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Stadtentwicklung: Weinheimer Architektenkreis vermisst eine Handschrift bei der weiteren Entwicklung der Kommune

„Es fehlt ein Stadtbauarchitekt“

Der Barbarasteg verbindet die Kern- mit der Innenstadt und ist in dieser Funktion ein wichtiges Drehkreuz. Die Brücke könnte im Zuge der Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofs eine noch größere Rolle spielen, ist sich der Weinheimer Architektenkreis sicher. Doch solche Vorschläge stießen bislang auf wenig Gehör.

© Ilva Vadone

Weinheim. Weinheims Stadtentwicklung hat große Defizite. Der Grund: "Es fehlt ein Stadtbauarchitekt und das Verständnis, dass Stadtentwicklung nicht nur Kommerz bedeutet." Uwe Beuchle, Martin Weber, Rolf Winkler und Michael Abel sind sich einig: In Weinheim muss verstärkt das Verbindende gefördert und das Trennende vermieden werden.

Es sind fast schon philosophische Betrachtungen, die die Mitglieder des Weinheimer Architektenkreises anstellen, die sie aber im Gespräch mit der Redaktion mit aktuellen Beispielen belegen. Und dabei geht es nicht nur um Gewerbeansiedelungen und ein Ja oder Nein zu den Breitwiesen.

Es geht zum Beispiel um das Fachmarktzentrum am ehemaligen Güterbahnhof: "Dort entsteht eine Bebauung, wie sie überall vor der Stadt steht. Wir in Weinheim haben sie nun mitten in der Stadt", sagt Weber. Und somit entsteht gewissermaßen auch ein breiter Riegel zwischen West- und Kernstadt, zwei Siedlungsbereiche, die nach Meinung des Architektenkreises nun noch stärker getrennt statt verzahnt sind.

Wäre es nach den Architekten gegangen, würde die Barbarabrücke künftig eine wichtigere Rolle spielen, beispielsweise hätte eine direkte Fußverbindung von der Brücke zur oberen Etage des Zentrums neue Akzente setzen können. Dies haben die Architekten auch visualisiert, die Planung ist Teil eines Gesamtplans, auf dem die vielen roten Bereiche die "Perlen" der Stadt darstellen, also markante, attraktive Stellen.

Das alles wurde der Verwaltung frühzeitig als Vorschlag präsentiert, doch in der Folge zeigte der Investor kein Interesse; die Pläne landeten in der Schublade. Dabei meinen die Fachleute ein wesentliches Problem zu erkennen: "Die zukünftige städtebauliche Entwicklung wird in Weinheim zu sehr den Investoren überlassen", sagt Michael Abel. Und seine Kollegen fügen hinzu: Die Verwaltung moderiere nur und gebe nicht den Takt vor. Gleiches gilt für eine Planung für eine Art Bürger-Platz im Bereich der OEG-Haltestelle Blumenstraße: Vor gut eineinhalb Jahren schon mal vorgestellt, seitdem nichts mehr gehört. Doch nicht nur die weichen Faktoren beschäftigen den Architektenkreis, auch die harten wie neue Gewerbegebiete treiben sie um.

Dabei müsste erst einmal die Nachfrage nach kleineren und mittleren Gewerbeflächen durch Arrondierung brachliegender Gewerbegrundstücke im Stadtgebiet gedeckt werden. Dabei sollte versucht werden, in erster Linie hochwertiges Gewerbe in Weinheim zu halten und auszubauen. Und für großflächig angelegte Betriebe wie beispielsweise Speditionen sollten Alternativen zu Breitwiesen oder Hammelsbrunnen gesucht werden. Eine solche findet sich nach Meinung des Gremiums im "Tiefgewann": Nördlich liegt der Industriepark Freudenberg, westlich das Gebiet zwischen Moschee und Druckhaus Diesbach. Mit der Westtangente bestehe eine klare Abgrenzung zum freien Landschaftsraum und mit 21 Hektar stehe ebenfalls ausreichend Fläche zur Verfügung.

Alles andere führe nur dazu, dass Weinheim an Attraktivität verliere. Oder wie es Martin Weber bezeichnet: "Die Verantwortlichen müssen aufpassen, dass sie sich nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen." sf

© Mannheimer Morgen, Montag, 04.02.2013

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