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Architektur: Am Beton des Tambours auf der Protestantischen Kirche Limburgerhof nagt Rost / Baustopp bei Sanierung

Glasturm muss abgebaut werden

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 26.07.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Michaela Roßner

An den Pfosten bröselt der Beton: Die Schäden am Dachaufsatz der Protestantischen Kirche in Limburgerhof sind so massiv, dass er nicht mehr zu reparieren ist. Ende dieser Woche soll er von der denkmalgeschützten Bau entfernt werden.

© Venus (3) / Grimm

Durch die Glaskuppel flutete bislang das Licht auf den Altar im Innenraum.

Die Protestantische Kirche mit dem eingerüsteten Tambour.

Pfarrer Martin Grimm vor dem Baugerüst auf dem Kirchendach.

Limburgerhof. Das Ausmaß der Schäden am 60 Jahre alten Beton kam erst zum Vorschein, als die Sanierung bereits begonnen hatte: An der Stahlbeton-Glas-Konstruktion des Zylinders auf dem Dach der Protestantischen Kirche hat der Zahn der Zeit genagt. Rost sorgte dafür, dass der Beton bröselt wie ein altes Brötchen.

Für die Kirchengemeinde eine echte Hiobsbotschaft: Statt der für eine Sanierung eingeplanten 150 000 Euro müssen nun für den Ersatz des 15,5 Meter hohen und fünf Meter dicken Tambours 300 000 Euro aufgebracht werden. Ein Kraftakt, zumal das Ende der 1950er Jahre errichtete, unter Denkmalschutz stehende Gotteshaus noch an anderer Stelle modernisiert werden muss.

Der Begriff Tambour kommt aus dem Französischen und bedeutet Trommel. Er beschreibt die Form des aus zwölf Elementen bestehenden Dachaufsatzes mit der runden Grundfläche und der flachen Kuppel. Drei massive Eisenringe halten die maroden Pfosten zusammen. Doch seit die Betonbauer die Löcher in den Trägern freilegten, bestehen aus Sicht der Statik berechtigte Sorgen an der Sicherheit.

Evangelische Kirche Limburgerhof

Am 1. Dezember 1926 wurde durch den Landeskirchenrat eine selbstständige Protestantische Kirchengemeinde in Limburgerhof gebildet.

Es dauerte lange, bis ein eigener Kirchenbau realisiert wurde. Schließlich wurde die Kirche nach den Plänen des Speyerer Architekten Egon Freyer gebaut: Der erste Spatenstich fand am 28. November 1955 statt, am 6. Januar 1957 war Einweihung.

Der Kirchenbau kostete 386 000 Mark - also unter 200 000 Euro.

Im Jahr 1992 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt.

Sie ist charakteristisch für die 1950er Jahre, wobei aber auch historische Motive neu interpretiert werden - zum Beispiel die direkte Beleuchtung des Altars mit einer Tambourkuppel wie im Barock.

Die Kosten für einen Neuaufbau des Tambours werden mit 300 000 Euro veranschlagt.

Ursprünglich hatte die Kirchengemeinde mit der Hälfte der Summe für eine Sanierung des Glas-Beton-Aufsatzes gerechnet.

Der frei stehende Turm ist 31 Meter hoch und erhielt 1958 vier Glocken. Er wurde 2012 für 236 000 Euro saniert (da war ein gemeinsames Lichtkonzept für den Tambour enthalten).

Weitere Sanierungen stehen an, unter anderem muss das Kupferdach erneuert werden.

[mehr...]

"Wir haben am 30. Mai einen Baustopp verhängt", berichten Pfarrer Martin Grimm, seine Kollegin Martina Kompa und Stefanie Müller von der Bauabteilung des Landeskirchenrates Speyer. Nun müsse erst einmal geklärt werden, wie es weitergeht.

Eines sei klar, erklärt Architekt Sebastian Metz aus Insheim: Der Tambour muss abgebrochen werden. Er sei nicht mehr zu reparieren. Am Freitag soll ein 100-Tonnen-Kran den Zylinder in einem Stück anheben und auf der Wiese neben der Kirche absetzen, wo das Bauteil zerkleinert und abtransportiert wird. Die Scheiben sind bereits ausgebaut und werden aufbewahrt, bis sie vielleicht wieder eingebaut werden können, ergänzt Metz.

Sonne fällt morgens ein

Eigentlich sollte am 11. September, dem Tag des Denkmals, der erste Gottesdienst unter dem frisch sanierten Tambour stattfinden. Das Bauelement ist aus dem Barock abgeschaut, wo es der Beleuchtung der Kirchen diente. In der modernen Variante der Nachkriegszeit hat der Erbauer, Architekt Egon Freyer, den Tambour direkt über den Altar gesetzt.

"Unsere Kirche ist nicht wie üblicherweise ,ex oriente', also aus dem Osten kommend, sondern Richtung Nordost ausgerichtet. Geht am Vormittag die Sonne auf, fängt sich das Licht im Tambour und wird über den Altar projiziert", beschreibt Grimm das faszinierende Schauspiel, das dazu beigetragen hat, dass die Kirche 1992 den Denkmalschutzstatus erhielt.

"Über dem Chor befindet sich ein verglaster Kegelstumpf als Betonrippenkonstruktion in der Art einer Laterne", formulierte das Landesdenkmalamt im Juli 1992 bei der Unterschutzstellung. Nach einer Besichtigung gibt die Behörde 24 Jahre später die Einwilligung, den Tambour abzubrechen und durch eine neue Konstruktion zu ersetzen. "Faktisch hätten wir mindestens 50 Prozent der alten Substanz ersetzen müssen", verweist Metz auf die vorgefundenen Materialmängel. Eine Sanierung, so die Prognose, hätte ohnehin nur zehn bis 15 Jahre gehalten, dann wären weitere Arbeiten fällig geworden - und das Statik-Problem hätte fortbestanden.

Sobald der Tambour Ende der Woche abgehoben ist, wird ein Notdach aufgebaut, "eine Holzkonstruktion", beschreibt Müller. Das Dach sei dann vorübergehend dicht - eine endgültige Lösung sei das aber nicht. Gemeinsam mit der Gemeinde soll in den nächsten Wochen überlegt werden, wie es weitergeht und wie die Reparatur finanziert wird. Seit Anfang April werden die Gottesdienste nicht mehr in der Kirche, sondern im Gemeindehaus abgehalten. Das sei aber nicht dasselbe, erzählt Grimm, und mancher Besucher bleibe aus.

Am 11. September wird die Kirche als Denkmal zu besichtigen sein. "Wir möchten die Bevölkerung einladen, sich mit der Architektur und den Möglichkeiten des Wiederaufbaus zu beschäftigen", hoffen Grimm und Kompa auf reges Interesse. Denkbar seien mehrere Bauvarianten: Ein Tambour wie der alte, aus Stahlbeton oder Edelstahl mit den alten Fenstern wäre dem bisherigen Dach am nächsten.

Aber auch ein schlichtes Glasdach ist denkbar. Dann fehlte aber wohl das Besondere: "Ohne Tambour wäre es eine einfache Kirche", sagt Grimm. Das kann wohl auch doppeldeutig gelesen werden, denn ohne Trommeldach hätte es die Kirchengemeinde mit der Instandhaltung ihres Gotteshauses sicher deutlich leichter.

Dienstag, 26.07.2016

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