Weltkulturerbeantrag:
ICOMOS empfiehlt dem Unesco-Komitee, Schwetzingen nicht in die Liste der Welterbestätten aufzunehmen
Antrag erhält negatives Gutachten
Von unseren Redaktionsmitgliedern Ralph Adameit und Christian Beister
Beim Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (l. / mit Frau Gerlinde) am 20. Mai waren Projektleiter Andreas Falz (2. v. l.) und OB Dr. René Pöltl bezüglich des Welterbeantrags noch optimistisch.
© Schwerdt
Die Hoffnungen der Stadt auf den Weltkulturerbe-Titel haben einen herben Dämpfer erhalten: Das Gutachten des Internationalen Rats für Denkmalpflege ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) empfiehlt dem Welterbekomitee der Unesco, die "Kurfürstliche Sommerresidenz" nicht in die Liste des Welterbes aufzunehmen. Das Welterbekomitee entscheidet zwar grundsätzlich unabhängig, aber immer auf der Grundlage der Empfehlung von ICOMOS. "Die Chancen zur Aufnahme sind zwar gesunken, aber es wird weiter gehofft", teilte die Stadt in einer gestern versandten Presseerklärung mit.
Es sei noch offen, ob sich das Welterbekomitee der negativen Bewertung von ICOMOS anschließt oder ob es zu einer anderen Bewertung gelangt. Die abschließende Entscheidung fällt bei der 36. Tagung des Unesco-Welterbekomitees vom 25. Juni bis 7. Juli in St. Petersburg. Die Verantwortlichen von Stadt, Land und Auswärtigem Amt wollten sich auf Nachfrage nicht zu Details des negativen Gutachtens äußern und verwiesen auf die gemeinsame Pressemitteilung. "Das Gutachten hat nicht den Charakter einer Empfehlung", sagte Dr. Frank Kupferschmidt, Sprecher des Wirtschafts- und Finanzministeriums.
ICOMOS würdigt wohl durchaus den hohen Rang Schwetzingens innerhalb der europäischen Vergleichsbeispiele, ist aber im Ergebnis offenbar der Ansicht, dass einige Kriterien zur Eintragung nicht erfüllt sind und damit ein außergewöhnlicher universeller Wert nicht nachgewiesen wurde. Das Land und die Stadt halten die Beurteilung in wesentlichen Gesichtspunkten für nicht angemessen. Sie basiere an zahlreichen Stellen auf nicht zutreffenden Annahmen, sei in sich widersprüchlich und gehe auf zentrale Aspekte der außergewöhnlichen Bedeutung der Sommerresidenz so gut wie nicht ein.
OB: Fakten stimmen nicht
Der für den Welterbeantrag verantwortliche Projektleiter und ehemalige Schwetzinger Schlossverwalter Andreas Falz äußerte sich uns gegenüber wie folgt: "Wir machen jetzt eine Gegendarstellung und müssen schauen, ob das die Kommission überzeugt. In dieser Stellungnahme nennen wir einige Dinge, die geschrieben oder eben gerade nicht geschrieben wurden." Das Land und die Stadt haben einen "letter of factual errors" [wörtlich übersetzt: Brief der Sachfehler, die Red.] verfasst, der noch diese Woche über das Auswärtige Amt in Berlin an das Welterbekomitee der Unesco zur Berücksichtigung im weiteren Verfahren weitergeleitet werden soll.
"Aus fachlicher Sicht tauchen unserer Meinung nach Fakten auf, die nicht stimmen", sagte gestern Oberbürgermeister Dr. René Pöltl, der zurzeit im Pfingsturlaub weilt. Aus "verfahrenstechnischen Gründen" könne er keine Details zu den (vermeintlichen) Sachfehlern nennen - dennoch habe man die Öffentlichkeit informieren wollen. Zu den Chancen Schwetzingens auf den Welterbetitel durch dieses Gutachten wollte er sich eigentlich nicht äußern, doch klar sei, dass "es dadurch nicht einfacher geworden ist".
Der OB spekuliert nun darauf, dass man die Unesco beim Termin in St. Petersburg doch noch überzeugen kann, dass Schwetzingen samt Schloss und Garten Welterbe-würdig ist. "Es gibt genügend Beispiele, wo es dennoch geklappt hat", hofft auch Andreas Falz auf eine Trendwende in Russland.
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