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Evangelischer Frauenkreis: Der pensionierte Lehrer Philipp Bickle plaudert mit seiner Frau Hildegard aus vergangenen Tagen und weckt damit Erinnerungen bei den Gästen

Zeitreise in die Schulzeit mit Tintenfass und Sütterlin

Von unserem Redaktionsmitglied Vanessa Schäfer

Philipp und Hildegard Bickle hatten Utensilien aus dem Schulalltag von anno dazumal mitgebracht, unter anderem alte Schulranzen.

© Schäfer

Oftersheim. "Daheim hab ich nur eine zum Zuhören, heute habe ich 60", sagte Philipp Bickle schmunzelnd, als er mit seiner Frau Hildegard den evangelischen Frauenkreis im Gemeindesaal besuchte. Das Reilinger Ehepaar war nicht allein gekommen. Mit im Gepäck hatte es ein Museum im Koffer, mit Hilfe dessen die Bickles die Frauen zurück in eine Zeit führten, in der es weder Handys noch Computer gab.

Für den evangelischen Frauenkreis ging es zurück in die alte Schule. "Als Uroma/Oma zur Schule ging. . ." lautete das Thema, über das Hildegard und Philipp Bickle mehr als genug zu berichten hatten, waren sie doch beide jeweils 40 Jahre im Schuldienst tätig. "Was wir Ihnen erzählen, ist meistens wahr", versicherte der pensionierte Lehrer seinen aufmerksamen Zuhörerinnen, ehe sie sich in der Zeit von Kaiser Wilhelm wiederfanden, in der die Klassenstärke an den Schulen noch bei 80 Schülern lag und die Sittenverordnung von 1902 eines ganz deutlich vorschrieb: "Man darf dem Lehrer nicht widersprechen."

"Zu jener Zeit war das Bild des Lehrers noch hoch geachtet, weil nur wenige Lehrer werden konnten", veranschaulichte Philipp Bickle und führte die weit verbreitete Landwirtschaft als einer der Gründe dafür auf.

Von der ganz alten Schule

Die Schule im Wandel der Zeit - was das Reilinger Ehepaar innerhalb von einer Stunde zu berichten wusste, weckte bei den Damen des Frauenkreises so manche Erinnerung, aber nicht nur gute. Das "Steckele" kannten manche aus der eigenen Kindheit noch zu gut, mit dem der Lehrer versuchte, Zucht und Ordnung in die Klasse zu bringen.

Die mitgebrachte Schiefertafel und der Griffel aus dem Reilinger Heimatmuseum riefen dagegen positive Gedanken hervor. "So eine hatte ich auch", murmelte es in der Besucherschar beim Anblick der daran baumelnden Schwämmchen, "einer nass, einer trocken", wie Philipp Bickle verdeutlichte. Besonders beeindruckt zeigten sich die Frauen von einem besonderen Mitbringsel: ein in alter deutscher Schrift aufgeschriebenes Alphabet. "Mit dünnen Strichen ging es hoch, dann wurde die Feder gewendet, und mit dicken ging's dann runter", erläuterte Hildegard Bickle - einfacher sei es erst mit der Sütterlinschrift geworden, bei der die Schriftstärke durchgehend beibehalten wurde. "Aber selbst da habe ich Probleme, sie zu lesen", gestand Doris Kerschgens vom Frauenkreis-Team.

So manch lustige Anekdote aus der eigenen Schulzeit hatte das referierende Ehepaar auch noch parat. "Die Mädchen hatten ja damals alle Zöpfe und vorne in der Schulbank waren die Tintenfässer drin", brauchte Philipp Bickle nur zu erwähnen und schon erinnerte sich die ein oder andere Dame an die eigenen Zöpfe, die von den Jungen in der Bank hintenan einst in das Tintenfass getunkt wurden.

Der Ursprung von Floskeln

Humorvoll und auf wahren Tatsachen beruhend erzählten die Bickles von der alten Schule, hatten ein altes Lesebuch und alte Lederschulranzen als Anschauungsmaterial im Gepäck und ließen mehr als einmal ein Schmunzeln über die Lippen der Frauenkreisdamen huschen. Woher Floskeln wie "Loss doch mol dei Griffel weg" oder "Do muffelt's" stammen, war für die Anwesenden spätestens nach dem Vortrag klar, als sie zusammen mit Hildegard und Philipp Bickle im Gemeindesaal ankamen, mit dem Wissen, dass sie eines sind: von der alten Schule.

© Schwetzinger Zeitung, Freitag, 15.02.2013

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