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Stadthalle: „Trude träumt von Afrika“ begeistert / Lautmalerei und deutsches Liedgut

In die Ekstase getrommelt

Von unserem Mitarbeiter Werner Schilling

Speyer. "Trude träumt von Afrika", nennt sich das Hamburger Frauen-Ensemble, das in keine Schublade zu stecken ist. Wer hat sonst mit dieser Ausstrahlung Musikalität, schauspielerisch hochklassige Mimik, Urkomik, Wortwitz und Freude am Klamauk zu bieten? Ein Konzert der ganz besonderen Art, voller hochmusikalischer Hör- und Erlebnisgenüsse und temperamentvoller Trommelfeuerwerke erleben die Besucher in der Speyerer Stadthalle. Dass sich auch für die Agentur "arkaden." bedauerlicherweise nur gut 200 Trude-Freunde den Spaß am Freitagabend gönnen wollten, tut der Freude der ansonsten fünf Trommel-Truden keinen Abbruch. "Speyer hat eben keine Reeperbahn", meint Conferencière Erna. Da sie beruflich bedingt im hohen Norden bleiben musste, konnte die jüngste Trude Yvonne die Reise in den Süden nicht mitmachen.

"Hast du deine Pillen genommen?", fragt die im todschicken Leopardenkleid herumstolzierende Trude-Moderatorin Erna ihre ebenso in die Jahre gekommene und gerade esoterisch philosophierende Mitstreiterin Agathe. Die trommelt sich in ihrem quer gestreiften Küchenkleid in Ekstase und lässt dazu kräftig die Beine twisten. Mannsweib Mathilde, der frühere Stolz der Heilsarmee im Sommerkleid aus der Nachkriegszeit, hört und schaut scheinbar gelangweilt zu, bearbeitet dann aber ihr Schlaginstrument mit Urkräften. Cäcilie, vierte Trude im Bunde der putzmunteren Hanseatinnen, gefällt sich in ihrem Kostüm in Zartrosa und entpuppt sich als exzellente Blockflötistin.

Wenn sich das Trude-Quartett so in Ekstase trommelt, wird ersichtlich, dass es sich hier nicht um das Ergebnis eines VHS-Trommelkurses handelt, sondern Profis die insgesamt wohl hundert verschiedenen Trommeln und überdies ein Waschbrett, Plastiktüten und Kuhglocken bearbeiten. Weil sie von Afrika träumen, haben sie auch die meisten ihrer Texte in diese Sprachrichtung komponiert. Ihr "Allabakum-Bekele" oder das "Salama-Ilakeila" sind reine Lautmalerei, aber diese vierstimmig auf höchstem Konzertniveau. Auch deutsches Liedgut fließt ein, wenn sie hingebungsvoll "Du du liegst mir im Herzen" intonieren.

Ganz besonders köstlich zwei Inszenierungen. Zunächst, da sie in ein gefährliches Alter gekommen und verstärkt das Ziel von Handtaschenräubern sind, demonstrieren sie Handtaschen und Abwehrteller schwingend, wie sie sich der Angriffe zu wehren gedenken. Absolutes Highlight des Abends: Mathilde stellt sich auf ihren alten Heilsarmee-Gulaschtopf, die drei anderen Trudes gruppieren sich ganz nah um sie herum. Zum sanften rhythmischen Trommelklang dreht sich die Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge im Kreise, langsam beginnend und mit Zunahme der Kerzenlichtkraft immer schneller. Und als Zugabe kramen die vier schrillen Hamburgerinnen ein altes Grammophon heraus und covern eines ihrer einstigen Lieblingslieder - bis die alte gute Scheibe hängenbleibt und am Ende ganz der Saft ausgeht.

© Schwetzinger Zeitung, Montag, 14.05.2012

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