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Start ins Berufsleben (2): Christian Grau bildet Zahntechniker aus / Neben Fachwissen wird im Unterricht auch die richtige Sitzhaltung gelehrt / Genauigkeit bei der Arbeit ist entscheidend

Bei einem Gebiss kommt’s auf Mikrometer an

Archiv-Artikel vom Freitag, den 16.09.2016

Von unserem Mitarbeiter Sascha Balduf

Katrin Schreiber mischt Gips für ein Modell an. Sie ist bis zur fertigen Totalprothese bei jedem Arbeitsschritt dabei.

© Balduf

Oftersheim. Die Gesellschaft wird immer älter - der Bedarf nach Zahnersatz ist ungebrochen. Dafür, dass ein solcher Zahnersatz richtig sitzt und gute Arbeit leistet, sorgen Zahntechniker. In detaillierter Handarbeit werden Zähne, Gebissteile oder gleich das ganze Kauwerk nachmodelliert und an den Kiefer des Patienten angepasst.

Der Meisterbetrieb Grau Zahntechnik im Gewerbepark Hardtwald ist einer der Lieferanten für dieses wichtige Stück Lebensqualität. "Heute will jeder studieren und Arzt werden, an Zahntechnikern mangelt es leider immer mehr", sorgt sich Geschäftsführer Christian Grau um den Fachkräftemangel im Handwerk, der auch seine Branche trifft.

Ein Einstiegsgehalt von etwa 1500 Euro mag einige abschrecken, doch für Grau sind die schönen Seiten des Berufs eindeutig: "Die Zahntechnik ist eines der wenigen Berufsfelder, in dem man noch bei jedem einzelnen Schritt dabei ist und nicht nur einen Handgriff in einer langen Abfolge macht. Man sieht tagtäglich etwas Neues entstehen, denn jedes Produkt ist anders - individuell angepasst an den Kunden".

Der Betrieb

Grau Zahntechnik GmbH, Gewerbepark Hardtwald 4, 68723 Oftersheim, Telefon 06202/5 74 97 63.

Ansprechpartner: Christian Grau

Durch das Voranschreiten der Computertechnik, vor allem in großen Dentallaboren gingen viele Fähigkeiten der Techniker verloren. Es sei gerade deshalb ratsam, das Handwerk in einem kleineren Betrieb zu lernen, wo jeder ein breites Spektrum an Aufgaben abdeckt und seine Fähigkeiten schult.

Schon immer gerne gehäkelt

Bei Zahntechnik Grau schult aktuell Katrin Schreiber ihre Fähigkeiten. Die Heidelbergerin befindet sich in den letzten Zügen ihrer Ausbildung und darf sich ab Februar offiziell Zahntechnikerin nennen. "Ich arbeite schon immer gerne mit meinen Händen, zeichne oder häkle in meiner Freizeit, und habe mich deshalb für diesen Beruf entschieden", erzählt sie. "Damit die Prothese später richtig sitzt, muss man sehr genau arbeiten, teilweise im Mikrometerbereich" (ein Mikrometer entspricht 0,001 Millimetern, Anm. d. Red.).

Am Anfang einer Prothese steht ein Gebissabdruck. Dieser wird in Gips gegossen, um so eine dreidimensionale Arbeitsfläche zu schaffen. Mit einer speziellen Maschine wird der Modelliergips in einem Vakuum angemischt, damit keine Bläschen entstehen, und dann in den Abdruck gegossen. Die Prothese wird nun so modelliert, dass sie sich möglichst nahtlos ins Gebiss des Patienten einfügt - Form, Farbe und Größe der Zähne werden exakt nachgebaut. Ist das Modell fertig, wird es am Patienten getestet und nach der finalen Anpassung in Kunststoff oder Keramik fertiggestellt.

Die Ausbildung zum Zahntechniker dauert dreieinhalb Jahre und wird mit großem Praxisfokus dual gelehrt. Das bedeutet, die Schüler verbringen drei Wochen im Monat im Betrieb und eine Woche in der Berufsschule.

Der theoretische Teil der Ausbildung beinhaltet die Anatomielehre von Kiefergelenk und Muskulatur, aber auch Mathematikunterricht, beispielsweise um die benötigte Menge an Werkmaterial auszurechnen. "In der Berufspraxis hat man trotzdem nicht allzu viel mit Mathe zu tun", erklärt Katrin Schreiber.

Ein wichtiger Unterrichtsinhalt hat interessanterweise gar nichts mit Zähnen oder dem Kiefer zu tun, wie Schreiber berichtet: "Da man als Zahntechniker viel Zeit im Sitzen verbringt, lernt man in der Berufsschule auch die richtige Sitzhaltung, um Rückenproblemen vorzubeugen".

Der betriebliche Teil der Ausbildung beginnt im ersten Lehrjahr mit Reparaturen und dem Erstellen von Gipsmodellen. Im zweiten Lehrjahr erstellen die Auszubildenden ihre erste eigene Totalprothese, also ein volles künstliches Gebiss aus Wachs. Dieses wird nach dem Einpassen am Patienten in Kunststoff gegossen. Im dritten Lehrjahr folgt das Modellieren von Keramikzähnen.

Mathematisches Verständnis

Die Ausbildungsvergütung beginnt bei etwa 430 Euro im Monat und steigt über 480 und 530 Euro im zweiten und dritten Jahr auf 580 Euro für das letzte halbe Jahr an. Ein durchschnittliches Einstiegsgehalt für einen Zahntechniker liegt zwischen 1470 und 1700 Euro brutto. Ein Bewerber sollte ein grundlegendes mathematisches Verständnis mitbringen, vor allem aber künstlerisch begabt sein. Zahntechniker-Meister Christian Grau achtet bei seinen Bewerbern, falls vorhanden, auf gute Noten im Fach Bildende Kunst, testet aber vor allem deren Fähigkeiten:

Beim Einstellungstest gilt es für die Kandidaten einen Zahn aus Wachs zu kneten und nach Vorlage aus zu modellieren - noch nicht in Originalgröße versteht sich.

Einen vorgeschriebenen Schulabschluss gibt es nicht, bevorzugt wird in der Regel aber ein Realschulabschluss. Für Christian Grau ist jedoch die Begabung das A und O: "Was am Ende zählt ist, was der Bewerber handwerklich, feinmotorisch draufhat - der Schulabschluss spielt dabei keine Rolle."

© Schwetzinger Zeitung, Freitag, 16.09.2016

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