Unesco-Antrag:
Kommission ist drei Tage vor Ort, um die Unterlagen zu prüfen und ein Gutachten zu schreiben / Entscheidung fällt erst im Frühsommer 2012
Wichtiger Schritt zum Weltkulturerbe
Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Gruler
Der Antrag von Stadt und Land, den Schlossgarten samt Schloss und -platz in die Unesco-Weltkulturerbeliste aufzunehmen, geht am Montag in die entscheidende Phase. Denn dann trifft in Schwetzingen die Gutachterkommission ein, die binnen drei Tagen prüfen will, ob die Angaben in Ordnung sind, welchen Eindruck das Objekt macht und ob die Selbstverpflichtungen eingehalten werden. Am Ende steht eine Empfehlung, die dann aber bei der Agentur Icomos verfasst wird und den Mitgliedern der Vollversammlung im Jahr 2012 bei ihrer Entscheidung Hilfestellung geben soll.
Genau hier hatte es ja vor zwei Jahren eine Sollbruchstelle gegeben, die schließlich dazu geführt hatte, dass noch vor der Vollversammlung Stadt und Land ihren Antrag zurückgezogen haben, weil Icomos eine Ablehnung empfohlen hatte.
Leider mit Fehlern behaftet
Später hatte sich dann herausgestellt, dass eigentlich die Gutachter, die vor Ort im Schlossgarten waren, die Gesamtlage eher positiv betrachtet hatten, daraus dann aber aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen bei Icomos dennoch eine negativ bewertete Vorlage geschrieben wurde, die dann auch noch sachlich falsche Behauptungen enthielt, wie zum Beispiel, dass eine Reihe der Bauten im Garten nur Nachbauten nach einer Kriegszerstörung seien. Alleinstellungsmerkmale wie die Gartenmoschee oder das Tiefparterre, das alte Wasserwerk und das Theater waren quasi außen vor gelassen worden.
Eine voraussichtliche Entscheidung durch die Unesco-Kommission soll dann bei der Sitzung im Jahr 2012 erfolgen. "Die Stadt und das Land haben beim gesamten Antrag Hand in Hand gearbeitet", lobte Oberbürgermeister Dr. René Pöltl nach der Entscheidung, dass Schwetzingen eine zweite Bewerbungschance bekommt. Inzwischen wurde der Antrag übrigens komplett überarbeitet. Man legt dabei einen stärkeren Akzent auf die Musikgeschichte. Für die Sommerresidenz habe es eine ganz eigene Programmatik gegeben. Die deutschsprachige Oper sei mit eigenen Kompositionen vor hier erst ausgegangen. Weiterhin stellt man die besonderen Bauten in den Vordergrund. Nur noch am Rande soll die aufklärerische Arbeit der Freimaurer eine Rolle spielen. Auf dessen starke Akzentuierung im ersten Antrag beruhte wohl auch die damalige Negativbeurteilung.
Der Gutachterbesuch wird jeweils zur großen Geheimsache erklärt, damit die Herrschaften in Ruhe und unbeeinflusst arbeiten können. So war weder von der Schlossverwaltung noch von der Stadt eine offizielle Stellungnahme zum jetzigen Vor-Ort-Termin zu bekommen. Alle Seiten mussten sich dazu verpflichten, keine Angaben zu machen. Wir haben uns trotzdem dazu entschlossen, unsere Leser über diesen Schritt zu informieren, der ja entscheidend für die Aufnahme auf die Welterbeliste sein könnte.
Leser-Kommentare
Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen