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Unesco: Nach dem Aufschub des Schwetzinger Antrags äußern sich das Stadtoberhaupt sowie Projektleiter Andreas Falz zur Diskussion in St. Petersburg

OB Pöltl gibt Traum vom Welterbe auf

Von unserem Redaktionsmitglied Christian Beister

Dr. René Pöltl und Andreas Falz vor der Gartenmoschee, die im Gutachten von ICOMOS kaum Beachtung fand, bei den arabischen Vertretern im Unesco-Komitee jedoch auf Begeisterung stieß.

© Lenhardt

Nein, leicht einfangen lässt sich die Stimmung bei Oberbürgermeister Dr. René Pöltl und Projektleiter Andreas Falz von den staatlichen Schlösser und Gärten am Tag nach der Rückkehr aus St. Petersburg nicht: Enttäuschung und Stolz, Frust und Freude vermischen sich mit großer Verwunderung über die Abläufe in der Sitzung des Unesco-Welterbekomitees. "Wir haben eine sehr intensive Woche hinter uns, die wir nicht vergessen werden", sagt Pöltl - und meint damit noch am wenigsten die riskante Taxifahrt mit Tempo 100 durch die Petersburger Innenstadt, um den Flieger in die Heimat noch rechtzeitig zu bekommen.

Zweimal war der Schwetzinger Antrag auf den nächsten Tag verschoben worden, ehe er am Sonntag besprochen wurde. Was dann im Komitee passierte, beschreibt Pöltl als spannend, emotional, chaotisch: Afrikanische und südamerikanische Vertreter sprachen sich zunächst gegen eine Anerkennung der Kurfürstlichen Sommerresidenz aus, da es bereits zu viele barocke Denkmäler aus Europa auf der Welterbeliste gäbe. Auch die Schweiz verfolgte diesen Standpunkt und beantragte eine Ablehnung des Antrags.

Araber von Moschee begeistert

Dagegen wehrten sich wiederum arabische Vertreter, die in Gesprächen mit der deutschen Delegation um Pöltl und Falz von der Moschee im Schlossgarten erfahren hatten und von deren Einzigartigartigkeit begeistert waren. Dem Ablehnungsantrag stand plötzlich ein Aufnahmeantrag gegenüber - und die Beratung über die Kurfürstliche Sommerresidenz entwickelte sich hin zu einer äußerst emotionalen Diskussion über eine Grundsatzfrage: Soll es eine zahlenmäßige Beschränkung für einen jeweiligen Typus von Welterbestätten - etwa barocke Baudenkmäler - geben?

Und irgendwo dazwischen saß die deutsche Delegation, die sich beim eigenen Antrag zurückhalten musste und nicht auf Argumente der Antragsgegner reagieren durfte. "Wir saßen da, konnten nicht mitdiskutieren und haben uns geärgert", beschreibt Falz die Machtlosigkeit, und Pöltl ergänzt: "Ein ganz großes Problem ist, dass wir überhaupt keine Chance mehr hatten, eine eigene Stellungnahme gegen das ICOMOS-Gutachten abzugeben." Die Bewertung sei schlichtweg "falsch" gewesen: "Sie negierte das Thema Sommerresidenz, die Moschee wurde gar nicht thematisiert und das Theater fälschlicherweise als italienisch eingeordnet."

Der "letter of factual errors", der als Reaktion auf das Gutachten eingereicht worden war, fand in der Beratung überhaupt keine Berücksichtigung. Dieses hatte ICOMOS zuvor veranlasst und in keiner Art und Weise vor der Verhandlung mitgeteilt. Bei der Vorstellung des Antrags wurde zudem nur ein einziges Bild von der Moschee gezeigt und diese wörtlich überhaupt nicht erwähnt.

"ICOMOS hat den Antrag komplett auf Schloss und Garten reduziert", beklagt Pöltl, der ebenso wie Falz eine unüberhörbare Kritik aus dem Komitee in Richtung ICOMOS vernahm. "Da haben wir nach 14 Jahren Arbeit nicht einmal die Möglichkeit, eine falsche Bewertung anders darzustellen", macht Pöltl seiner Enttäuschung Luft. Auch die Annahme des Bayreuther Antrags am Tag zuvor spielte Schwetzingen alles andere als in die Karten.

Aufschub als Kompromiss

"Bei der Abstimmung herrschte dann totales Chaos, keiner wusste, wie es abläuft", berichtet Pöltl. Im Komitee wird meist ein übergreifender Konsens über einen Antrag gefunden, eine strikte Abstimmung findet in der Regel nicht statt. Der Schweizer Antrag auf eine Ablehnung der Kurfürstlichen Sommerresidenz fand zunächst keine Mehrheit. Da es zu viele auseinandergehende Meinungen gab, einigte sich das Komitee schließlich auf einen Kompromiss: den Aufschub ("deferral"), um die Bedeutung und Stellung der Gartenmoschee noch einmal genauer untersuchen und im Antrag herausstellen zu können.

Könnte die vielgelobte Moschee nun ein neuer Ansatzpunkt für eine erneute Bewerbung sein? "Auch eine Aufnahme der Moschee als Einzelobjekt ist wenig realistisch", erwidert Pöltl. "Wir haben sie sowieso schon gemeinsam mit dem Theater herausgestellt. Ich kann mir schwer vorstellen, wie wir das anders aufbereiten sollen", bezweifelt er den Sinn einer Überarbeitung und betont angesichts des Lobes von vielen Seiten: "Die Entscheidung lag nicht an unserem Antrag, sondern an übergeordneten politischen Interessen."

Die Chance für eine Aufnahme in die Liste bei einer erneuten Überarbeitung ist äußerst gering, wissen Pöltl und Falz. Auch wenn auf Landes- und Stadtebene noch nicht das letzte Wort gesprochen ist: Die Anzeichen sprechen deutlich für ein Ende der Schwetzinger Welterbebemühungen - zumindest vorerst.

© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 03.07.2012

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