Stadtplanung:
Beim Planungsworkshop „Wormser Hof“ entwickeln Bürger vor allem Kultur-Ideen / Einzelhandel vorgesehen
Raum für Romantikmuseum?
Von unserem Mitarbeiter Michael Abschlag
Der Theaterplatz soll umgestaltet werden - auch über die Zukunft des Kinos (rechts) wird diskutiert.
© Rothe
Einst war es das Stadthaus der Erzbischöfe von Worms, die dem Gebäude seinen Namen gaben: "Wormser Hof". Heute ist in der Hauptstraße 110 ein Kino untergebracht - in naher Zukunft wird es vielleicht ein Literaturhaus sein. Oder ein Geschäft für Textilwaren, vielleicht auch beides - je nachdem, für welche Lösung man sich ausspricht. Die Bevölkerung soll an der Entscheidung beteiligt werden. Die Stadt hatte jetzt zu dem Planungsworkshop geladen. Nach der Auftaktveranstaltung im November 2012 sollen bei zwei weiteren Terminen bis April Lösungen ausgearbeitet werden. Dabei geht es auch um den benachbarten Theaterplatz.
Schnell wurde klar, dass alle dafür sind, den Wormser Hof auch kulturell zu nutzen und den Theaterplatz zu verschönern. Doch während die Vertreter eines Literaturhauses am liebsten den ganzen "Wormser Hof" nutzen würden, wollen die Betreibergesellschaft Silva GmbH und der Einzelhandel nur einen Teil des Gebäudes zur Verfügung stellen. Die Idee eines Kulturhauses ist nicht neu, sondern existierte bereits in den 1980er Jahren. Nun wurde sie aufgegriffen und mit dem Gebäude in der Hauptstraße in Verbindung gebracht. Zur positiven Überraschung des Gemeinderats, der damit gar nicht gerechnet hatte, wie Kulturamtsleiter Hans-Martin Mumm zugibt.
Lesungen und Stipendiaten
Nach der Vorstellung der "Initiative Lebenswerte Altstadt" (ILA) soll es ein attraktiver kultureller Anziehungspunkt werden, mit zwei Sälen: einem großen und einem kleinen, die sich für Lesungen und Ähnliches nutzen ließen, und einem Romantikmuseum, das sich auch der Heidelberger Literaturgeschichte widmen und Wechselausstellungen beherbergen soll.
Ferner ist angedacht, in einem Zimmer einen Stadtschreiber, Literatur-Stipendiaten oder einen verfolgten Schriftsteller zu beherbergen. "Ein solches Literaturhaus", heißt es, "würde Heidelbergs Chancen erhöhen, von der Unesco zur Stadt der Literatur ernannt zu werden", eine Auszeichnung, um die man sich im Herbst bewerben will. Dafür bräuchte das Literaturhaus am besten alle drei Stockwerke. Außerdem wünschten sich ohnehin nur drei Prozent der Heidelberger Bevölkerung mehr Einkaufsmöglichkeiten, so die ILA.
Das kann der Heidelberger Einzelhandel so nicht stehenlassen. Die Stadt erlebe seit Jahren einen Rückgang als Einkaufsstadt, hinke hinter Mannheim her und habe es zudem in der Region mit Städten wie Weinheim oder Viernheim zu tun, die in diesem Bereich "aufrüsten". "Auch die anderen Geschäfte in der Hauptstraße würden von einem Magneten profitieren", erläutert Volker Dietrich von Pro Heidelberg, dem Verband des Heidelberger Einzelhandels. "Umgekehrt gefährdet nicht nur die Konkurrenz durch große Kaufhäuser den Einzelhandel, sondern oft auch das Fehlen eines solchen Leuchtturms." Geplant ist ein Bekleidungs- und Sportgeschäft im ersten und weiten Teilen des zweiten Stockwerks. Der Rest - etwa 750 Quadratmeter im Obergeschoss und 400 Quadratmeter im Dachgeschoss, stünden für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung.
Ein Textilgeschäft mit kleinem Literaturhaus scheint also die realistischere Variante. Das will auch der Eigentümer, der ja letztlich an dem Standort Geld für seine Stiftung erwirtschaften will. Noch aber ist die Sache nicht entschieden.
Etwas klarer liegt der Fall beim Theaterplatz. Er soll ein Kommunikations- und Erholungszentrum werden, ein "grüner Ort in der Voraltstadt", wie es Gerhard Wagner von der Bürgerinitiative "Leben in der Altstadt" (LindA) formuliert. Auch die Bäume sollen erhalten bleiben. In den weiteren Planungswerkstädten am 13. März und am 18. April soll dann aus dem Sammelsurium an Ideen ein konkreter Vorschlag ausgearbeitet werden.
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