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Ladenburg: Trauerfeier für Musiker Konstantin Bommarius fand dieser Tage statt

Abschied von Ex-Rockgröße

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 03.07.2014

In den 70ern befeuerte das grandiose Schlagzeugspiel von "Konni" Bommarius so geniale Bands wie "Twenty Sixty Six And Then".

© Gerhard Vormwald

"Er war seinerzeit einer der besten deutschen Rockschlagzeuger." Dies sagt der Ladenburger Ex-Musiker Rainer Geyer mit Fug und Recht über seinen früheren Bandkollegen Konstantin "Konni" Bommarius: Der in Ladenburg aufgewachsene Schlagzeuger gehörte in den 1970er Jahren zu herausragenden deutschen Rockformationen wie Karthago und hat sich auf mehreren Alben verewigt. Kurz vor seinem 64. Geburtstag verunglückte Bommarius bei einem Unfall in Mannheim tödlich.

Am vergangenen Samstag fand in der Ladenburger Friedhofskapelle die Trauerfeier mit Diakon Thomas Pilz statt. Neben der Familie und Freunden waren viele musikalische Weggefährten unter den Gästen, darunter auch Rockprominenz. Bommarius hat selbst tiefe Spuren in der Rockhistorie hinterlassen. Und alles begann in Ladenburg: Dieser Tage ist im "MM" öfter etwas über die Generalsanierung des Carl-Benz-Gymnasiums (CBG) zu lesen. Die Einweihungsfeier des damaligen Neubaus hat Bommarius 1970 mit seiner Band "Mad Fashion" musikalisch begleitet. An der Schule wirkte ja sein 2013 verstorbener Vater Karl Bommarius als Lehrer und später als Konrektor. Damals war der Ex-Musikhochschulstudent "Konni" schon zum ersten Mal verheiratet und selbst junger Vater eines Sohns.

Zu "Mad Fashion" zählte auch Keyboard-Könner Geyer alias Steve Robinson und der Ilvesheimer Gitarrist Gagey Mrozeck, der später bei der famosen Mannheimer Hardrockband Kin Ping Meh Maßstäbe setzte und in den 80ern maßgeblich an populären Alben von Herbert Grönemeyer mitwirkte. Ihre frühe Gruppe Mad Fashion eröffnete auch die ehemalige Ladenburger Disco "Lord Nelson" und trat im einstigen Bahnhofshotel der Römerstadt auf.

Der Ladenburger "Freundeskreis Rhein-Neckar-Rock" um Thomas und Petra Pindris sowie Claus Hessenthaler würdigte das musikalische Werk auch etlicher Bommarius-Bands bereits 2002 mit einer Ausstellung sowie einem Open-Air-Konzert auf dem Huben-Gelände. Bildeten doch die Musiker Bommarius, Geyer und Mrozeck aus dem Verbreitungsgebiet dieser "MM"-Ausgabe auch die Keimzelle für die grandiose Spacerock-Gruppe Twenty Sixty Six And Then, deren 1972er Album "Reflections On The Future" bis heute bei Sammlern begehrt ist.

"Rock 'n' Roll Testament"

Doch Bommarius war das bereits zu kommerziell ausgerichtet. Er suchte, ganz im Spirit der wilden 70er Jahre, weniger den monetären Erfolg als immer neue Herausforderungen. So lehnte er ein Angebot von Peter Maffay ab. Mit der Krautrock-Gruppe Abacus trat Bommarius vor zigtausend Zuhörern beim legendären 2. "British Rock Meeting" in Germersheim auf, wo auch Größen wie Pink Floyd gastierten. Kurz darauf stieß "Konni" zur Experimentalrockband Agitation Free.

Im Dezember 1973 wechselte Bommarius zu Karthago: Die Berliner Band zählte damals zur Elite der deutschen Rock-Szene. Das beste Karthago-Album wurde mit Bommarius aufgenommen: "Rock 'n' Roll Testament" erschien heute vor 40 Jahren. Es folgten TV-Auftritte. Bei der deutschen Muppets Show war er der Drummer Das Tier. In der Bild-Zeitung war er auf einer Doppelseite der "Mann mit dem goldenen Schlagzeug". Doch tragischer Weise konnte Bommarius aus gesundheitlichen Gründen bald schon kein herkömmliches Schlagzeug mehr spielen. Erst ab 1998 war er wieder kreativ. Kurz vor seinem Tod arbeitete er neben seinem Job beim Diakonischen Werk in Mannheim unter dem Pseudonym "Beckenhower" an einem Elektronikprojekt. Mit Bommarius "eine schillernde, engagierte und nicht angepasste Musikerpersönlichkeit verloren" zu haben, bedauert Hermann Rütermann (Verein "Kultur-Brücken") in einem Nachruf auf Facebook. pj

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 03.07.2014

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