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Geothermie: Feierstunde anlässlich des Bohrauftakts gerät zu einer Melange aus wütenden Rufen des Protests auf der einen und Ignorieren auf der anderen Seite

Unversöhnlicher und lauter Auftakt

Archiv-Artikel vom Freitag, den 30.03.2012

Von unserem Mitarbeiter Stefan Kern

Mehr Zuseher als gewünscht: Zahlreiche Demonstranten ließen es sich auch gestern nicht nehmen, ihren Unmut gegen das Projekt lautstark zu äußern.

© lenhardt

Per Knopfdruck: Niko Nudoph gibt den Startschuss für den Beginn der umstrittenen Bohrung im Zuge des Geothermiekraftwerks.

© Lenhardt

Brühl. Ein Ausweg ist nicht in Sicht. Demonstranten und Befürworter der Geothermie standen sich gestern auf dem Bohrplatz anlässlich der ersten Bohrung unversöhnlich und sehr laut gegenüber. Die Frontlinie war offensichtlich, wütende Rufe auf der einen Seite und Ignoranz auf der anderen Seite. Ein Dialog, der Austausch von Argumenten scheint völlig zum Erliegen gekommen zu sein. Und egal wie die Sache mit der Geothermie in der Hufeisengemeinde ausgeht, die Demokratie scheint hier einigen Schaden genommen zu haben.

Aus Unternehmenssicht ist die Sache klar. Bereits im Juli 2011 bekam GeoEnergy vom Bergbauamt in Freiburg grünes Licht für die Bohrung und diese werde nun eben angegangen.

Nicht ganz so klar sieht das dagegen Thomas Gaisbauer, von der Bürgerinitiative gegen die Geothermieanlage in Brühl. Für ihn stellt diese erste Bohrung trotz der Entwicklung der vergangenen Monate, die im Gemeinderat unter anderem dazu führte, dass sich nun eine Mehrheit gegen das Geothermieprojekt ausspricht, "schlicht eine Unverschämtheit" dar. Er und wohl alle Demonstranten können im Grunde nicht glauben, dass trotz aller Veränderungen im politischen Umfeld und der bestehenden Risiken, einfach so weiter gemacht wird wie bisher.

"Bürger fühlen sich verar . . ."

Fast etwas fassungslos angesichts dieser "RB 50" Bohranlage auf dem Bohrplatz, erklärte er, dass dieses Geothermieprojekt ein weiterer Beleg dafür sei, dass Menschen politisch übergangen werden. Und so sei es auch klar, dass sich die Menschen irgendwann "vera..." fühlen und sich radikalisieren. Und diese Radikalisierung scheint bei einigen Demonstranten schon weit fortgeschritten zu sein.

Neben den üblichen Beschimpfungen wurde einigen Geothermiebefürwortern gar die Existenzberechtigung abgesprochen. Ein Ton den Gaisbauer keineswegs gutheißt. Doch verantwortlich neben dem der dies sagt, seien eben auch die Verantwortlichen, die den Menschen nicht zuhörten.

Bürgermeister Dr. Ralf Göck aber auch Friedrich Bill, Geschäftsführer von GeoEnergy, und Dr. Ulrich Lotz, verantwortlich für die geologischen Erkundungen und den Genehmigungsprozess, zeigten sich von den Protesten kaum beeindruckt. Man habe alles getan, um die Bürger mitzunehmen und die geschlossenen Verträge, die damals von allen Fraktionen im Gemeinderat mit getragen wurden, seien rechtskräftig und bindend. Lotz betonte gegenüber unserer Zeitung, dass er Verständnis für die Sorgen der Anwohner habe. Doch er ist davon überzeugt, dass die Risiken beherrschbar seien. Es stimmt, es gibt das Risiko von seismischen Ereignissen. Doch in Lotz' Augen können solche Ereignisse bei sorgsamen Vorgehen vermieden werden.

Darüber hinaus wurde auch versicherungstechnisch alles getan, um auftretende Schäden schnell zu beheben. Ganz aktuell wurde nun eine Beweislastumkehr in den Vertrag aufgenommen. Heißt, dass Unternehmen muss beweisen, dass die Schäden nicht durch die Aktivitäten GeoEnergys entstanden sind. In seiner kurzen und von vielen Pfiffen und "Göck muss weg" Rufen begleiten Rede, betonte der Bürgermeister, dass für ihn der Sinn der Geothermie weiter außer Frage steht. "Geothermie liefert grundlastfähigen und nachhaltig erneuerbaren Strom."

Rückkehr zum Dialog?

Gerade im Kontext der Beschlüsse zur Energiewende, käme der Geothermie eine entscheidende Bedeutung zu. Göck ist davon überzeugt, dass die Energiewende nur mit der Wärme aus dem Erdinneren gelingt. Dabei stützte er sich auf den bekannten Publizisten Franz Alt, der der Geothermie in Sachen regenerativen Strom- und Warmwasserversorgung ein hohes Potenzial zusprach.

Die erste Bohrung geht nun auf eine Tiefe von 500 Meter. Nach einer weiteren Prüfung sollen dann bis Anfang September 3700 Meter erreicht werden und erst dann entscheidet sich endgültig, ob ein Geothermiekraftwerk hier überhaupt Sinn macht. Auf jeden Fall Sinn machen würde eine Initiative, die den Dialog wieder in Gang bringt und die Demokraten an einem Tisch versammelt.

© Schwetzinger Zeitung, Freitag, 30.03.2012

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