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Wissenschaft: dkfz will Nationales Zentrum für Tumorerkrankungen im Neuenheimer Feld ausbauen

NCT soll aufgestockt werden

Von unserer Mitarbeiterin Heike Dürr

Beim Jahresempfang des dkfz spricht Festredner Prof. Roland Berger (Mitte) mit den Vorständen Prof. Otmar Wiestler (links) und Prof. Josef Puchta.

© Rothe

Am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (dkfz) bleiben auch zukünftig die personalisierte Krebsforschung sowie die Krebsgenom-Sequenzierung die beherrschenden Themen - das wurde jetzt beim Jahresempfang deutlich. "Unsere vielen talentierten und engagierten Mitarbeiter sind unser Kapital", betonte der Vorstandsvorsitzende Prof. Otmar Wiestler, der selbst im vergangenen Jahr von der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet wurde.

Spannende Grundlagenforschung

Das dkfz ist am International Cancer Genome Consortium beteiligt. Laut Wiestler bietet diese außerordentlich wichtige Grundlagenforschung schon heute spannende Ergebnisse und ist eine Fundgrube für neue Erkenntnisse. Das Ziel: Jeder Krebspatient soll zukünftig mit speziell entwickelten Medikamenten und einer individuellen Kombination verschiedener Behandlungsmethoden versorgt werden können. Damit will man den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gerecht werden die belegen, dass Tumoren eine unerwartet hohe Zahl an Gendefekten aufweisen. Und: Dieselben Krebserkrankungen verlaufen bei verschiedenen Patienten markant unterschiedlich. Notwendig für die entsprechenden Diagnosen ist ein Mutationsnachweis. Das alles soll zeitnah möglich sein. "Ich möchte schon 2015 jedem Patienten am NCT eine individuelle Erbgutanalyse anbieten", so Wiestler. Ein ehrgeiziges Ziel, für das in Heidelberg die optimalen Voraussetzungen geschaffen wurden. Voraussetzung ist jedoch auch der Ausbau und die Erweiterung des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen. Ein Ausbauplan soll die notwendigen Schritte ermöglichen, um an die internationale Spitze anzuschließen.

Fakten und Personalien

  • Neue Leiterin des Krebsinformationsdienstes ist Dr. med. Susanne Weg-Remers.
  • Die Stabsstelle Krebsprävention unter der Leitung von Dr. Martina Pötschke-Langer feierte 2012 ihr 10. Jubiläum als WHO Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle.
  • Auch die jüngsten dkfz-Familienmitglieder, die Schülerinnen und Schüler am Life-Science-Lab, wurden 2012 für ihre Arbeit mit einem internationalen Preis ausgezeichnet.
  • Syntegration ist ein  Kunstwort aus Synergie und Integration. Das Prinzip des Verfahrens ist die Wissensvernetzung innerhalb eines Unternehmens.

Das im Sommer 2010 neu bezogene Gebäude im Neuenheimer Feld ist dazu bereits zu klein. Eine Aufstockung wurde im Baukonzept jedoch berücksichtigt, so Hans-Peter Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, die Eigentümer des Gebäudes ist.

Für 2013 hat sich das dkfz noch mehr vorgenommen: "Wir sind weiterhin auf der Suche nach exzellenten Köpfen", so Wiestler. Und die dürfen ruhig weiblich sein. Denn es gibt nach wie vor ein Defizit an Frauen in der obersten Führungsebene. Dagegen werden Maßnahmen wie das Audit "Beruf & Familie" ergriffen, das jungen Forscherinnen eine bessere Vereinbarkeit von Wissenschaft und Kindern ermöglichen will. Zusätzlich wurde aktuell damit begonnen, drei hoch talentierte junge Wissenschaftlerinnen für zehn Jahre mit dem Ziel einer Professur am dkfz zu fördern.

Und auch die dkfz-Frauen selbst sind aktiv. 2011 haben 31 von ihnen - alle in leitenden Positionen tätig - die Executive Women's Initiative gegründet, die sowohl Frauen in Führungspositionen als auch junge Wissenschaftlerinnen auf ihrem Karriereweg unterstützt. Sie sollen dadurch verstärkt an wichtigen Prozessen beteiligt werden.

Dadurch wächst das dkfz natürlich auch personell. Mittlerweile werden dort mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Eine Klausurtagung zum Thema Syntegration sorgte Ende 2012 für neue Impulse, um das Wissen dieser Gruppe hoch qualifizierter Menschen möglichst schnell und effektiv zu sammeln und allen Beteiligten zugänglich zu machen. Ein Highlight war der Vortrag von Medizin-Nobelpreisträger Jules Hoffman in Heidelberg.

Der Festvortrag beim Jahresempfang wurde von einem Mitglied des Advisory Councils gehalten. Nach Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog war Unternehmensberater Roland Berger eingeladen worden. Er referierte zur Rolle Europas in der Weltwirtschaft.

© Mannheimer Morgen, Montag, 11.02.2013

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