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Sommerkurs: Mit spezieller Software wird aus einem Mix von Informatik, Physik, Mathematik und kreativer Gestaltung ein Freizeitspaß

Kinder programmieren eigene Spiele

Computerspiele programmieren - auch für Mädchen ein Spaß.

© dpa

Unsere Kinder wachsen in einem digitalen Zeitalter auf. Computer und Tablets sind zur Selbstverständlichkeit für sie geworden und dienen häufig der Freizeitbeschäftigung. PC- und Onlinespiele locken. Dabei lauern auch Gefahren: Gewaltverherrlichung, Suchtfaktoren und letztlich auch Kosten spielen mit. Erziehungsberechtigte kontrollieren zwar, was ihr Nachwuchs am Computer treibt, aber vermutlich können sie das nicht immer.

Was wäre jedoch, wenn Kinder ihr eigenes Computerspiel mit dem Know-how von Informatik, Mathematik und Physik kreieren könnten - frei von Gewaltszenerie, dafür mit Spaß und spielendem Lerneffekt.

Ulrike Fempel (Bild) initiiert in Kooperation mit der Karl-Friedrich-Schimper-Realschule einen Sommerkurs "Game Design", bei dem die jungen Teilnehmer Computerspiele wie "Frogger" und "Pacman" selbst programmieren. Dieser Lehrgang findet in der zweiten Ferienwoche statt und richtet sich an Kinder zwischen 12 und 14 Jahren.

Kreativität gefragt

"Bislang haben sich schon viele Jungs dafür angemeldet", erzählt die Ingenieurin, die Mädchen Mut machen möchte, sich für das besondere Ferienangebot zu begeistern. Denn abgesehen vom "Technischen" ist viel Kreativität und Ideenreichtum gefragt.

Ulrike Fempel erklärt das Besondere dabei: "Informatik, Physik und Mathematik resultieren in einem Computerspiel: Es verbindet auf spielerische Art naturwissenschaftliche Phänomene und ,computational thinking'", sagt die Schwetzingerin. Die Kinder müssen dabei keine Programmierersprache lernen. Das Kreieren erfolgt über das Verständnis von Abläufen, die für den Computer aufbereitet werden. Die Idee dafür hat sie aus den USA mitgebracht. Dort lebte sie für ein halbes Jahr mit ihrer Familie (wir berichteten) und qualifizierte sich über Lehrgänge an der Uni in Boulder/Colorado für das "Game Design".      "In den USA und anderen Ländern wird dieses Tool erfolgreich im Unterricht an Schulen und Universitäten eingesetzt. Dabei entwickeln die Schüler und Studenten mit der Software von AgentSheets und AgentCubes nicht nur Computerspiele selbst, sondern können Simulationen unterschiedlichster Szenarien abbilden."

Die Software AgentSheets aus den USA ist seit über zehn Jahren an Schulen in Nordamerika, Japan und Südamerika im Einsatz. Langzeitstudien der University of Colorado hätten gezeigt, dass speziell Mädchen motiviert waren, mit Kreativität und Analytik ein Computerspiel oder eine Simulation zu erstellen. "Daher möchten wir hier speziell an Schülerinnen appellieren und diesen den Vorrang für die letzten Plätze geben", verdeutlicht Fempel.    Die Kinder lernen in dem drei- oder fünftägigen Kurs mit der zweidimensionalen (2D) Version von AgentSheets anhand bekannter Spiele die computerunterstützte Lösungsfindung, sequenzielles Denken, das Design von Oberflächen und die Verknüpfung von physikalischen Gegebenheiten und mathematischen Algorithmen wie die Diffusion beim "Pacman", einem Männchen, das auf scheinbar unerklärliche Weise immer von den Geistern gefunden wird.

Gutes Gefühl

"Als Mutter von zwei Kindern sind mir Computerspiele eigentlich eher ein Dorn im Auge", gesteht Ulrike Fempel, "jedoch habe ich mit dieser Game-Design-Software einen Weg gefunden, dem ganzen ,Spielewahn' etwas sehr Positives abzugewinnen." Dieses Gefühl möchte sie in Kooperation mit der Schimper-Realschule auch anderen Eltern vermitteln, die so ihren Kindern das Arbeiten mit dem Computer und damit auch den Spaß auf eine kontrollierte Art ermöglichen können. Läuft das Projekt gut an, möchte es Ulrike Fempel gerne weiter verfolgen und auch an anderen Einrichtungen anbieten. kaba

© Schwetzinger Zeitung, Samstag, 13.07.2013

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