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Welterbe: UN-Kulturorganisation verweigert der kurfürstlichen Sommerresidenz vorerst den Welterbetitel / Empfehlung, den Antrag zu überarbeiten

Unesco schiebt Schwetzinger Antrag auf

Von unseren Redaktionsmitgliedern Annika Wind und Christian Beister

Weder ein eindeutiges "Ja" noch ein eindeutiges "Nein" gab es vom Unesco-Weltkulturerbekomitee für die kurfürstliche Sommerresidenz.

© Schwerdt

Ein schnelles "Ja" für Schwetzingen war unwahrscheinlich. Schließlich hatte die internationale Denkmalschutzbehörde ICOMOS im Vorfeld ein negatives Gutachten für die Aufnahme der kurfürstlichen Sommerresidenz in das Weltkulturerbe gegeben. Und damit der UN-Kulturorganisation Unesco davon abgeraten, das Schlossensemble samt Park und Stadtanlage aus dem 18. Jahrhundert auf die Liste zu setzen. Das Ergebnis, das gestern dann auf der Unesco-Tagung in St. Petersburg erzielt wurde, ist aber kein eindeutiges "Ja" und auch kein eindeutiges "Nein": Die Unesco hat den Antrag zwar nicht abgelehnt, aber aufgeschoben. Damit hat es Schwetzingen noch immer nicht auf die begehrte Liste geschafft.

Weiteres Vorgehen unklar

Was das für die Stadt bedeutet, war gestern nicht leicht zu beurteilen. Vor allem für die vierköpfige Schwetzinger Delegation nicht, die nach St. Petersburg gereist war, um dort die Entscheidung abzuwarten. "Wie wir jetzt weitermachen, dafür müssen wir uns die gebotene Zeit nehmen", sagte Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl auf Anfrage dieser Zeitung. Stadt und Land könnten einzelne Punkte des Antrags überarbeiten und noch einmal vorlegen.

ICOMOS hatte der Unesco eine Ablehnung empfohlen, weil aus ihrer Sicht der "universelle Wert" der Gesamtanlage nicht erkennbar sei. Dabei hatte die Denkmalbehörde allerdings wichtige Punkte des Antrags ignoriert - darunter die Gartenmoschee, die in dem Gutachten nur kurz erwähnt wurde. Aber gerade sie ist im Vergleich zu anderen Barockensembles der Zeit einzigartig und im Original erhalten. In der Sitzung gestern war dann auch dieser Punkt besonders diskutiert worden. "Unser Antrag war derjenige, der mit zwei Stunden am längsten beraten wurde", so Pöltl. Dabei sei auch eine Unzufriedenheit mit dem ICOMOS-Gutachten deutlich geworden.

An der 36. Sitzung des Unesco-Welterbekomitees hatten Experten aus 180 Ländern teilgenommen und über mehr als 30 Anträge von Natur- und Kulturstätten beraten. Die Entscheidung, welche Stätten aufgenommen werden und welche nicht, trafen Vertreter aus 21 Ländern, darunter aus Algerien, Frankreich und Deutschland, Indien, Japan und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Aus Pöltls Sicht sei die Entscheidung in St. Petersburg politisch und von den Interessen einzelner Länder bestimmt gewesen. So hätten sich die Amerikaner und Schweizer strikt dagegen ausgesprochen, einen weiteren Barockbau aus Europa aufzunehmen. "Es lag letztlich daran, dass schon zu viele barocke Bauwerke aus dem 18. Jahrhundert auf der Liste sind. Das hat vor allem die nicht-europäischen Länder gestört", sagt auch Andreas Falz, stellvertretender Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Die arabischen Länder hingegen hätten für Schwetzingen plädiert - auch in Hinblick auf die Gartenmoschee, die ICOMOS nicht genügend berücksichtigt hätte. "Wir sind einen Schritt weiter gekommen, aber natürlich nicht dort, wo wir hinwollten", meint Pöltl und auch Falz will nicht von einer Niederlage sprechen: "Wir sind nicht frustriert."

Bayreuther Opernhaus anerkannt

Die lange Debatte im Komitee schlägt sich nun auch im Ergebnis nieder: Weil sich die Länder nicht einig wurden, gibt es so etwas wie einen Zwischenstand. "Deferral" nennt das die Unesco, "Aufschub" für Schwetzingen. Mit der Aufnahme eines Barockbaus aus Bayern hatte sich das Unesco-Komitee weniger schwer getan: Bereits am Samstag war das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth in die Welterbe-Liste aufgenommen worden - die Entscheidung dazu war einstimmig. Der Prachtbau (1746 - 1750) sei eines der wichtigsten architektonischen Zeugnisse der absolutistischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert, hieß es aus dem Komitee. Damit gibt es in Deutschland nun insgesamt 37 Welterbe-Stätten.

Während die oberfränkische Stadt nun auf mehr Touristen hofft, die nach einer Ernennung für gewöhnlich folgen, muss in Schwetzingen über das weitere Vorgehen beraten werden. "Eine Nachbesserung kostet viel Zeit, Geld und Nerven", sagt Falz. Der Schwetzinger Antrag hatte die Staatlichen Schlösser und Gärten, die Landesdenkmalpflege und die Stadt insgesamt 600 000 Euro gekostet. Ob eine "Nachbesserung" da Sinn macht? Letztendlich wird wohl auch diese Entscheidung eine politische sein - diesmal in der Schwetzinger Stadtpolitik.

© Schwetzinger Zeitung, Montag, 02.07.2012

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