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Vorbeugung: Stadt Heidelberg befragt 8000 Einwohner / Dritte Untersuchung seit 1998

Wie sicher fühlen sich die Bürger ?

Von unserem Redaktionsmitglied Anja Görlitz

Flüchtlinge im Patrick Henry Village im Sommer 2015. Hat ihre Anwesenheit das Sicherheitsempfinden der Bürger verändert? Auch diese Frage versucht die neue Umfrage zur Sicherheitslage der Stadt Heidelberg zu beantworten. Bürgermeister Wolfgang Erichson glaubt: "Das ist in Heidelberg kein Problem."

© Rothe

Heidelberg. Genau 8000 Heidelberger erhalten in den nächsten Tagen Post von Oberbürgermeister Eckart Würzner. Grund: Zusammen mit dem Institut für Kriminologie der Uni Heidelberg führt die Stadt eine Umfrage zur Sicherheitslage durch - die dritte nach 1998 und 2009.

Für die Befragung wurden 8000 Personen im Alter ab 14 Jahren nach dem Zufallsprinzip aus dem Einwohnermelderegister ausgewählt. Sie erhalten neben dem Schreiben des Bürgermeisters einen elfseitigen Fragebogen. Dieser soll Aufschluss darüber geben, wie sicher sich die Heidelberger an ihrem Wohnort fühlen. Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig, alle Antworten werden anonymisiert, betont die Stadt.

Wohlgemerkt: Es geht nicht um die objektiv messbaren Kriminalitätszahlen, sondern um das subjektive Empfinden der Bürger, um ihre Furcht vor Kriminalität. Erkenntnisse darüber sollen der Stadt und dem Polizeipräsidium Mannheim helfen, ihre Präventionsarbeit gezielt an den Bedürfnissen der Bevölkerung auszurichten. Da diese in den verschiedenen Stadtteilen ganz unterschiedlich sein können, geht es auch um den Vergleich, wie Bürgermeister Wolfgang Erichson gestern im Pressegespräch erklärt.

Sicherheitsumfrage 2017

  • Die Umfrage zur Sicherheitslage ist die dritte nach 1998 und 2009.
  • 8000 zufällig ausgewählte Bürger ab 14 Jahren erhalten einen Fragebogen und in etwa zwei Wochen ein Erinnerungs-/Dankeschreiben.
  • 2009 wurden 5500 Bürger angeschrieben - damals gab es eine Altersgrenze von 70 Jahren.
  • Die Dateneingabe und -auswertung erfolgt am Institut für Kriminologie der Uni Heidelberg.
  • Ergebnisse werden voraussichtlich im Juli präsentiert.
  • Die Stadt Mannheim hat 2016 die gleiche Umfrage durchgeführt. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Betreut und ausgewertet wird die Befragung vom Institut für Kriminologie der Uni Heidelberg, wo sie auch entwickelt wurde. Je mehr Teilnehmer, desto größer der Erkenntnisgewinn - nicht nur für die Forscher, sondern insbesondere für Stadt und Polizei. "Wir hoffen, dass die Rücklaufquote wieder so hoch ist wie bei den vergangenen Befragungen", sagt Bürgeramtsleiter Bernd Köster. 1998 und 2009 lag sie bei mehr als 30 Prozent. Und das Ergebnis der letzten Studie stellte der Präventionsarbeit ein gutes Zeugnis aus: Während 1998 noch etwa 40 Prozent der Heidelberger eine hohe Kriminalitätsfurcht zeigten, hatte sich deren Anteil 2009 auf 20 Prozent halbiert.

Ursachen von Angst erkennen

"Das Konzept ist sehr erfolgreich", erklärt diesen Umstand Dieter Hermann vom Kriminologischen Institut. "Objektive und subjektive Kriminalität beeinflussen sich gegenseitig", führt er aus. Deshalb gelte es, die Ursachen von Kriminalitätsfurcht zu identifizieren und gezielt zu beseitigen. Es klingt ganz einfach: "Furcht führt zu Rückzug, und der Rückzug dazu, dass soziale Kontrolle fehlt - und dann die Kriminalität steigt", erklärt der Professor. Mehr Straftaten wiederum führen zu mehr Furcht - ein Kreislauf, den das Konzept unterbrechen will.

Dass jeder in Prävention investierte Euro etwa zwei Euro bei den Schäden von Kriminalität spart, haben entsprechende Untersuchungen bereits erwiesen, sagt Hermann. Allein von kommunaler Seite fließt in Heidelberg jährlich etwa eine halbe Million Euro in Projekte der Vorbeugung. Will man deren Nutzen in Euro messen, liegt er folglich bei einer Million. Hinzu kommen positive Auswirkungen auf Wirtschaft und Tourismus in einer Stadt, in der sich die Menschen sicher fühlen, so Hermann weiter.

Dass erfolgreiche Vorbeugung auch immer neue äußere Einflüsse berücksichtigen muss, fließt in die Befragung ein. "Wir haben das Thema Flüchtlinge mit aufgenommen", nennt Erichson eine der wenigen Änderungen gegenüber 2009. "Es wird interessant sein, das nach Stadtteilen auszuwerten", hofft er auf Erkenntnisse, ob etwa Flüchtlingsunterkünfte in der Nachbarschaft das Sicherheitsempfinden der Bürger beeinflussen. "Ich glaube aber, das ist in Heidelberg kein Problem", wagt er eine Prognose. Und wenn doch? "Dann ist das auch eine Aussage."

Auf Zielgruppen gerichtet

Um den Ergebnissen der Befragung möglichst zielgruppen-spezifische Projekte folgen zu lassen, enthalten die Fragebögen einen Teil, der auf den ersten Blick nichts mit dem Thema Kriminalität zu tun hat. Dort sollen die Teilnehmer zum Beispiel angeben, ob ihnen Werte wie "Gesundheitsbewusst leben" oder "An Gott glauben" wichtig sind. "Diese Fragen dienen dazu, ein Marketingkonzept abzuleiten", erklärt Hermann: "Auch Projekte zur Kriminalprävention müssen ,verkauft' werden" - je besser, umso erfolgreicher können sie sein.

Den guten Wert von 2009 zu wiederholen, dürfte dennoch auch für Heidelberg schwierig werden. Hermann verweist auf eine repräsentative Studie der R+V Versicherung. Demnach haben Nachrichten über Terroranschläge, gewaltbereite Extremisten und die Flüchtlingskrise die Ängste der Deutschen 2016 in die Höhe schnellen lassen ("Ängste-Studie 2016": bit.ly/2ea7HiO). Auch in Heidelberg wird sich das in irgendeiner Form widerspiegeln, vermutet der Wissenschaftler.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 21.03.2017

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