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Diskussion: Unternehmer Thomas Bruch beim „Aschermittwoch der Wirtschaft“ im Pesch-Haus

Erfolgsgeheimnis: Mitarbeiter

Archiv-Artikel vom Freitag, den 15.02.2013

Von unserem Mitarbeiter Ulli Heidelberger

Der Konkurrenzdruck ist groß. Viele Verbraucher suchen nach dem günstigsten Preis und fragen nicht danach, wie etwas hergestellt wird. Lassen sich unter diesen Wettbewerbsbedingungen moralische und mitmenschliche Standards erhalten? Dieser Frage ging Thomas Bruch (Bild) beim gut besuchten "Aschermittwoch der Wirtschaft" nach. Im Heinrich Pesch Haus berichtete der Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Globus Holding GmbH vom Anspruch und der Realität einer ethischen Unternehmenskultur, die Gewinn erwirtschaftet - "aber nicht zum Selbstzweck, sondern als Saatgut für die Zukunft".

Das Familienunternehmen mit Sitz in St. Wendel beschäftigt rund 32 500 Mitarbeiter, hauptsächlich in Deutschland, aber auch in Tschechien und Russland. Das Unternehmen verfügt über 44 sogenannte SB-Warenhäuser, 78 Baumärkte und zwei "Globus-Drive-Ins". 10 000 Mitarbeiter - von der Kassiererin bis zum Marktleiter - sind als stille Gesellschafter am Unternehmenserfolg beteiligt. Mit einem Jahresumsatz von 6,6 Milliarden Euro liegt der Marktanteil im Einzelhandel bei 1,5 Prozent - eigentlich zu gering, um ähnlich gute Konditionen wie Branchenriesen oder Discounter zu bekommen.

Herstellung vor Ort

Den Erfolg sieht Bruch in zwei Faktoren: Zum einen sei man selbst Hersteller - vor Ort in den Bäckereien und Metzgereien der Märkte. Statt Teiglinge aus Osteuropa aufzubacken sowie Wurst- und Fleischwaren mit Konservierungsstoffen lange haltbar zu machen, werde frisch produziert - "echtes Handwerk, und die Qualität hat sich herumgesprochen", so Bruch. Zum anderen machten die Mitarbeiter den Unterschied: "Sie werden wertgeschätzt und ernstgenommen, denn sie sind nah am Kunden." Statt starrer Vorgaben verfügen sie über Gestaltungsmöglichkeiten in ihrem Bereich. Statt einfach nur ihren Job zu machen, sollen sie das Ganze sehen, mitdenken, Eigeninitiative zeigen. "Das kostet natürlich", so Bruch - schon während der Ausbildung - rechne sich aber durch eine höhere Produktivität und Zufriedenheit. Das gute Betriebsklima werde von Betriebsräten und Gewerkschaften als Wert anerkannt, so Bruch.

Im Anschluss an den Vortrag wurden auch kritische Fragen gestellt - etwa was Bruch vom Aussterben der Innenstädte halte, für das SB-Warenhäuser mit verantwortlich wären. Das Auto habe eben mittlerweile die "Funktion einer Einkaufstasche" übernommen, konterte der Globus-Geschäftsführer. Nur mit mehr Flair und Atmosphäre könnten Innenstädte gegen die "grüne Wiese" bestehen. Ein Patentrezept dafür gebe es aber nicht.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013

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