DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Donnerstag, 23.03.2017

Suchformular
 
 

Edingen / Neckarhausen Heddesheim Heidelberg Hirschberg Ilvesheim Ladenburg Ludwigshafen Mannheim Schriesheim

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken

Wettbewerb: Studenten der Hochschule Mannheim starten mit selbst gebautem Wagen bei „Formula Student“ auf Hockenheimring

„Wir sind alle Gewinner“

Archiv-Artikel vom Samstag, den 02.08.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Christian Beister

Ihr ganzer Stolz: Die Studenten der Hochschule Mannheim zeigen ihren selbst gebauten Formelwagen.

© Beister

Der DR 14-C von "Delta Racing" gibt auch auf der Strecke ein gutes Bild ab.

Das Team aus Mumbai möchte mit dem Sieg zurück nach Indien fliegen.

Hockenheim. Marcel Erné wirkt entspannt: Die Sonnenbrille sitzt auf der Nase, im Gesicht ein Lächeln. "Es läuft gut in diesem Jahr", sagt der 25-Jährige. Anlass zum Strahlen gibt eine kleine Kraftmaschine, die wenige Meter entfernt steht: DR 14-C heißt sie. Hinter der Typenbezeichnung steckt ein Rennwagen, der sich beileibe nicht verstecken muss. Ein Verbrennungsmotor mit 60 PS Leistung macht aus dem 191 Kilogramm leichten Formelwagen ein Geschoss. "Er beschleunigt schneller als ein Porsche", sagt Erné stolz: In 3,5 Sekunden steht die Tachonadel bei 100 Stundenkilometern.

Gesamtpaket entscheidet

Auf dem Hockenheimring geht es bis zum morgigen Sonntag allerdings um mehr als reine Geschwindigkeit: Die "Formula Student Germany" ist im Motodrom zu Gast. Bei dem internationalen Konstruktionswettbewerb bauen weltweit 3600 Studenten in Teams selbstständig Formelwagen - mit allem, was dazugehört: von der Entwicklung über die Fertigung und Finanzierung bis hin zum Betrieb. "Wir bauen keine Seifenkisten", betont Erné, "in dem Wagen steckt viel Entwicklung."

„Formula Student Germany“

Die "Formula Student" ist ein Wettbewerb, bei dem Studenten in Teamarbeit einen einsitzigen Formelwagen bauen. Es gibt zwei verschiedene Klassen: Rennwagen mit Verbrennungs- und mit Elektromotoren.

Das Team mit dem besten Gesamtpaket aus Renneigenschaften, Konstruktion, Finanzplanung und Verkaufsargumentation gewinnt. Es gibt insgesamt acht Disziplinen, die bewertet werden: drei statische und fünf dynamische.

Zu den statischen Disziplinen gehören Konstruktion, Kostenplanung und Verkaufskonzept.

In den dynamischen Disziplinen werden Beschleunigung (75-Meter-Sprint), Querbeschleunigung (Parcours in Form einer Acht), ein Rundkurs und eine Strecke von 22 Kilometern bewertet. Bei Letzterem wird zudem der Kraftstoff-/Energieverbrauch in Relation zur Geschwindigkeit gemessen.

Am Hockenheimring starten bis zum morgigen Sonntag, 3. August, 3600 Studenten in 115 Teams aus 19 Ländern von fünf Kontinenten.

Wettbewerbe: Samstag, 8.30 bis 13 Uhr, Beschleunigung, 13.30 bis 18.30 Uhr, Rundkurs; Sonntag, 8.30 bis 18 Uhr, Ausdauerrennen; ein Tagesticket kostet 10 Euro.

Das Mannheimer "Delta Racing Team" bietet am Samstag, 12 Uhr, und am Sonntag, 14 Uhr, einstündige Führungen mit Boxenbesuch an. Treffpunkt ist am Baden-Württemberg-Center vor der Boxengasse.

[mehr...]

Erné gehört dem "Delta Racing Team" der Hochschule Mannheim an. Dort schließt er seinen Master in Wirtschaftsingenieurwesen ab, im Team fungiert er als Pressesprecher. An dem Projekt sind rund 60 Studenten verschiedener Fakultäten beteiligt - etwa Elektroniker, Informatiker, Verfahrenstechniker, Ingenieure. "Ein einmaliges Projekt", sagt Erné. Seit dem ersten Wettbewerb 2008 ist er dabei. "Wir haben in diesem Jahr mit einem weißen Papier angefangen", erzählt er. Das Konzept sei komplett neu. Motoren bekommen die Teams gestellt, drumherum gibt es aber reichlich Möglichkeiten zum Tüfteln. Unter anderem durch modifizierte Flügel und fehlende Seitenkästen ist das Auto fast 100 Kilogramm leichter als 2013. Bis aus der Idee ein guter Formelwagen wird, vergeht ein ganzes Jahr.

Ungleiche Voraussetzungen

Die Mannheimer haben erstmals auch einen Wagen mit Elektromotor entwickelt, der derzeit auf seinen Einsatz am nächsten Wochenende in Tschechien vorbereitet wird. Einen sechsstelligen Betrag koste ein Wagen, erklärt Erné. Die Gelder müssen die Studenten selbst sammeln - durch Förderanträge bei der Hochschule und vor allem Sponsoren. "Das ist eine Herausforderung", räumt der 25-Jährige ein. Andere Teams hätten es da leichter, erzählt er beim Gang durch die Boxen - etwa die Uni Delft: Die Niederländer sind mit einem Lkw inklusive Werkstatt angereist, arbeiten unter Topbedingungen - und gehören zu den Favoriten. An einigen Hochschulen gäbe es für die Konstruktion dieser Wagen gar einen eigenen Studiengang.

Die Mannheimer können erst an ihren Wagen bauen, wenn die Vorlesungen vorbei sind - die Folge: Nachtschichten. "In den letzten Wochen haben wir wenig geschlafen", sagt Erné und lacht. Bis zu 30 000 Arbeitsstunden steckten in den Fahrzeugen, schätzt er. "Manche Teams", erzählt Erné, "kaufen sich dagegen ihr Auto zusammen. Aber das ist ja nicht der Sinn der Sache." Das Entwickeln und Umsetzen einer Idee, "das macht den Reiz aus." Die Studenten von "Delta Racing" stellen viele Teile selbst her. Der Aufwand lohnt sich, findet Maschinenbaustudent Robin Finzer: "Es ist schwer zu beschreiben, wie es ist, in einem selbst entwickelten Fahrzeug zu sitzen", sagt der 25-jährige Heidelberger, einer der Fahrer des Teams: "Das macht natürlich Spaß."

Während "Delta Racing" diesmal problemlos durch die strengen technischen Abnahmen kam, feilen in einem Zelt andere Teams noch an der Technik: Russische Studenten schrauben parallel an ihrem Wagen, ein Amerikaner liegt erschöpft auf dem Boden und schläft, am Stand der Uni Mumbai gegenüber herrscht hektisches Treiben: "Wir sind fast fertig", sagt Arnav Kavadia lächelnd. Das indische Team ist für den Wettbewerb nach Deutschland geflogen.

Unternehmen suchen Talente

"Man lernt, sein Wissen anzuwenden. Das ist sehr hilfreich für die Zukunft", sagt Kavadia. Die "Formula Student" ist auch eine Talentbörse für Unternehmen. Am Mittwoch geht es für die Studenten aus Mumbai zurück in die Heimat, vorher haben sie aber noch große Ziele: "Wir sind hier, um zu siegen", sagt Karan Bhansali selbstbewusst. Welcher Platz am Ende herausspringe, sei nebensächlich, meint dagegen Erné: "Alle, die einen Wagen entwickelt haben und es hierher geschafft haben, sind Gewinner."

Samstag, 02.08.2014

Kommentar schreiben

Jeder Kommentar wird mit dem Vor- und Nachnamen des Autors veröffentlicht.

Sie müssen sich anmelden, um einen Kommentar zu verfassen.

Leser-Kommentare  

Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen

    • Drucken
     
     
    TICKER

    Das Wetter in der Metropolregion

    Mannheim - Prognose für 18 Uhr

    Das Wetter am 23.3.2017 in Mannheim: leicht bewölkt
    MIN. 4°
    MAX. 16°
     

     

     
     

    Grafik

    Entwicklung des Arbeitsmarktes 2013/2014

    So haben sich die Arbeitslosenzahlen und die Arbeitslosenquote 2013 und 2014 in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg bisher entwickelt.

    Städtepartnerschaft

    Liebe zu Cambridge entdeckt

    Ursula Liedvogel gerät ins Schwärmen, wenn sie von der Stadt erzählt, die wie kaum eine andere für britische Eleganz steht: "Ich habe mich in Cambridge verliebt", sagt die Vorsitzende des Freundeskreises Heidelberg-Cambridge. Und diese Liebe hält mittlerweile schon einige Jahrzehnte: Als junges… [mehr]

    Kontakt zur Redaktion Metropolregion

    Michaela Roßner Tel. 0621/392 1389
    Christian Schall Tel. 0621/392 1368
    Simone Jakob Tel. 0621/392 1328
    Julian Eistätter Tel. 0621/392 1329
    Ressortleitung: Stefan Proetel Tel. 0621/392 1338
    Sekretariat Tel. 0621/392 1324
    Fax Fax. 0621/392 1643

    Sie erreichen die Redaktion Metropolregion in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

    Kontakt

    Möchten Sie sich an die Redaktion wenden?

    Sie wollen Kritik oder Lob loswerden? Sie haben interessante Themen für uns? Hier finden Sie die Ansprechpartner der jeweiligen Redaktionen, ihre Telefonnummern und E-Mail-Adressen. [mehr]

    Fußgängerzone in Ludwigshafen

    „Für Autos noch nicht öffnen“

    Ludwigshafen. In absehbarer Zeit soll die Fußgängerzone südlich der Bahnhofstraße nicht für den Autoverkehr geöffnet werden - auch nicht probeweise. In dieser Forderung war sich der Ortsbeirat Südliche Innenstadt einig. Eine schnelle Umgestaltung lehnten die Fraktionen aus zwei Gründen ab. Zum… [mehr]

    Energie-Studie

    Wohnen à la Bahnstadt

    Heidelberg. Im neuen Passivhaus-Stadtteil Bahnstadt wird nah Einschätzung einer Studie tatsächlich deutlich weniger Energie verbraucht, als in normalen Neubauten. [mehr]

     

    DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR