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Denkmalpflege: Rheinland-Pfalz investiert drei Millionen Euro in die Sanierung der Burg Meistersel / Für Besucher noch gesperrt

Ruine gibt Geheimnisse preis

Archiv-Artikel vom Montag, den 19.10.2015

Von unserem Redaktionsmitglied Klaus Backes

Auf der Baustelle der Ruine Meistersel rührt ein Arbeiter frischen Mörtel an. Blick auf die Vorburg jetzt (Bild oben) und vor sieben Jahren (Bild unten).

© Venus

Ramberg. Eine "Dornröschen-Ruine" fand Marc Sattel vor, als er im Herbst 2011 mit den ersten Sicherungsarbeiten an der Meistersel begann: Die Unterburg lag voller überwachsener Schuttberge, das Betreten der Oberburg auf dem steilen Felsen war eine halsbrecherische Aktion. Nur Dornröschen fehlte. Als "besorgniserregend" charakterisierte der auf die Sicherung von Altbauten, Ruinen und Burgen spezialisierte Architekt den damaligen Zustand.

Heute ist die Ruine kaum wiederzuerkennen: Das Burgtor, dessen Einsturz drohte, steht wieder stabil, der Zugang zu einem Gewölbekeller ist freigelegt, an den meisten Mauern bröckelt dank Neuverfugung oder gar Abtragen und Wiederaufbau nichts mehr. Trotzdem birgt die Ruine noch Gefahren. Die kennt David Prauschke, Bauleiter der Firma Kaufmann: "Man gewöhnt sich schnell an die Höhe. Als Bauleiter muss ich aber darauf achten, dass die Leute nicht in den Alltagstrott kommen." Dann nämlich lässt die Achtsamkeit nach.

Eine der ältesten Burgen

Burgruine Meistersel

Die bei Ramberg (Kreis Südliche Weinstraße) auf einem 500 Meter hohen Bergsporn liegende Burgruine Meistersel (auch Modeneck oder Modenbacher Schloss genannt) ist um 1100 zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden. 1803 wurden Reste der zerstörten Burg als Nationalgut versteigert.

1935 kaufte sie der Ludwigshafener Fabrikant Friedrich Raschig. Schlagzeilen machte der nächste Eigentümer, der sie 2006 für einen Euro im Internet verkaufen wollte.

Da dem Meistbietenden enge Kontakte zur NPD nachgesagt wurden, wollte das Land sein Vorkaufsrecht ausüben.

Es folgte ein Rechtsstreit. Im März 2010 einigten sich die damalige Eigentümerin und das Land in einem Vergleich. 2011 begann die Sanierung.

Die Arbeiter sind Profis, andere sollten die Ruine nach wie vor nicht betreten. "Alle Zugänge sind aus gutem Grund abgesperrt", so Marc Sattel. Hie und da fallen Steine herunter, und ein großer Felsklotz, der auf der Kippe steht, muss stabilisiert werden. Drei Millionen Euro investiert Rheinland-Pfalz in die Rettung der spektakulären Ruine, wie Silke Lothschütz vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung erläutert. Viel Geld für ein außergewöhnliches Denkmal. Denn dank der Nennung in einer um 1100 ausgestellten Urkunde zählt Meistersel zu den ältesten Burgen der Pfalz. Sie gehörte dem Bistum Speyer, dann dem Reich und später teilten sich etliche Adlige das Felsennest.

Archäologen und Bauforscher haben während der aktuellen Arbeiten einige Rätsel der Burggeschichte gelöst. Steinkugeln, Pfeilspitzen und Brandspuren deuten darauf hin, dass die Meistersel in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zerstört wurde. Weitere Indizien: Fast alle erhaltenen Bauten stammen aus der Zeit danach, und die Familie von Meistersel verschwindet um 1250 aus den Urkunden.

Zu den weiteren Funden bei den großflächigen Ausgrabungen zählen drei Wappensteine von Speyerer Bischöfen aus dem Spätmittelalter, ein in den Fels geritztes Mühlespiel sowie Spuren einer bisher nicht datierbaren Vorgängerburg aus Holz und Mauerreste um 1100, aus der Zeit der Salier. Marc Sattel erläutert, dass von einer echten Zerstörung der Burg nichts bekannt ist, sie aber Ende des 17. Jahrhunderts als Ruine bezeichnet wird. Und es scheint, dass die Meistersel in den letzten Jahrhunderten ihres Bestehens nur notdürftig unterhalten wurde. "Viele der jüngeren Mauerteile wirken wie Flickwerk, machen einen unprofessionellen Eindruck", deutet der Architekt die Zeichen des Niedergangs. Vermutlich sind die Gebäude der dicht bebauten Burg nach und nach eingestürzt, während die Besitzer längst auf einem komfortablen Schlösschen im heute verschwunden Dorf Modenbach unterhalb des Berges lebten. Kein Untergang in Rauch und Flammen, sondern ein allmähliches Verschwinden.

Land zieht Reißleine

Eine ähnliche Vernachlässigung musste die Meistersel während der vergangenen Jahrzehnte über sich ergehen lassen. Etliche private Besitzer taten nämlich wenig bis nichts für ihre Erhaltung. Erst als 2006 ein Mann, der dem rechten Milieu zugeordnet wurde, die Ruine erwarb, zog das Land Rheinland-Pfalz die Reißleine und machte von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch. Rechtsgültig wurde die Transaktion nach jahrelangen juristischen Scharmützeln.

Der Aufstieg zum Oberburgfelsen wird mit einem atemberaubenden Panoramablick über den Pfälzerwald belohnt. Ebenfalls ein erfreulicher Anblick: Das bekannteste Bauteil der Burg, ein vierteiliges gotisches Fenster, das nach 1950 zerstört worden war, ist restauriert. Wohl Anfang 2017 soll die Meistersel wieder für die Allgemeinheit zugänglich sein. Dann wird sie wieder das, was sie lange war: ein Anziehungspunkt für Wanderer und Burgenfreunde.

Montag, 19.10.2015

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