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Missbrauchs-Prozess: Angeklagter arbeitete als „Hinweisgeber“ für Ermittler / Weitere Erwachsene in sexuelle Handlungen verwickelt?

Rätsel um Kontakte zur Polizei

Von unserem Redaktionsmitglied Timm Herre

Frankenthal/Ludwigshafen. Es beginnt als Zeugenbefragung - und wird zum Verhör mit Knalleffekt. Minutenlang fühlt Verteidiger Gert Heuer einem Polizisten der Ludwigshafener Kriminalinspektion auf den Zahn - und der Blick des Rechtsanwalts wird immer starrer. "Im Zimmer meines Mandanten wurden drei Handys gefunden. Ihres Wissens nach: Gehörten die alle meinem Mandanten?" Der Polizist zögert, schaut in Richtung der Staatsanwältin. Dann folgt der Satz, der für atemlose Stille in Saal 1 des Frankenthaler Landgerichts sorgt: "Der Angeklagte hatte sich in der Vergangenheit als Hinweisgeber zur Verfügung gestellt. Entsprechend war ein Handy von uns."

Ein 32-jähriger ehemaliger Mitarbeiter des Eis- und Rollsportclubs Ludwigshafen, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in über 100 Fällen angeklagt ist, soll ein "Spitzel" gewesen sein? Für was? Und seit wann? Im Gerichtssaal will das erstaunlicherweise niemand wissen. Richter Michael Wolpert macht mit dem Prozessprogramm weiter. Staatsanwältin Anne Wolf sagt später, dass sie von einer Informantentätigkeit des Angeklagten nichts wisse. Und Verteidiger Heuer? "Zu diesem Punkt mache ich keine weiteren Angaben. Ich habe auch nicht vor, es im Prozess nochmals zu thematisieren."

Beim Polizeipräsidium Ludwigshafen bestätigt man am Nachmittag die Aussage. "Der Angeklagte war ein Hinweisgeber. Das geht nicht so tief wie ein Informant", so Sprecher Michael Lindner. Welche Hinweise der 32-Jährige gegeben hat oder für welchen Bereich er tätig war, will Lindner nicht sagen. "Es hat aber gar nichts mit sexuellem Missbrauch zu tun", versichert der Sprecher. Auch habe die Polizei dem Mann nicht den Zugang zum Eissportclub oder den Jugendlichen ermöglicht. Als die Vorwürfe bekanntwurden, seien alle Kontakte eingestellt worden. Das alles bestätigt am Nachmittag auch Dr. Udo Gehring, stellvertretender Behördenleiter bei der Staatsanwaltschaft - weitere Angaben will aber auch er nicht machen.

So nebulös wie die Zusammenarbeit des 32-Jährigen mit der Polizei bleiben auch Vorwürfe, wonach weitere Erwachsene an den sexuellen Kontakten mit Kindern und Jugendlichen beteiligt gewesen sein sollen. Entsprechende Andeutungen hatte der Angeklagte vor kurzem gemacht. Die Staatsanwaltschaft erklärte, keinen einzigen Hinweis in dieser Richtung zu haben. Nun will man sich aber dennoch mit dem Angeklagten unterhalten. Am Montag werde es in der Justizvollzugsanstalt ein Gespräch mit den Behörden geben, erklärt Anwalt Gert Heuer.

Über 30 Fälle eingestellt

Und noch ein Punkt verwundert gestern die Prozess-Beobachter: Über 30 der ursprünglich 154 angeklagten Einzelfälle werden nicht weiter verfolgt - dahinter verbergen sich laut Staatsanwältin Wolf drei Betroffene, unter anderem auch jener 13-Jährige, der die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. Man wolle diesen Personen weitere Aussagen ersparen, sagt Wolf - auch weil die Fälle bei der "zu erwartenden Gesamtstrafe" nicht so sehr ins Gewicht fallen würden.

Dass der Angeklagte schuldfähig ist, daran lässt die psychiatrische Sachverständige Dr. Iris Schick keinen Zweifel. Es gebe keine krankhaften Störungen oder Suchtprobleme. Pädophile Neigungen seien "zweifellos" vorhanden, wenngleich seine Taten nicht vor dem Hintergrund eines "ausschließlich sexuellen Begehrens" gesehen werden könnten. Der Angeklagte habe ein "kumpelhaftes Verhältnis" aufgebaut, in diesem Rahmen sei es zu den Handlungen gekommen. Die Jungs seien "wie seine Familie" gewesen.

Das bestätigt auch ein weiterer Polizeibeamter, der Betroffene befragt hat. Demnach habe der Angeklagte viele der Jungs komplett für sich einnehmen können. "Es gab unter ihnen den Begriff ,Nahrungskette' - je nachdem, zu welchen Diensten sie bereit waren, konnten sie aufsteigen", erklärt der Kommissar. Der 32-Jährige selbst habe in den Vernehmungen betont, dass ihn die Jugendlichen "vergöttern" würden. "Er zeigte kein Unrechtsbewusstsein. Es sei ja alles freiwillig passiert."

Freitag, 15.02.2013

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