Geothermie:
Die erste Bohrung scheint heißes Wasser in ausreichender Menge an die Erdoberfläche zu fördern / Juristischer Zwist geht allerdings weiter
„Wir sind im vorhergesagten Reservoir“
Von unserem Redaktionsmitglied Ralf Strauch
Mit dem eindrucksvollen Bohrturm wurde in den vergangenen Tagen im Süden der Hufeisengemeinde das heiße Wasser für die Nutzung des geplanten Erdwärme-Kraftwerks in einer Tiefe von gut 3250 Metern erreicht.
© Strauch
Brühl.
Die dichten Dampfschwaden, die man zeitweise aus der gesamten Region erkennen kann, weisen augenscheinlich auf einen Erfolg für die Betreiberfirma Geoenergy hin. Sie wabern immer mal wieder rund um den Bohrturm des geplanten Erdwärmekraftwerks im Süden der Hufeisengemeinde, der die Silhouette des Ortes nach wie vor so auffällig dominiert.
Deutlich erkennbar drängt inzwischen auf diese weithin sichtbare Weise das heiße Wasser aus dem tiefen Untergrund in die Höhe und trifft dabei auf die winterliche Kälte. Die Folge: Nebelschwaden rund um die Anlage, bei der die Bauarbeiten juristisch wohl eigentlich bereits zum Jahreswechsel hätten eingestellt werden müssen.
Genau das geplante Ziel erreicht
Einige Anwohner zeigten sich angesichts dieses Nebels verunsichert und informierten uns über die Situation vor Ort. Unsere Zeitung fragte bei den Verantwortlichen der von vielen Bürgern nicht gewollten Anlage nach, was dieser Nebel in Bezug auf die Errichtung der Anlage zu bedeuten habe.
"Von uns wurde genau die ursprünglich einmal anvisierte Bruchzone mit dem heißen Wasser erreicht", erklärt der Geoenergy-Geschäftsführer Friedrich H. Bill auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung.
Die technischen Voraussetzungen für den Betrieb der Anlage sind wohl mit dem heißen Wasser, das letztlich den Dampf rund um das erste Bohrloch verursacht hat, erfüllt. Doch bleibt der erhoffte Betrieb der nach wie vor in der Gemeinde umstrittenen Anlage juristisch weiterhin ungewiss.
Vielversprechende erste Daten
Sowohl Druck als auch Temperatur des Wassers aus gut 3250 Metern Tiefe seien vielversprechend, bekräftigte Bill gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Weitere Untersuchungen in der kommenden Woche, bei der wohl angesichts winterlicher Temperaturen wieder entsprechende Dampfwolken sichtbar werden dürften, sollen die bisherigen Erkenntnisse dann auch wissenschaftlich untermauern.
Bei diesen Untersuchungen geht es in den nächsten Tagen zunächst darum, wie viel Wasser aus dem Untergrund ohne eine Pumpe einzusetzen problemlos aus den Tiefen nach oben dringen kann.
"Derzeit können wir schon sagen, dass wohl rund 20 Liter pro Sekunde aus dem Loch heraussprudeln", erklärt Diplom-Geologe Dr. Ulrich Lotz im Gespräch mit unserer Zeitung und ist sichtlich stolz auf dieses Ergebnis, das den bisherigen Theorien durchaus entspreche, sie sogar in Teilen übertreffe. Diese nach oben drängende Wassermenge sei für die geplante Nutzung "sehr, sehr gut", wie er weiter erklärte. Und auch die bisher gemessene Temperatur des Tiefenwassers aus dem Bohrloch sei wirklich vielversprechend, freut sich auch sein Chef, Friedrich H. Bill.
Ein erster erfolgreicher Teil
Der Erfolg dieser ersten von zwei geplanten Bohrungen gibt den Befürwortern der Anlage Recht, die bislang immer erklärten, die Nutzung der Erdwärme sei in Brühl technisch möglich.
Sowohl Druck als auch Wärme des Wassers seien ausreichend, ein entsprechend unkompliziertes Kraftwerk zu betreiben. "Unsere bisherigen Erkenntnisse aus der Forschung scheinen also absolute Volltreffer gewesen zu sein", freut sich Wissenschaftler Lotz gestern.
"Vielleicht ist es sogar ein wenig mehr als nur ein Erfolg", betont auch Bill. Jetzt gehe es nur noch darum, in den kommenden geplant rund drei Monaten diese gleiche Wasserschicht auch mit der zweiten Bohrung zu erreichen, erst dann wäre der "Kreislauf des heißen Wassers" geschlossen, die Nutzung der Erdwärmenutzung gemäß der bisherigen Planung möglich.
Erst wenn gewährleistet ist, dass das Wasser aus dem Untergrund auch nach der Nutzung wieder in die gleiche Schicht zurückgebracht werden kann, geht das von Geoenergy vorgestellte Konzept wirklich auf. "Wir sind durchweg zuversichtlich, dass wir in gut drei Monaten auch diesen Erfolg tatsächlich vermelden können", zeigt sich Friedrich H. Bill optimistisch.
Juristisch weiter umstritten
Doch während dieser technische Erfolg gefeiert wird, laufen die juristischen Mühlen gegen die Anlage weiter auf Hochtouren (wir berichteten). So wird weiterhin geprüft, ob eine Zwangsräumung des Areals durchgesetzt werden kann, das Geoenergy bis Anfang des Jahres speziell für die Baumaßnahmen gepachtet hatte.
Außerdem will die Mehrheit des Gemeinderates auch vor Gericht geklärt wissen, ob die Anlage überhaupt rechtmäßig angesiedelt worden sei. Die Freude des Erfolgs dürfte bei Geoenergy also durchaus auch auf die Sorge um die Zukunft treffen.
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