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Spielbank: Kasino-Besitzer empört über mögliches neues Projekt in Mannheim / Konkurrenzbau in Ludwigshafen?

Bad Dürkheim spielt nicht mit

Von unserem Redaktionsmitglied Thorsten Eisenhofer

Viele Gäste der Spielbank Bad Dürkheim kommen aus Mannheim und Umgebung. Man befürchtet deren Verlust, sollte in Mannheim ein Kasino entstehen.

© ZG
© Irina Tischenko

Bad Dürkheim. Einfach idyllisch. Traumhaft schön strahlt Bad Dürkheim an diesem Morgen mit der Sonne um die Wette, im Herzen der Stadt liegt das Kurhaus, dahinter schließt sich der Kurpark an. Auch im Inneren des Kurhauses, das Heimat der Spielbank ist, wirkt alles sehr malerisch. In einem der Aufenthaltsräume für Mitarbeiter ist ein Bericht aus dem "MM" an die Wand gepinnt. Es geht um den möglichen Bau einer Spielbank in Mannheim, den die Baden-Württembergische Spielbank-Gesellschaft ins Auge gefasst hat.

Zustrom aus Rhein-Neckar-Region

Hier hört für Michael Seegert die Idylle auf und der Ärger beginnt - auch wenn die Spielbanken-Gesellschaft noch gar nicht endgültig über den Bau entschieden hat, der Landtag erst noch zustimmen muss. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Spielbank Bad Neuenahr GmbH schimpft: "Es ist eine Unzeit, über die Neugründung eines Kasinos nachzudenken. Wir würden unter einer Spielbank in Mannheim leiden, Gäste verlieren und müssten Personal entlassen."

40 Prozent der Kunden der Spielbank Bad Dürkheim kommen laut Seegert aus Nordbaden und Südhessen. Gäste, die er nicht an Mannheim verlieren möchte. "Der zu verteilende Kuchen wird nicht einfach größer. Er wird dann nur anders verteilt." Womöglich unvorteilhafter für die Einrichtung in Bad Dürkheim.

Und so schickt Seegert ein paar verbale Giftpfeile über den Rhein. "Es ist nur so ein Gedankenspiel. Aber die Spielbank Bad Neuenahr GmbH könnte ja auch den Antrag stellen, ein Kasino in Ludwigshafen zu eröffnen. Ob das wirtschaftlich sinnvoll ist, sei mal dahingestellt." Vor 15 Jahren habe es diese Idee schon einmal gegeben, Businesspläne seinen bereits ausgearbeitet und mit dem Innenministerium besprochen gewesen - aber dann in der Schublade verschwunden, um nicht den Bau eines Kasinos in Mannheim zu provozieren. Auch über eine juristische Anfechtung einer möglichen Ausschreibung für eine Spielbank in Mannheim - sollte sie nicht den EU-Richtlinien entsprechen - und über eine eigene Bewerbung werde nachgedacht, sagt Seegert.

Und so echauffiert er sich über die baden-württembergische Landesregierung, die finanziell profitieren würde - und über die Stadt Mannheim, die ebenfalls einen Batzen des Ertrags abbekommen würde: "Dass die ein Interesse an Zusatzeinnahmen hat, ist klar. Jede Stadt würde sich darüber freuen."

Große Verluste seit 2008

So wie auch die Stadt Bad Dürkheim. Für die das Kasino ein hübscher Kassenfüller ist. Mit Zuweisungen aus dem Spielbankbetrieb in Höhe von 1,2 Millionen Euro rechnet die Kurstadt laut einer Sprecherin für 2012 - das sind zehn Prozent der Spielbankabgaben. Das Kasino muss nach eigenen Angaben 50 Prozent der Umsätze an Land und Kommunen abtreten.

Michael Seegert hält ein Schaubild mit den Umsatzzahlen aller deutschen Spielkasinos seit 2007 in den Händen. Nach oben verlaufende Linien bedeuten Gewinne, nach unten verlaufende Linien Verluste gegenüber dem Vorjahr. Es sind nur nach unten verlaufende Linien zu sehen. Laut Seegerts Zahlen ist der jährliche Gesamtumsatz aller deutschen Kasinos von 712 Millionen im Jahr 2007 auf 392 Millionen 2011 gesunken - also um 45 Prozent in vier Jahren. Eigene Zahlen will er nicht nennen.

Die Kasinobetreiber machen für den Umsatzrückgang den 2008 von den Ländern eingeführten Glücksspielstaatsvertrag verantwortlich. Seitdem unterliegen nun auch Räume mit Spielautomaten Zutrittskontrollen. Eine Regelung, die Seegert befürwortet. Eigentlich. Wenn sie denn auch für Spielhallen und Spiele im Internet gelten würde: "Wegen Spielsucht mit Zutrittsverbot für Kasinos belegte Menschen werden dort abkassiert." Zudem befürchtet er durch die Liberalisierung des Marktes für Sportwetten bald "an jeder Ecke ein Wettbüro" - und weiter sinkende Einnahmen.

Allerdings kämen immer noch viele Menschen nach Bad Dürkheim, um ein schönes Wochenende in der Pfalz zu genießen und ins Kasino zu gehen. "Das Drumherum spielt große Rolle", weiß Seegert. Daher würden auch viele Menschen seine Spielhalle einer in Mannheim vorziehen. Sagt es und lehnt sich zufrieden zurück. Da ist sie wieder, die Idylle in Bad Dürkheim.

Samstag, 24.03.2012

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