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Welterbeantrag: Nächste Woche fliegt die Schwetzinger Delegation um OB Dr. Pöltl zur Sitzung des Unesco-Komitees / Unstimmigkeiten im Icomos-Gutachten

In St. Petersburg ist Lobbyarbeit gefragt

Von unserem Redaktionsmitglied Ralph Adameit

"Nicht ausreichend außergewöhnlich"? So sieht es jedenfalls das Icomos-Gutachten in Bezug auf den Schwetzinger Welterbe-antrag. Dass die Gartenmoschee die einzige erhaltene des 18. Jahrhunderts in Europa ist, wird darin aber nicht erwähnt.     

© Kyrberg

Fast ganz Deutschland hofft auf den Finaleinzug der DFB-Elf bei der Fußball-Europameisterschaft. Gut möglich, dass am 1. Juli in Schwetzingen doppeltes Daumendrücken angesagt ist: Ende nächster Woche entscheidet sich wahrscheinlich, ob die kurfürstliche Sommerresidenz in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen wird. Ob die Entscheidung am Freitag, Samstag oder Sonntag in St. Petersburg, wo ab Montag das Welterbekomitee tagt, fällt, ist aber ungewiss. "Was kommt, wissen wir selbst nicht so genau, aber es wird sicher spannend", sagte Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl am Dienstagabend im Palais Hirsch.

Dort stellte er zusammen mit Andreas Falz und Prof. Dr. Hartmut Troll von den Staatlichen Schlössern und Gärten (SSG) sowie Prof. Dr. Michael Goer (Landesamt für Denkmalpflege) den Schwetzinger Welterbeantrag nochmals kurz vor und gab einen Ausblick über die Reise nach St. Petersburg. Die Hoffnung auf einen positiven Bescheid habe man trotz des negativen Gutachtens von Icomos (International council on monuments and sites/Internationaler Rat für Denkmalpflege) noch nicht aufgegeben, betonten alle vier bei der spärlich besuchten Podiumsdiskussion.

Gespräche hinter den Kulissen

Die Delegation des Auswärtigen Amts - bei der Unesco reichen Staaten und keine Kommunen Anträge ein - wird von Staatsministerin Dr. Cornelia Pieper angeführt. OB Pöltl umschrieb die Aufgabe der vier ehrlich und direkt: "Wir werden dort als Lobbyisten tätig sein." Wie das Entscheidungsprozedere aussieht, versuchte Goer zu erläutern, der 2009 in Sevilla selbst bei einer Sitzung des Welterbekomitees vor Ort war.

Es gebe in St. Petersburg 21 Staaten, sogenannte "Entscheidungsländer". Nur diese besäßen ein Rederecht. In langen Sitzungen würden die Anträge diskutiert und dann werde abgestimmt. Im Schwetzinger Fall werde sicher der "letter of factual errors" (wörtlich: Brief der Sachfehler, die Red.) beigefügt sein, den die Stadt und das Land als Reaktion auf das negative Icomos-Gutachten verfasst hatten. Ob der Brief aber auch in der Sitzung verlesen werde, läge im Ermessen des Sitzungsleiters, so der oberste Denkmalschützer des Landes. Problematisch sei die Entwicklung, dass sich das Unesco-Welterbekomitee weg von fachlichen hin zu politischen Entscheidungen bewege.

Andreas Falz, von Pöltl als "Vater des Antrags" tituliert, erinnerte daran, dass der größte Schritt 1998 gelungen sei, als Schwetzingen erstmals auf der deutschen Tentativliste (nationale Vorschlagsliste) aufgetaucht sei. Der frühere Schlossverwalter und heutige SSG-Vize-Geschäftsführer vergaß nicht, die unzähligen Helfer auf dem langen Weg nach St. Petersburg (siehe Infokasten) zu erwähnen - die Schlossgärtner: "Ihr seid die wahren Helden des Antrags!" Weniger Pathos legte Gartenexperte Prof. Dr. Hartmut Troll in seinen Vortrag, der maßgeblich an der Neuausrichtung des Antrags beteiligt war. Obwohl der Lichtbildvortrag wegen Laptop-Problemen ausfiel, legte er gut strukturiert dar, warum Schwetzingen den Eintrag in die Welterbeliste verdient hätte.

Kaum was zu Moschee und Theater

Natürlich war es kein Zufall, dass Troll Punkte ansprach, die im Icomos-Gutachten gering gewichtet wurden. In der Tat ist es erstaunlich, dass dort etwa die Gartenmoschee nur zweimal erwähnt wird. "Sie ist die einzige erhaltene Gartenmoschee des 18. Jahrhunderts in Europa", so Troll gegenüber unserer Zeitung. Im Gutachten heißt es dagegen auf Englisch lapidar: "Die Gartenbauwerke sind im Ursprungszustand und gut erhalten, besonders das Badhaus, die Moschee mit ihren Kreuzgängen oder der Merkurtempel." Ähnlich verhält es sich mit dem Rokokotheater, dessen Status als ältestes weltweit erhaltenes Rangtheater vom Icomos-Gutachter nicht gewürdigt wird und sogar mal als Rokokotheater, mal als Barocktheater bezeichnet wird.

Doch eine solche Einschätzung hätte man wohl nur schwer mit dem Urteil, viele Kriterien des Schwetzinger Antrags seien "nicht ausreichend außergewöhnlich", in Einklang gebracht. "Da sind Dinge passiert, die nicht hätten passieren dürfen. Wir glauben, dass manche Bewertungen falsch, ungerecht und nicht zutreffend sind", so Pöltl. Nicht nur deshalb will der OB in Russland bis zum Schluss für Schwetzingen werben, kündigte er pathetisch an: "Der Garten ist schließlich das Vermächtnis Carl-Theodors an die Kurpfalz!"

© Schwetzinger Zeitung, Donnerstag, 21.06.2012

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