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Serie Stiftungen in der Metropolregion: Das Institut für Deutsche Sprache verfügt über die weltgrößte Datenbank
Von unserem Redaktionsmitglied Simon Scherrenbacher
Mannheim. 3,75 Milliarden: Diese unglaubliche Anzahl an Wörtern hat das Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim gesammelt - in der weltweit größten Datenbank. So viele Wörter gibt es in der deutschen Sprache gar nicht, möchte man einwenden. Stimmt: Die Sammlung umfasst nämlich auch die unterschiedlichen Formen von Haupt- und Zeitwörtern. Sie bildet die Grundlage für die Forschungen der Wissenschaftler.
Der Inhalt des "Deutschen Referenzkorpus" stammt aus Zeitungen wie dieser, aktuellen Sachbüchern und Romanen. Mit seiner Hilfe kann das IDS die Entwicklung der deutschen Sprache verfolgen, erklärt Pressesprecherin Annette Trabold. "Wo tauchen die Wörter auf? Welche Satzstellungen werden verwendet?", nennt sie zwei beispielhafte Fragen.
So habe etwa das umgangssprachliche "schmeißen" im Sinne von "werfen" früher einmal etwas mit Dreck oder Kot zu tun gehabt, wie heute noch in der Schmeißfliege zum Ausdruck komme, erläutert die Germanistin. Die Aufgabe des IDS sei es aber nicht, diese Entwicklung zu bewerten: "Für den Sprachgebrauch spielt es keine Rolle, wofür die Sprache ursprünglich gebraucht wurde." Das Institut bestimme nicht, wie man zu sprechen habe.
In Deutschland sei übrigens auch nicht festgelegt, wie man schreiben müsse, ergänzt Trabold - im Unterschied etwa zu Frankreich. "Jeder Mensch darf hier so schreiben, wie er will." Die Regeln würden nur für Schulen und Behörden gelten. Die neue Rechtschreibung habe aber nicht das IDS entwickelt, beeilt sie sich hinzuzufügen. Nur die Geschäftsstelle des Rats für deutsche Rechtschreibung habe hier ihren Sitz. Ein anderes Projekt widmet sich den Neologismen, also den neuen Wörtern, die zur deutschen Sprache hinzugekommen sind. "In den 90ern waren das vor allem Wörter, die mit dem Internet zu tun hatten", so die Pressesprecherin. "Wenn man einen Film dreht, der in den 80ern spielt, dürfen diese Begriffe nicht darin vorkommen", nennt sie ein konkretes Anwendungsbeispiel. Zwischen "Festnetz" und "Mobilnetz" unterschied damals ebenfalls niemand, schließlich gab es nur das Telefon. Und die "Schlüsselloch-Chirurgie" war genauso unbekannt. Zurzeit sammelt das IDS die "Neologismen" aus dem aktuellen Jahrzehnt.
Dann gibt es da noch die Fremdwörter, darunter die umstrittenen Importe aus dem Englischen wie Airbag. "In dem Moment, in dem ein Fremdwort einen Artikel bekommt, ist es eigentlich keines mehr", sagt Trabold, die auch an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg lehrt. Die deutsche Alternative "Prellsack" habe sich nicht durchgesetzt. Trabold kann sich gut vorstellen, dass man bald "Ärbäg" schreiben könnte: "Schließlich heißt es heute ja auch 'Büro' und nicht mehr 'Bureau'."
Mannheimer Morgen
09. November 2009
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