Es war die 90. Hauptversammlung, die der Bezirks-Obst-, Wein- und Gartenbauverein Weinheim in der Alten Turnhalle in Großsachsen abhielt. Ehrenvorsitzender Peter Lulay rief dabei die Geschichte des Vereins in Erinnerung, der am 19. Februar 1922 im Gasthaus "Zum Storchen" in Weinheim gegründet wurde.
Der damalige Oberbürgermeister von Weinheim, Dr. Meisser, hatte die Bürgermeister des Kreises Weinheim eingeladen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Leutershausens Bürgermeister Förster, zu seinem Stellvertreter Herr Fitzer aus Lützelsachsen gewählt. Als Ziele wurden die Vertretung der Obst- und Gartenbauern, der gemeinsame Einkauf von Pflanzmaterial und Düngemittel, überregionale Schädlingsbekämpfung, Erfahrungsaustausch, Lehr- und Lehrfahrten, Ausbildung zu Obstfachwirten und die Vermarktung des erzeugten Obstes genannt. In der damaligen Zeit wurde das erzeugte Obst meist von kleineren Händlern aufgekauft oder auch nicht, was oft zu großer Unzufriedenheit führte.
Bessere Vermarktung
Die Hauptsorten waren bei den Äpfeln Bohnapfel, Boskop, Goldrenette und Schafsnase, bei den Birnen Kaiserkrone, Gute Luise, Flaschenbirne, Käsbirne und Doppelt Philipps, bei den Zwetschgen Lützelsachsener Frühe, Bühler und Ruth Gerstetter, bei den Kirschen meist die dunkle Mohrenkirsche. Außerdem gab es noch Mirabellen, Quitten, Beerenobst, um nur einige zu nennen. Dieses Obst wurde zum großen Teil auf Hochstämmen erzeugt. Es war immens schwer, die Obstbauern zum Umstellen auf niedrige Bäume zu überzeugen.
Auf Betreiben des Bezirksvereins wurde am 21. Dezember 1929 die Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Weinheim gegründet, damit eine bessere Vermarktung stattfand. Auch Sortenempfehlungen und eine einheitliche Verpackung waren Schwerpunkte dieser Genossenschaft, die erst vor drei Jahren aufgelöst wurde.
Der Bezirksverein förderte auch die Gründung von lokalen Obst- und Gartenbauvereinen, um die gesteckten Ziele besser und schneller umzusetzen und Ansprechpartner in den einzelnen Orten zu haben. Die meisten Vereine wurden 1930 bis 1935 gegründet. Interessant ist, dass der Vorsitzende eines Obst- und Gartenbauvereins erst nach einer erfolgreichen Prüfung zum Obstbaumfachwirt oder Besitzer des Titels das Amt ausführen durften.
Seit seiner Gründung ist der Bezirksverein Mitglied im Landesverband für Obst- und Gartenbau Baden-Württemberg (LOGL), der 1880 gegründet wurde. In ihm sind 919 Ortsvereine mit etwa 101 000 Mitgliedern vereint. Der LOGL ist in elf Regionen gegliedert. Der Bezirksverein Weinheim gehört zur Region "Unterer Neckar" und besteht aus den zehn Vereinen Laudenbach, Hemsbach, Sulzbach, Weinheim, Lützelsachsen, Hohensachsen, Großsachsen, Leutershausen, Schriesheim und Rippenweier/Oberflockenbach.
Auch wenn sich in der heutigen Zeit in manchem die Anforderungen und Probleme in den Vereinen geändert hätten, sagte Lulay mit Blick auf EU-Normen, Pflanzenschutzvorschriften, Verpackungseinheiten, Natur- und Umweltschutz, seien sie keinesfalls weniger geworden. Er wünsche sich daher eine weiterhin gute Zusammenarbeit des Bezirksvereins mit den Mitgliedsvereinen, dem Landesverband und den zuständigen Ämtern. zg
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