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Amtsgericht: Mann verletzte Streitschlichter mit Glasflasche

Attacke in Disko – Strafe auf Bewährung

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 23.02.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Schrott

Er wollte eigentlich nur einen Streit in der Diskothek schlichten und wurde dabei brutal attackiert. Dominik Lieboner erhielt im März 2015 bei der Auseinandersetzung im "Musikpark" am Berliner Platz mit voller Wucht einen Schlag mit einer Glasflasche ins Gesicht. Die Verletzungen des 30-Jährigen mussten mit 28 Stichen genäht werden. Der 25-jährige Angreifer wurde gestern am Amtsgericht zu einer Haftstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss der geständige Angeklagte 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

"Weil Sie nicht vorbestraft sind, wird die Strafe noch zur Bewährung ausgesetzt. Ich hoffe aber, dass Ihnen das eine Lehre sein wird", gab die Amtsrichterin dem 25-Jährigen mit auf den Weg, der nach einem abgebrochenen Studium bald eine Ausbildung beginnen will. Solch massive Verletzungen habe sie bei einer gefährlichen Körperverletzung noch nie erlebt. Der 30-Jährige habe durch die tiefen Wunden etwa einen Liter Blut verloren.

Monatelang krankgeschrieben

Plädoyers im Prozess

An den drei Verhandlungstagen wurden acht Zeugen gehört.

Staatsanwalt Christof Broschart forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monate sowie 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Nebenkläger Axel Kaufmann plädierte auf das gleiche Strafmaß und eine Monatszahlung von 100 Euro des Angeklagten an das Opfer während der dreijährigen Bewährungszeit.

Verteidiger Jochen Hoos sprach sich für eine Bewährungsstrafe aus, dabei sollte eine verminderte Schuldfähigkeit berücksichtigt werden.

Lieboner, dessen Gesicht von Narben übersät ist, hat nicht nur körperlich, sondern auch psychisch weiterhin unter den Folgen der Attacke zu leiden. Wegen Angstzuständen und Konzentrationsstörungen war der Web-Entwickler neun Monate lang krankgeschrieben.

Der Angeklagte hatte nach Ansicht des Gerichts im betrunkenen Zustand gezielt zugeschlagen, ohne dass er provoziert worden sei. Lieboner hatte einer 25-jährigen Freundin helfen wollen, die gegen 3 Uhr von einem Freund des Angeklagten belästigt und angefasst worden sei. Lieboner erhielt zunächst einen Schubser und dann den Schlag mit der Flasche. Der Angeklagte hatte erklärt, dass er eine angreifende Bewegung wahrgenommen und überreagiert habe. Eine Blutprobe ergab bei ihm einen Wert von 1,5 Promille, ein Atemalkoholtest direkt nach dem Vorfall sogar 2,2 Promille. Beim 30-Jährigen wurde indes ein Wert von 1,1 Promille gemessen.

Für die Behauptung des türkischstämmigen Angeklagten, wonach er durch ausländerfeindliche Äußerungen des 30-Jährigen in seiner Ehre gekränkt worden sei, ergab der Prozess nach Ansicht des Gerichts keine Bestätigung. Zwei Frauen, die von der Verteidigung benannt wurden, gaben gestern an, aus einer Entfernung von drei bis vier Metern Worte wie "Scheiß Türke" gehört zu haben. "Das erstaunt mich sehr, denn eine neutrale Zeugin, die näher am Geschehen war, hatte davon nichts mitbekommen", erklärte Staatsanwalt Christof Broschart. Er kündigte an, wegen dieser "Gefälligkeitsaussagen" ein Verfahren gegen beide Zeuginnen einzuleiten.

Verfahren gegen Zeuginnen

"Das sind alles Erfindungen", sagte Nebenkläger Axel Kaufmann. Es sei seltsam, dass beide Frauen in der lauten Disko nur ausländerfeindliche Worte gehört haben wollen, aber sonst nichts. Zuvor hatte die Richterin die Zeuginnen an die Wahrheitspflicht bei ihren Aussagen erinnert.

Lieboner hatte seine Gesichtsverletzungen im März 2015 auf Facebook mit den Worten "So sieht man aus, wenn man Zivilcourage zeigt" gepostet. Dieser Beitrag im sozialen Netzwerk wurde bislang rund 107 000 Mal mit "Gefällt mir" markiert. Auch wenn de 30-Jährige diese Anteilnahme schätzt, freute er sich gestern noch mehr darüber, dass der Prozess beendet ist: "Darüber bin ich sehr erleichtert."

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 23.02.2016

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