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Ladenburg: Archäologischer Überraschungsfund an der Zehntscheuer elektrisiert Ausgräber

Wehrmauer im Norden aus Angst vor Alemannen errichtet?

Von unserem Mitarbeiter Peter Jaschke

Reste einer antiken Riesenmauer und eines Turms, vermutlich im kriegerischen 3. Jahrhundert eilig im nördlichen Stadtgebiet des römischen Lopodunums errichtet: Es galt einen überraschenden Fund zu bestaunen. So kamen knapp 150 historisch Interessierte aus Ladenburg und Umgebung an die Baugrube neben der Zehntscheuer. Bislang war man doch davon ausgegangen, dass dieser Teil der Römersiedlung nur mit einem Wall- und Grabensystem umfriedet und dass lediglich der südliche Bereich eher aus repräsentativen Gründen steinern bewehrt gewesen war.

"Alles, was sie hier sehen, habe ich nicht erwartet", gesteht Dr. Britta Rabold offen ein. Der Chefarchäologin beim Regierungspräsidium Karlsruhe, die seit 1998 für die Römerstadt zuständig ist, war die innere Freude anzumerken. Das gesamte Areal an der Zwingertgasse ist zwar Grabungsschutzgebiet und war geophysikalisch erkundet worden.

Schlagkräftiges Grabungsteam

"Die Sondagen waren aber nicht so aussagekräftig", erläutert Rabold. Man hatte, weniger spannend, römische Gruben, eine Ost-West-Straßenverbindung und Reste eines Ofens "ermittelt". Doch Anfang Mai stieß das "kleine, aber schlagkräftige Grabungsteam" (Rabold) aus Peter Eule, Valeriu Banari, Christian Röttich und Robin Dürr in der Baugrube eines Doppelhauses, das ab September neben der Zehntscheuer an der Zwingertgasse entstehen soll, auf erste Hinweise, dass hier etwas Besonderes zu erwarten war.

Was letztendlich zu Tage kam, "ist sensationell für Ladenburg", wie Rabold betont. Zunächst legten die Ausgräber Grundmauern eines römischen Wohnraums mit Fußbodenheizung frei, der bereits vor dem Mauerbau entstanden war. Der Kalk-Mörtel-Estrich des früheren Fußbodens ist noch bestens erhalten. Auch Reste von "Pfeilerchen", die einst den ganzen Raum ausgefüllt haben müssen, sind noch gut zu erkennen. Bei dem mit Fußbodenheizung ausgestatten, also hypokaustierten, Gebäude soll es sich laut Rabold nicht um ein Bad handeln.

Rätselhaft erschien den Forschern anfangs der Fund zweier fast völlig vollständiger Pferde- oder Maultierskelette. Warum die Tiere neben dem Haus bestattet worden waren, blieb unklar, bis in der gleichen Grube ein Zügelführ-Ring gefunden wurde. "Beide Tiere haben wohl in einem Gespann gearbeitet, das vermutlich für die Materiallieferung zum Bau der Stadtmauer eingesetzt wurde", mutmaßt Rabold schlüssig.

"Auch unsere Zoologin hat sich über die Huftiere richtig gefreut", sagt Rabold. Als Glanzlicht gilt aber die Stadtmauer, genauer: deren massive Gründungssohle. Als man auf diese starke Gesteinslage ("Rollierungspaket") stieß, dachte man erst an eine römische Straße, die hier aufgrund früherer Befunde auch von Rabolds Amtsvorgängern immer vermutet worden war.

Erst der entscheidende und "äußerst qualitätsvolle Fund" der Reste eines Zwischenturms, so Rabold, war der Schlüssel zu Erkenntnis, dass es sich "eindeutig um eine römische Befestigungsanlage" handeln muss. In den nächsten Wochen wollen die Archäologen Ausmaß und Entstehungszeit genauer ermitteln. Eines ist laut Rabold bereits klar: "Die römische Stadtkarte muss neu gezeichnet werden."

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 16.08.2012

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