DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Samstag, 25.10.2014

Suchformular
 
 
Schwetzingen Oftersheim Plankstadt Eppelheim Brühl Ketsch Hockenheim Altlußheim Neulußheim Reilingen Speyer

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Ketscher Geschichte(n), Teil 18: Werner Schreiner erinnert sich an seine Zeit als erfolgreicher Ringer und sagt, was es mit dem „Ketscher Hewwl“ auf sich hat

Auf dem Spielplatz mit Pauker Kirchner 

Von unserem Redaktionsmitglied Markus Wirth

Schulzeit unterm Hakenkreuz: Werner Schreiner (Dritter von links, oben) 1937 mit seinen Schulkameraden und dem Klassenlehrer Kirchner. Der Schulhof diente den Buben auch als gerne angenommener Spielplatz.

© Archiv Schreiner

Hat unzählige Geschichten und Anekdoten parat: Werner Schreiner. Gerne erinnert sich der 82-Jährige an seine Erfolge im Ringsport beim KSV 06.

© Wirth

Ketsch. Die eine Wand in Werner Schreiners großem Raum im Untergeschoss ist dem Ringersport gewidmet - der heute 82-Jährige war zwischen 1950 und 1963 aktiver Ringer beim Kraftsportverein 06 und auch heute noch, seit 1996 zudem gar Ehrenmitglied, ist er stolz auf "seinen" KSV.

Aber nicht nur der Ringersport aus vergangenen Zeiten ist es, weswegen er sich für unsere Reihe "Ketscher Geschichte(n)" meldete, sondern auch die endgültige Klärung, weshalb die Ketscher "Hewwl" genannt werden. Und weitere Anekdoten aus der Enderlegemeinde früherer Jahre hat er parat, als wir ihn besuchen. Allesamt kleine Geschichten, Miniaturen. Wäre doch schade, wenn wir sie nicht aufgeschrieben hätten.

Erfolgreiche Jahre beim KSV 06

"Der KSV 06, das ist mein Verein - und ich bin stolz auf ihn, schon alleine der vorbildlichen Jugendarbeit wegen", sagt Werner Schreiner, der bei den deutschen Meisterschaften im Ringen im Jahr 1955 Dritter im Freistil wurde, ebenfalls dritte Plätze errang er dort 1957 und 1960 und wurde sechsmal badischer Meister im griechisch-römischen Stil. Seinen Trainingsraum hatte der Sportsfreund, der im Dienst der Gemeinde stand, damals in der Rheinhalle - auch sein Arbeitsplatz.

Grundschulzeit bei den Nazis

Die aktuelle Diskussion um die Aberkennung "seiner" Sportart bei den Olympischen Spielen beschäftigt ihn auch "aber da müssen sich zunächst die großen Ringernationen auf die Hinterbeine stellen" hofft Werner Schreiner auf ein Umdenken innerhalb des IOC. Dann kommt er jedoch schnell auf seine Kindheit zu sprechen, von einer unbeschwerten Zeit inmitten des aufkommenden Wahnsinns des Nationalsozialismus. "Wir mussten unseren Lehrer Kirchner mit ,Heil Hitler, Herr Lehrer' grüßen . . . ja, so war das damals", erinnert sich Schreiner. Der Schulhof, der sei für die Jungs - damals waren die Klassen noch nach Geschlechtern getrennt - ein wundervoller Abenteuerspielplatz gewesen, "da war ein Barren ohne Holme und ein Reck ohne Querstangen aufgestellt, da turnten wir herum". Im Sommer war der Altrhein ein willkommener Ort, an dem es sich so richtig gut toben ließ - und so hatten die jungen Leute ihren Spaß, wenn sie sich an einem an einem Baum aufgehängten Seil festhaltend in das kühlende Nass fallenließen. Aber auch die "Sandschell" und der "Sandbuckel" waren beliebte Orte unbeschwerten Freizeitvergnügens.

Was es mit dem Spitznamen "Ketscher Hewwl" auf sich hat, auch das hat der frühere Hauswart der Rheinhalle parat: "Ketsch war handwerklich vor allen durch seine Korbflechterei bekannt", und dieses Handwerk brauchte, neben einigem Geschick, lediglich zwei Werkzeuge - einmal das Weidehebelmesser und dann noch das Flacheisen, "Klopfer" genannt. "Und von eben diesem Weidehebelmesser hatten die Ketscher ihren selbstbewusst zur Schau gestellten Uznamen, indem sie nämlich ,Weide' und ,Messer' wegließen und ,Hebel' auf gut Ketscherisch eben ,Hewwl' nannten", lacht der 82-Jährige.

So denkt ihm als Ur-Ketscher noch der "Meddl", das war Martin Pfister, ein Original aus dem Bilderbuch und daher in der Gemeinde bekannt wie ein bunter Hund. Seine Spezialität war vor allem der Bau von Kinderwagen, "viele gesunde Ketscher sind hier drin groß geworden".

Der Letzte seiner Zunft, das sei dann Ernst Krupp gewesen, der in den 80er Jahren Weidehebelmesser und den Klopfer beiseitegelegt hat. "Schade drum, denn es war ein schönes Handwerk und gab vielen Ketscher Lohn und Brot". Das sei wichtig gewesen in einer ländlich geprägten Arbeitergemeinde, deren Bürger vor allem im nahen Mannheim Arbeit fanden. "Dennoch hatten viele Haushalte noch eine kleine Landwirtschaft", viele Ketscher seien "Feierabendbauern" - vor allem auf Spargel spezialisiert - gewesen und hätten sich Hühner, Hasen, Ziegen oder Schweine gehalten. Und die Inhalte der Mist- und Puhllöcher habe man winters dann auf den Feldern ausgebracht. "Überhaupt, die ganzen Feldfluren rund um die Gemeinde", schwärmt Schreiner, seien ein wahres Paradies für Fasane, Rebhühner, Igel, Füchse und Feldhasen gewesen - "das ist heute ja leider kaum mehr der Fall!"

"Neubaugebiet wäre schön"

Sollte das geplante Neubaugebiet Fünfvierteläcker kommen, ist er überzeugt, so könnte dies mit seiner Lage direkt am Naturschutzgebiet dazu beitragen, dass die Enderlegemeinde eine der schönsten Kommunen im Kreis wird - oder vielmehr bleibt.

Viel könnte Schreiner noch erzählen, doch nicht alle dieser Geschichten können Platz finden. Doch gerade die kleinen Anekdoten wie die des "Meddl", die über die Herkunft des "Hewwl" und die Erinnerungen an die Kindheit sind es wert, dass man sie wach hält. Wäre doch schade, wenn wir sie nicht aufgeschrieben hätten.

© Schwetzinger Zeitung, Freitag, 15.02.2013

Kommentar schreiben

Jeder Kommentar wird mit dem Vor- und Nachnamen des Autors veröffentlicht.

Sie müssen sich einloggen, um einen Kommentar zu verfassen.

Leser-Kommentare  

Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen

    • via Facebook teilen
    • Drucken
    • Senden
     

    Facebook Fans der Schwetzinger Zeitung

    Fotostrecke

    Spielplätze im Test

    In unserer Serie "Spielplätze im Test" gehen wir unter anderem Fragen nach dem Zustand der Geräte oder der Lage nach und befragen nach Möglichkeit Spielplatzbesucher - Eltern wie Kinder - nach ihrem eigenen Urteil. [mehr]

    Fotostrecke

    "Meine grüne Oase"

    Manchmal liegt das Schöne gar nicht so fern: In unserer Serie "Meine grüne Oase" stellen wir liebevoll gestaltete Gärten unserer Leser vor. Tauchen Sie mit unserer Bildergalerie ein in die blühenden Träume und werfen Sie einen Blick hinter die grünen Kulissen. [mehr]

    Serie

    Unter uns

    "Unter uns" ist der Titel einer neuen, lose erscheinenden Serie.Darin stellen wir Mitbürger vor, die außerhalb Deutschlands geboren wurden und im Laufe ihres Lebens in unsere Region kamen.Kennen Sie jemanden für die Serie oder haben Sie Anregungen? Dann melden Sie sich bei uns: sz-redaktion@schwetzinger-zeitung.de

    Webcam Schwetzingen

    Blick von der Schwetzinger Zeitung in Richtung Westen auf den Schlossplatz.


    Aktuelles Webcam-Bild in Schwetzingen

    Rund 50 Jobs, Praktika und Ausbildungsplätze in Ketsch und Umgebung finden Sie hier

     

    DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR