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Städtepartnerschaft: Bensheim und Mohács sind seit 25 Jahren befreundet / Ungarn weilten zum Hessentag an der Bergstraße

Liaison über Radio geknüpft

Archiv-Artikel vom Samstag, den 21.06.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Mirjam Moll

Das orientalisch gehaltene Rathaus von Mohács (links) und die typische Verkleidung für Busójárás (rechts).

© zg

Bensheim. Über eine Radiosendung haben sie zueinandergefunden: Der Hessische Rundfunk stellte in den 1980er Jahren immer wieder verschiedene Städte vor - zufällig fiel die Wahl auf Bensheim an der Bergstraße und Mohács (gesprochen: Mohatsch) im ungarischen Südtransdanubien. Inzwischen währt ihre Partnerschaft seit 25 Jahren, ihre Bürger sind in enger Freundschaft verbunden. Zum Hessentag waren einige Bürger Mohács aus Ungarn angereist. 1989 wurde der deutsch-ungarische Freundeskreis gegründet, heute führt Vorsitzender Bernhard Wahlig den Verein. Der 66-Jährige ist in seiner mehr als zehnjährigen Amtszeit "weit über 40 Mal" in die Stadt an der kroatischen Grenze gereist.

Mit fast 40 000 Einwohnern ist Bensheim etwa doppelt so groß wie die Hafenstadt an der Donau. Als letzte Zollstation in Europa vor dem Schwarzen Meer passieren viele Schiffe die beschauliche Stadt, in der Ungarndeutsche, auch Donauschwaben genannt, Kroaten, Serben und Roma leben. "Mit der Integration haben die Ungarn schon seit Jahrhunderten zu tun - und alle verstehen sich untereinander", betont Wahlig: "Eine echte Vielvölkerstadt eben."

In Mohács herrschen eher einfache Verhältnisse, sagt Wahlig: Geld für Luxusgüter hätten viele Bewohner der Stadt nicht. Autos seien oft nur saisonweise angemeldet. "Die Situation dort hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert." Das habe auch mit der Politik von Ministerpräsident Viktor Orbán zu tun. So seien dort fast 30 Prozent der Menschen arbeitslos, die Landesquote liege hingegen bei 18 Prozent: "Das ist nicht zu vergleichen mit dem Speckgürtel um Budapest", betont Wahlig. Die Hauptstadt liegt etwa 180 Kilometer von Mohács entfernt. Vom dortigen Reichtum sei hier nichts zu spüren.

Geschichte Mohács

Zwei große Schlachten haben die Stadt an der Donau bekanntgemacht:

In der Schlacht von Mohács 1526 gegen die Osmanen verlor Ungarn seine Selbstständigkeit: Zwei Drittel des Landes wurden osmanisch, der Rest viel den Habsburgern zu.

In der zweiten Schlacht von Mohács 1687 besiegte Österreich das Osmanische Reich und eroberte den osmanischen Teil Ungarns.

Weil es der Stadt wirtschaftlich nicht so gut geht wie ihrem deutschen Partner, organisiert der Freundeskreis seit Jahren Hilfstransporte nach Mohács. "Vergangenes Jahr waren es zehn Tonnen", erinnert sich Wahlig. Gebracht wird alles Mögliche - von Kleidung bis hin zu Fahrrädern. "Die werden immer gerne genommen", weiß Wahlig. "Räder sind dort noch ein echtes Transportmittel, nicht wie bei uns zur Freizeitvergnügung." Lebensmittel bringt der Freundeskreis aber nicht. "Das wäre ja kontraproduktiv", so Wahlig. Schließlich würde die gut gemeinte Hilfe ortsansässigen Produzenten schaden.

Landwirtschaftlich geprägt

Denn in und um Mohács ist zwar auch Industrie angesiedelt, viele der Ungarn leben aber von der Landwirtschaft. Und von Wein: "Aus Villany, dem Weingebiet um Mohács, kommt einer der besten Rotweine Ungarns", sagt der Vorsitzende des Freundeskreises.

Weinproben halten die Bewohner Mohács in ihren Weinkellern ab: "Die sind in den Berg getrieben, das ist auch sehr typisch für die Ungarn", so Wahlig. Bekannt sind die Landsleute aber auch für ihren Obstschnaps: "Den gibt es zur Begrüßung, zum Abschied und zwischendurch - ein echter Ritus in Ungarn", erklärt Wahlig.

Wegen seiner Lage an der Donau und umliegenden Seen ist die Küche in Südtransdanubien von Fisch geprägt: Besonders bekannt ist die ungarische Fischsuppe, die, wie viele Gerichte, mit Paprika gewürzt ist. Bei Nachbarschaftsfesten tischen die Bewohner Mohács aber auch gerne ihr "Kesselgulasch" auf, das jeder nach eigenem Rezept kocht. Ebenso bekannt ist Letscho, eine Art Gemüseschmortopf aus Tomaten, Zwiebeln, Speck und - natürlich - Paprika.

Wer die Stadt einmal besuchen möchte, dem rät Wahlig, eine Ausfahrt auf der Donau zu machen: Gegenüber von Mohács liegt eine kleine Insel, die mit der Fähre zu erreichen ist. "Dort gibt es ein großes Naturschutzgebiet, das sehr sehenswert ist", erklärt der 66-Jährige. Das ist auch das in ganz Ungarn bekannte Fest "Busójárás" (gesprochen: Buschojarasch), mit dem die Einwohner Mohács den Winter austreiben. "Dazu tragen sie Masken und Tierfelle", erklärt Wahlig. Der Legende nach haben die Ungarn damit einst Angreifer in die Flucht geschlagen.

Gegenüber Gästen aus Deutschland sind die Mohácser aber sehr aufgeschlossen: "Was ich so sehr an den Ungarn schätze, ist ihre überbordende Gastfreundschaft", schwärmt Wahlig. "Sagen Sie einfach, Sie kommen aus Bensheim: Sie werden mit offenen Armen empfangen."

© Mannheimer Morgen, Samstag, 21.06.2014

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