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Bildung: Bundesminister Christian Schmidt spricht bei der Heidelberger Wild-Stiftung über gesunde Ernährung, Werbung und Ampeln

„Wurst ist nicht vegetarisch“

Archiv-Artikel vom Samstag, den 11.02.2017

Von unserem Redaktionsmitglied Simone Jakob

Bundes-Ernährungsminister Christian Schmidt betont beim Besuch in Heidelberg die Bedeutung regionaler Projekte und lobt die Arbeit der Wild-Stiftung.

© Bild Rothe

Heidelberg. Christian Schmidt hat nichts gegen Pommes, Pizza, Pasta und Pfannkuchen. "Alles - aber in Maßen" lautet das Credo des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft, der sich bei seinem Besuch in Heidelberg als "Flexitarier" zu erkennen gibt. Mit ausgewogener Ernährung liegt der prominente Besucher genau auf einer Linie mit seinem Gastgeber Rainer Wild, der ein neues Bewusstsein für das täglich' Brot im 21. Jahrhundert schaffen möchte. Seit 1991 forscht seine unabhängige Stiftung auf diesem Gebiet, publiziert ihre Ergebnisse, organisiert Weiterbildungsangebote wie das Heidelberger Ernährungsforum, beteiligt sich an Präventionsprojekten und vergibt den mit 15 000 Euro dotieren Rainer-Wild-Preis für vorbildliche Einrichtungen und Initiativen.

Fakten statt Trends

Angetrieben von der positiven Erinnerung an die guten Kochkünste seiner Mutter und an gemeinsame Familienessen habe er sich schon früh für gesunde Ernährung interessiert. "Vielfalt und Ausgewogenheit statt Verzicht ist für mich wichtig", betont Wild im Conference Center in Wieblingen. "Als Chemiker glaube ich nicht an Trends, sondern an wissenschaftliche Fakten." Deshalb begrüße er Schmidts Vorstoß, irreführende Bezeichnungen im Lebensmittelhandel zu verbieten: "Wurst besteht eben aus Fleisch und ist deshalb nicht vegetarisch."

Rainer Wild-Stiftung für gesunde Ernährung

Der 1943 geborene Heidelberger Unternehmer Rainer Wild, Bruder des Capri-Sonne-Inhabers Hans-Peter Wild, hat die Stiftung 1991 gegründet.

Sie möchte ein neues Bewusstsein für Ernährung schaffen und untersucht nicht nur, was wir essen, sondern auch warum, wie, mit wem, wo und wann wir essen und woher die Lebensmittel kommen.

Die Existenz der unabhängigen Stiftung ist gesichert, da sie als Erbin der Rainer Wild-Holding vorgesehen ist, zur der auch der Badefarben-Hersteller Tinti und Spielstabil gehören.

Christian Schmidt nickt zustimmend, als er Wild am Redner-Pult ablöst. "Ich überlege immer, was kann der Staat positiv dazu beitragen, dass die Ernährung gesund bleibt. Schließlich trifft jeder Mensch am Tag rund 200 Entscheidungen, die mit Ernährung zu tun haben - und nicht alle sind rational." In der "post-faktischen Welt" sei der Bürger emotional schnell gegen etwas aufgebracht und lasse wissenschaftliche Fakten gern außer Acht.

Wie Rainer Wild legt der Minister ein besonderes Augenmerk auf die Kinder: "Wenn mit emotionalen Werbebildern Lebensmittel für Kinder als gesund angepriesen werden, die es nachweislich nicht sind, sehe ich die Notwendigkeit, einzuschreiten", sagt Schmidt und nennt "Fruchtzwerge" als Beispiel. So hatte Danone damit geworben, Traubenfruchtsüße anstelle von Kristallzucker zu verwenden, obwohl es ernährungsphysiologisch zwischen den beiden Zuckerarten keinen Unterschied gibt. Seit Dezember 2016 müssten alle Produkte Nährwerttabellen tragen, deshalb sollten Eltern sehr genau darauf achten, was im Einkaufswagen landet. Eine Ampel lehnt der Minister ab: "Der Staat kann nicht vorschreiben, wer wann was zu essen hat. Ich möchte kein Förderprogramm für Al Capone auflegen, denn eine Ampel hätte denselben Effekt wie die Prohibition im Amerika der 30-er Jahre." Viel wichtiger sei die Ernährungsbildung von Kindesbeinen an, die auch Wild mit vielen Projekten fördere.

Regionale Projekte wichtig

Entscheidend sei auch, dass Kinder in den Schulmensen vernünftig ernährt werden. "Es gibt mal nur Gemüse, mal Buletten, mal Pommes und mal Pizza. Denn wenn man Kindern nur Gemüseteller auftischt, versorgen sie sich am dritten Tag am Imbiss neben der Schule." Veganes Essen in der Schule lehnt Schmidt ab: "Kinder dürfen nicht zu Spielbällen der ideologischen Mangelernährung von Erwachsenen werden." Ohne Institutionen wie die Wild-Stiftung könne der Staat gar nicht alle Herausforderungen meistern, ohne gleich ein Gesetz zu erlassen.

Da nickt Wild bescheiden, dem Kinderernährung ein "Herzensanliegen" ist. So unterstützt die Stiftung auch "Abenteuer Essen" der Metropolregion Rhein-Neckar. Das Programm hilft Kitas dabei, gesunde Ernährung in den Alltag einzubinden und zeigt Erzieherinnen, wie sie Kinder spielerisch für gesundes Essen begeistern können.

Samstag, 11.02.2017

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