"Trauerredner" Andreas Lange vom Gesangverein Liederkranz hat seine Zuhörer beim Heringsessen im voll besetzten Ladenburger Kaiserkeller wahrlich nicht geschont. Nein, es gab Saures: Fasnacht? Erneut fast Fehlanzeige. Bahnhofsumbau bis Ende 2015? Zweifelhaft. Tanz in den Mai, Ballon-Festival, Lampion-Fest im Schulhof? Ausgefeiert. Kulturhalle? Bloß banges Hoffen. Altes Feuerwehrhaus? Stillstand. Wohnmobilstellplatz? Nur überzogene Kritik. Und der Weihnachtsmarkt? Steht vorerst in den Sternen.
Langes Fazit: "Do werd mer ehrlisch rischdisch schlescht." Des Totengräbers Appell deshalb: "Leit, des konn doch so ned bleiwe." Das saß richtig. So deutlich hatte sich das noch kaum einer vor Augen geführt, dass "in Ladeberg doode Hoos´" herrscht. Und so dauerte es eine Schrecksekunde lang, bis einer den närrischen "Uijujui-Auwauwau"-Gesang anstimmte.
Der Aschermittwoch ist ja nie ein reiner Spaß für Narren. In Ladenburg gesellten sich diesmal zur symbolischen Trauer um das Ende einer besonders kurzen Kampagne bittere Erkenntnisse: "Das Interesse an der Ratze-Fasnacht lässt nach. Wir müssen uns Gedanken machen", räumte Vizechefin Petra Raudzis vom Ladenburger Karnevalsverein offen ein, bevor sie Stadtkasse und Rathausschlüssle aushändigte.
"Traurig, traurig", sagte Bürgermeisterstellvertreterin Gudrun Ruster angesichts der gähnenden Leere in der Geldschatulle. Ihr Ratschlag für die klammen Ratze: "Sie sollten versuchen, Ladenburger Kinder zu gewinnen, um wieder mehr Besucher anzuziehen." Aber es gab auch Positives zu hören: "Wir sind stolz auf unseren Garde-Nachwuchs und auf eine so sympathische Lieblichkeit, die Ladenburg und die Ratze toll vertreten hat", lobte Frau Raudzis beispielsweise Jugendprinzessin Franziska Haas aus Mannheim.
"Wir kämpfen weiter", erklärte Raudzis noch tapfer, bevor sie feststellte: "Schweren Herzens nehmen wir Abschied nun und lassen die Fasnacht bis 11.11. ruh´n." Allerdings hat Bürgermeister Ziegler noch vier närrische Gebote zu erfüllen, die ihm wie immer beim Rathaussturm zu Gunsten sozialer Einrichtungen auferlegt worden waren. Um aber dem Karneval in der Römerstadt wieder mehr Schwung zu verleihen, will der Liederkranz am "Schmutzigen Donnerstag" 2014 in Kaiserkeller etwas auf die Beine stellen. Dies kündigte der Schonungslose mit dem schwarzen Zylinder an.
"Unser Kaiserkeller ist voll besetzt, wir sind sehr zufrieden", zog Jörg Boguslawski am Ende Bilanz, aber in seiner eigentlichen Funktion als Chef des gastgebenden Liederkranzes und nicht länger als "Sargträger" neben Markus Hautzinger. Dieses Amt üben beide Sänger erst am Aschermittwoch 2014 wieder aus. Im nächsten Jahr beginnt die christliche Fastenzeit erst am 5. März. pj
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