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Aufklärung: Nordheimer Verein zur Verhütung von Verkehrsunfällen will Schüler und Jugendliche für Gefahren sensibilisieren

Durch Abschreckung zum Ziel

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 06.09.2012

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Zeuner

Der Fahrer des Wagens hat den Unfall nicht überlebt - mit Unfall-Mahnmalen will der Verein zur Verhütung von Verkehrsunfällen Kinder, Jugendliche und Erwachsene abschrecken - rechts im Bild: Geschäftsstellenleiter Holger Ritschdorff.

© zesa

Nordheim. Der Schülerbus bremst plötzlich. Ein Teddybär fliegt ungehemmt von hinten bis nach vorn zur Windschutzscheibe - dazwischen sitzen Grundschulkinder auf den Sitzen und staunen. Woanders steht ein Baum, an dessen Stamm liegt ein Fahrzeugwrack. Es ist schwarz verkohlt. Ein weißes Kreuz zeigt an, dass in diesem Auto eine Person gestorben ist. Eine Horrorvorstellung. Durch Aufklärung und mit richtigem Verhalten im Straßenverkehr sind diese Schicksale abwendbar. Das sieht zumindest der Verein zur Verhütung von Verkehrsunfällen (VVV) so.

Der junge Nordheimer Verein will die schlimmen Folgen eines Verkehrsunfalls aufzeigen, um damit Menschen - vor allem Jugendliche und junge Fahranfänger - für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sensibilisieren. "Die Realität vor Ort bringen, Autowracks, in denen Menschen gestorben sind, den Jugendlichen zeigen, dann finden wir vielleicht Gehör mit unserer Präventionsarbeit", sagt der ehrenamtliche Geschäftsstellenleiter Holger Ritschdorff.

Am 1. März wurde der VVV gegründet. Ihm gehören Fahrlehrer, Polizisten, Juristen, Kraftverkehrsmeister, Kfz-Sachverständige, Ingenieure und Busfahrer an. Der Busstopp, bei dem der Teddybär vorne an die Windschutzscheibe fliegt, richtet sich an Vor- und Grundschüler, der Rollstuhltest richtet sich an Jugendliche. Die dürfen mit einem Rollstuhl durch die Gegend fahren. Zum einen, um eine gänzlich andere Perspektive eines behinderten Verkehrsteilnehmers wahrzunehmen, zum anderen, um real zu erfahren, wie es wäre, wenn auch sie durch einen Unfall querschnittsgelähmt werden würden. Die Unfall-Denkmäler sind für die Fahranfänger und Erwachsenen gedacht.

Ritschdorff ist Chauffeur, Lkw- und Busfahrer und daher täglich im Straßenverkehr unterwegs. Dabei hat er schon viele brenzlige Situationen erlebt. Trainingseinheiten für Kinder sind bei seinem Arbeitgeber, einem Busunternehmen in Biblis, seit einiger Zeit gang und gäbe. Beim Tag der offenen Tür der Nordheimer Freiwilligen Feuerwehr stellte Ritschdorff eines der Unfallfahrzeuge aus. Es zog viele Blicke auf sich. Ritschdorff erklärte den Besuchern, weshalb er dieses "Unfall-Mahnmal" ausstelle. "Hinschauen und ein wenig die Fantasie spielen lassen, was wohl geschehen ist, dass das Fahrzeug so aussieht", animiert er.

Dann erklärt er mit ruhiger Stimme, wie es wirklich zu dem Unfall gekommen ist, wie er hätte verhindert werden können - und dass jemand dabei starb. Betroffene Gesichter. "Das ist, was wir erreichen wollen, das Bewusstsein, dass hier ein Mensch hätte weiterleben können, wenn alle mehr Rücksicht genommen und sich nicht als einzigen Verkehrsteilnehmer wahrgenommen hätten ", stellt er fest. In Schulen sollen die abschreckenden Mahnmale zum Dialog mit Fahranfängern verhelfen. Auch bei Erwachsenen, die schon Jahrzehnte Auto fahren, macht es in solchen Situationen häufig hörbar Klick im Kopf und der Realitätsschalter ist umgelegt: "Denn es könnte ja auch dein Kind sein, dass da verunglückt"dieser Gedanke scheint einigen Eltern durch den Kopf zu gehen.

© Südhessen Morgen, Donnerstag, 06.09.2012

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