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Multimedia: Fünf Speyerer Jugendliche haben ein preisgekröntes Stadtspiel fürs Handy entwickelt – Protokoll eines Selbsttests

Rallye der besonderen Art

Von unserem Redaktionsmitglied Agnes Polewka

Johannes, Leonard, Niels und Fabian (von links) haben ein Jahr lang an einer App getüftelt, die Jugendlichen Lust auf Kultur und Stadtgeschichte machen soll.

© venus

Speyer. Agent Tony Quest hat eine Mission: Er will die Stadtgeschichte Speyers bekannter machen - und zwar vor allem unter Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren. Tony Quest ist aber weder Tourismusbeauftragter noch real. Er ist die Hauptfigur der "Kaiserdom App", einer virtuellen Stadtrallye, die den Benutzer via Handy von einer Speyerer Sehenswürdigkeit zur nächsten lotst. Entwickelt wurde die Handy-Anwendung von fünf Jugendlichen. Was als Medienprojekt begann, ist für sie längst mehr geworden. "Wir wollen unsere eigene GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) gründen und das Projekt auch auf andere Städte ausweiten", sagt der 17 Jahre alte Johannes Schantz.

"Maximilanstraße 90: Suche den versteckten QR Code", weist Tony Quest in kühler Agentenmanier an. Es dämmert, der Mond scheint hell über dem Kaiserdom. Wenige Hundert Meter entfernt pfeift der Wind durch den Innenhof der "Alten Münz", die Kälte kriecht einem durch Mark und Bein. Mit dem Smartphone in der Hand beginnt ein Streifzug durch die verwinkelten Ecken des kleinen Hofs. Ein schwarz-weißes Würfelmuster klebt in Kniehöhe an einer Glasscheibe. "Handy ganz nah an die Oberfläche halten und scannen", sagt Niels Münzenberger, einer der Erfinder des Spiels. Ganz wie James Bond oder Tom Cruise in "Mission Impossible" - kein schlechtes Gefühl. Man ist versucht, über die Schulter zu spähen und nach unliebsamen Verfolgern Ausschau zu halten.

Aber immer mit der Ruhe: Es ist nur ein Spiel, bei dem man Punkte sammelt und Aufgaben lösen muss. Wie auf Kommando spielt das Handy ein Video ab und erinnert an den kulturellen Auftrag der App. "Was befand sich ursprünglich in der ,Alten Münz'?". Drei Antwortmöglichkeiten blinken auf dem Display. Da bleibt nur Raten. Die Verbindung zwischen "Alter Münz" und "Münzgießerei" klingt plausibel. Einloggen und weiter. Falsche Antwort, "0 Punkte" - ein schlechter Einstieg für den Kandidat, der sich plötzlich in der Wissensshow "Wer wird Millionär" wähnt. Die coole Agentenfassade bröckelt. Dabei geht es um viel! Der endgültige Punktestand kann am Ende der Stadtrallye auf Facebook gepostet, das eigene Abschneiden in einer Rangliste mit anderen Ergebnissen verglichen werden. Also, bitte jetzt anstrengen!

Ein digitaler Stadtplan weist den weiteren Weg. "Wir denken, das Spiel ist eine der wenigen Möglichkeiten, um jüngere Leute für die Kultur einer Stadt zu interessieren. Wir binden die Nutzer dabei in eine Geschichte ein", erzählt der 19-jährige Niels auf dem Weg zum nächsten Rätsel. Diese Methode werde auch erfolgreich im Tourismus-Marketing eingesetzt.

Das Marketingkonzept von Niels, Johannes und Benedikt scheint aufzugehen. Der Verband Metropolregion Rhein-Neckar hat die fünf Schüler des Gymnasiums am Kaiserdom zu Siegern eines Wettbewerbs für neue Tourismusideen gekürt. Auch die Programmierarbeit von Fabian Kögel und Leonard "Lenny" Nürnberg ist bereits preisgekrönt. In Dresden erhielten die Fünf den "Deutschen Multimedia Preis".

"Seitdem wir nominiert wurden und Preise bekommen haben, ist das Projekt wieder in Schwung gekommen", weiß Fabian. Städte wie Koblenz und Kaiserslautern hätten bereits bei den Rallye-Entwicklern wegen eigener Formate angefragt; ebenso Unternehmen, die ihre Firmengeschichte in ein Spiel verpacken wollen. Die vielen Anfragen haben die Erfinder dazu bewogen, die Anwendung weiter zu entwickeln. Am 30. November soll die überarbeitete Version auf den Markt kommen. Der neue Name lautet "Placity App". Mission und Superheld aber bleiben. Tony Quest ist weiter mit dabei. Wir auch. Denn unser Debüt als Speyerer Kulturagent verlief am Ende weitaus weniger glanzlos als der Einsatz von James Bond.

Donnerstag, 22.11.2012

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