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Kriminalität: Im Mordfall Ismail Torun verfolgt die Polizei mehrere Verdachtsmomente / Unternehmer in Sorge um ihre Sicherheit

Planten Täter eine ganze Serie?

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 11.01.2017

Von unserem Redaktionsmitglied Bernhard Zinke

Tekkeköy bei Samsun am Schwarzen Meer: Familie und viele Freunde kamen zur Beisetzung des Ludwigshafener Unternehmers Ismail Torun in seinen Geburtsort.

© privat

Trauernde im Innenhof der Mevlana-Moschee in Ludwigshafen am Sonntagmittag.

©  Borak

Rhein-Neckar. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal ermittelt weiter unter Hochdruck gegen die beiden 49 und 37 Jahre alten Männer sowie die 42-jährige Frau, die am Wochenende festgenommen worden sind. Das Trio steht im Verdacht, sowohl den Ludwigshafener Unternehmer Ismail Torun als auch einen 64-jährigen, aus Kroatien stammenden Automatenaufsteller ermordet zu haben (wir berichteten). Toruns Leiche war am Freitag bei Bad Dürkheim entdeckt worden. Den 64-jährigen kroatischen Geschäftsmann, der in Brühl wohnte, hatten Spaziergänger am 26. November in der Nähe des Ludwigshafener Willersinn-Freibads gefunden.

Der 49 Jahre alte Verdächtige, Betreiber einer Frankenthaler Wellness-Oase, hatte eigentlich am Montag zu einem Verhandlungstermin vor dem Frankenthaler Landgericht erscheinen sollen, wie ein Sprecher gestern bestätigte. Dort sollte sich der Mann mit einer Komplizin wegen Betrugs verantworten. Er soll Werbeanzeigen im Wert von rund 300 000 Euro geschaltet und nicht bezahlt haben. Die Kammer hat dieses Verfahren von dem der Komplizin abgetrennt. Der 49-Jährige muss sich nun aber vor allem wegen Mordes verantworten. Zumindest lautet der Vorwurf im Untersuchungshaftbefehl auf zweifachen Mord.

Weitere Details zu den Ermittlungsergebnissen wollte der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber gestern nicht nennen. Ob Torun entführt wurde, wie die Familie unserer Zeitung berichtet hatte, wollte Ströber auch gestern weder betätigen noch dementieren: "Wir werden uns zu dem Punkt noch äußern."

Die Staatsanwaltschaft verfolgt bei ihren Ermittlungen unter anderem auch Verdachtsmomente, wonach die beiden Verbrechen möglicherweise der Anfang einer geplanten Serie gewesen sein könnten. Das sei zumindest eine von mehreren Hypothesen, bestätigte der Chef der Staatsanwaltschaft. Ströber will auch alte Akten wälzen lassen: "Wir können nicht ausschließen, dass es schon Fälle gegeben haben könnte, die dem Trio zuzuordnen wären."

Das verbindende Element der beiden Tötungsdelikte sind vermutlich die finanziellen Interessen der mutmaßlichen Täter. Im Klartext: Das Trio wollte wohl bei wohlhabenden Geschäftsleuten Kasse machen.

Von den drei Verdächtigen gehe nun keine Gefahr mehr aus, da sie in Untersuchungshaft sitzen, beruhigte der Leitende Oberstaatsanwalt. Gleichwohl ist das Stichwort Sicherheit ein großes Thema angesichts der nicht aufgeklärten Verbrechen. Mustafa Baklan beispielsweise weiß sehr wohl, dass es türkischen Unternehmern in der Region derzeit nicht besonders wohl in der Haut ist. Der Chef des Lebensmittelhandels Baktat International mit Sitz in Mannheim hat Ismail Torun sehr gut gekannt. Torun sei Mitglied des türkisch-deutschen Unternehmerverbandes Rhein-Neckar gewesen, bevor linksrheinische Gewerbetreibende ihre eigene Gruppe gegründet hätten. "Es ist unglaublich, so etwas zu erleben", ist Baklan wie viele andere Menschen fassungslos.

Am Sonntag kommen die Mitglieder des Unternehmerverbandes zum Jahresempfang zusammen. Dort werde der Mord an Ismail Torun ein Thema sein, sagt Baklan. Auch werde man die Polizei um Rat bitten, wie man sich gegen Erpressung und Entführung schützen könne. Für sich hat Baklan schon die Konsequenzen gezogen. "Wir achten sehr viel stärker auf Verdächtiges in unserer Umgebung." Man bewege sich derzeit nur im Kreise der Familie und vertrauter Freunde.

Mittwoch, 11.01.2017

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