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Schriesheim: Welche Folgen hat der Rücktritt von Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer für die Bildungspolitik in der Weinstadt? / Reaktionen

Höfer will neue Schulform nicht abschreiben

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 09.01.2013

Von unserem Redaktionsmitglied Konstantin Groß

Vor fast genau einem Jahr, am 19. Januar 2012, war Gabriele Warminski-Leitheußer in Schriesheim. Im Zehntkeller wurde "GWL" von Landrat Dallinger, Regierungspräsident Kühner und Bürgermeister Höfer zur Madonnenberg-Patin ernannt.

©  Schwetasch

Hat der Rücktritt der obersten Repräsentantin der Bildungspolitik im Land Auswirkungen auf die Schulen vor Ort? Diese Frage wurde gestern, einen Tag nach dem Abgang von Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer, auch in Schriesheim diskutiert. Die Antwort: Man wartet allenthalben erst einmal ab.

Schriesheim hat für "GWL", wie sie in Stuttgart genannt wurde, eine ganz eigene Bedeutung. Denn ihr wichtigster politischer Kontrahent kam aus der Weinstadt: Der örtliche CDU-Landtagsabgeordnete Georg Wacker ist Bildungspolitischer Sprecher der größten Oppositionsfraktion, machte ihr das Leben zuweilen schwer. Zudem kennt sie die Weinstadt von drei offiziellen Besuchen.

Die Reaktionen auf den Rücktritt sind verhalten. Gelobt wird ihr "freundliches, ja joviales Auftreten". Bürgermeister Hansjörg Höfer etwa erinnert sich gern an den Konvent des Madonnenbergvereins im Zehntkeller, bei dem er sie vor einem Jahr zur Ehrenpatin ernannte.

Bei den Leitern der örtlichen Schulen, die gegenüber dem Ministerium weisungsgebunden sind, fallen die Äußerungen vorsichtig aus. "Wir hätten uns manchmal eine bessere Kommunikation gewünscht", bilanziert etwa Matthias Nortmeyer, der Chef des Kurpfalz-Gymnasiums. Beim Nachfolger sei wohl ein anderer Stil möglich, nicht jedoch eine andere Politik: "Wir warten einfach ab, wie der neue Minister sich in sein Amt einfinden und die verschiedenen Baustellen abarbeiten wird."

Die wichtigste ist die Gemeinschaftsschule. Höfer sieht Schriesheim dabei im Zugzwang, nachdem das benachbarte Hirschberg gemeinsam mit Heddesheim diese Schulform etablieren will, um überhaupt weiterhin Standort einer weiterführenden Schulart zu bleiben - die beiden Bürgermeister Manuel Just und Michael Kessler haben dies in ihren Ansprachen bei den jüngsten Neujahrsempfängen ihrer Gemeinden gerade deutlich gemacht.

Problem für die Verwaltung: Nicht nur Gymnasium und Realschule wehren sich vehement gegen eine Gemeinschaftsschule, die sie einschließen würde; auch im Gemeinderat gibt es dafür derzeit keine Mehrheit. Ein entsprechender Antrag für die Kurpfalz-Werkrealschule ist dort im vergangenen Frühjahr gescheitert. Die Verwaltung jedoch hat die Flinte noch nicht endgültig ins Korn geworfen. "Ziel muss sein, jedem Grundschüler ein entsprechendes Angebot in Schriesheim selbst zu ermöglichen", so Bürgermeister Höfer. Er schloss eine erneute Initiative für dieses Jahr aus, nicht jedoch für alle Zukunft. Allerdings sieht er die Gefahr, dass Schriesheim zu spät kommen könne: "Es bleibt die Frage, ob die Landesregierung nach Etablierung einer Gemeinschaftsschule Hirschberg/Heddesheim eine zweite in Schriesheim genehmigt."

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 09.01.2013

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