (UB), Dr. Veit Probst. Dazu werden die Manuskripte auf einen sogenannten Buchtisch gelegt, das "Grazer Modell". Die Handschrift wird mit einem Laserstrahl positioniert, während das jeweils aufgeschlagene Blatt durch eine Unterdruckeinrichtung fixiert wird. Daraufhin werden die Handschriften fotografiert und mit Informationen zu Entstehungsort und -zeit versehen.

Es ist aber nicht nur der technische Part, der die Projektpartner vor besondere Herausforderungen stellt. Rund ein Drittel der Handschriften, die aus der karolingischen Klosterbibliothek Lorsch stammen, befinden sich heute im Vatikan. "Die Verhandlungen waren sehr schwierig und wir wurden darauf hingewiesen, dass wir es hier nicht mit irgendeiner Bibliothek zu tun haben, sondern mit einem Staat", erinnert sich Veit Probst.

Über eine Projektdemonstration gelang es schließlich, die Vertreter des Vatikan von der Idee zu überzeugen - mit einer Einschränkung: Bis jetzt sind die Lorscher Manuskripte, die sich im Kirchenstaat befinden, nur für Angehörige der Uni, sowie über Rechner der UB-Handschriftenabteilung und des Klosters Lorsch zugänglich. Ab 1. Januar 2013 sollen sie aber für jedermann zur Verfügung stehen. "Im Moment verhandeln wir noch mit Oxford und der British Library, die sechsstellige Beträge für 25 Handschriften fordern", berichtet Probst.

Die Digitalisierung des Klosterbestandes kostet insgesamt rund 450 000 Euro und wird komplett aus dem hessischen Landeshaushalt finanziert. Die Heidelberger stellen das technische Equipment und ihr Fachwissen zur Verfügung. "Wir fördern das Projekt im Rahmen unserer Bemühungen, an die einstige Bedeutung des Klosters zu erinnern", so die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann. Die Erinnerung an eine Stätte, deren Werke nun außerhalb der Klostermauern wieder vereinigt werden.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 24.03.2012

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