Gäbe es das durchschnittliche Ludwigshafener Gymnasium, wären dort im September nach den Zahlen des SEB-Clubs 400 Unterrichtsstunden ausgefallen. Das sind mehr als sieben Prozent und damit eindeutig zu viel. Niemand kann und will es gutheißen, dass eine Klasse etwa ein halbes Jahr lang keinen Sport- oder Musikunterricht hat. Doch bevor man reflexartig auf die Bildungspolitik des Landes schimpft und den Staat an seine Verantwortung erinnert, seien drei Anmerkungen erlaubt.
Die Erste betrifft den strukturellen Unterrichtsausfall: Er führt meist nicht dazu, dass Mathe- oder Englischstunden ausfallen, sondern dass es weniger Differenzierungs- und Förderangebote gibt. Das ist nicht gut, aber eher zu verschmerzen. Die Zweite will darauf hinweisen, dass der temporäre Ausfall häufig durch Krankheiten verursacht wird - gegen die kein Arbeitgeber gefeit ist. Und mit der Dritten soll an einen weiteren Unterrichtsausfall erinnert werden, der zwar nicht statistisch erfasst wird, aber gefühlt seit Jahren steigt: der Ausfall des elterlichen Unterrichts.
Entgegen der Meinung mancher Väter und Mütter ist nämlich nicht alleine der Staat für die Bildung ihrer Kinder verantwortlich. Schließlich zeigen zahlreiche Studien, dass nicht nur die Schule, sondern ganz wesentlich das Elternhaus über den schulischen Erfolg eines Kindes entscheidet.
Das rechtfertigt keine ausgefallene Schulstunde. Aber es ruft ins Gedächtnis, dass die wichtigsten Lehrer nicht im Klassenzimmer sitzen - sondern zu Hause.
Leser-Kommentare
Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen