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Retter in der Not: Sebastian Schumann, Johannes Berg und Oliver Barth pauken im Grundlehrgang der Bibliser Feuerwehr – und erzählen über ihr zeitaufwendiges Hobby

Respekt vorm ersten Einsatz

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Zeuner

Johannes Berg (v.li.), Sebastian Schumann und Oliver Barth sind seit Jahren in der Jugendfeuerwehr. Nun sind sie zur Einsatztruppe gewechselt.

© zesa

BIBLIS. "Hast du Lust, zur Freiwilligen Feuerwehr zu kommen?" Diese Frage hatte Sebastian Schumann am ersten Schultag in seiner neuen Heimat im Ried nicht erwartet. Das Gespräch am Lampertheimer Lessing-Gymnasium ist drei Jahre her. "Johannes kam einfach auf mich zu. Schlagartig hatte ich ein Ehrenamt, und ich find' es klasse", sagt der 16-Jährige und muss lachen.

Mit dieser direkten Frage hat Johannes Berg (17) umgesetzt, was immer dringlicher wird beim freiwilligen Brandschutz - die Werbung von Aktiven. Der Bibliser ist seit acht Jahren in der Jugendfeuerwehr seiner Heimatgemeinde. Er weiß, dass sich immer weniger junge Menschen für den Dienst am Nächsten interessieren. Die Blitzrekrutierung von Sebastian war vielleicht ein bisschen forsch, aber erfolgreich: Der Ex-Berliner, der zuvor noch nicht in einer Feuerwehr aktiv war, ist noch immer mit Eifer dabei.

Vor einigen Wochen sind die beiden, ebenso wie vier weitere Kameraden, von der Jugendwehr zur Einsatzabteilung gewechselt. Der Grundlehrgang steht nun an - die Basis dafür, dass die jungen Männer in den ersten "richtigen" Einsatz gehen können. Demnächst beginnt das Pauken. Bis Mitte März ist dafür jedes Wochenende verplant. Zum Schluss gibt es noch eine Prüfung. Zusätzlich zur Fortbildung steht jeden Dienstag der Übungsabend im Terminkalender - von 20 bis 22 Uhr. Ein großer Aufwand neben Schule oder Beruf.

Die Bibliser Feuerwehr vereint verschiedene Gruppen unter einem Dach: die Kinderfeuerwehr, die Jugendabteilung, die Einsatzabteilung, die Ehren- und Altersabteilung sowie die Frauengruppe.

Welche Aufgaben sie haben, kann man jederzeit bei einem Besuch am Dienstagabend ab 20 Uhr direkt bei den Feuerwehrleuten im Stützpunkt, Berliner Straße 36, erfahren.

Ebenfalls dienstags ab 20 Uhr kann per Telefon 06245/90 67 40 alles über die Feuerwehr erfragt werden.

Im Internet gibt es Infos unter www.feuerwehr-biblis.de.

Derzeit hat die Freiwillige Feuerwehr Biblis 414 Mitglieder. Davon sind 42 Einsatzkräfte; neun Jugendfeuerwehrleute; 23 Mitglieder in der Kindergruppe und sechs in der Ehren- und Altersabteilung. Alle weiteren sind passive Unterstützer.

Folgende Fahrzeuge sind vorhanden: ein Feuerwehranhänger Schaum-Wasserwerfer; ein Gerätewagen Atem- und Strahlenschutz; ein Löschgruppenfahrzeug LF 8/6; ein Tanklöschfahrzeug TLF 20/25; ein Löschgruppenfahrzeug LF 16; ein Gerätewagen Logistik; ein Mannschaftstransportfahrzeug. zesa

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Neue Serie: Retter in der Not

Sie gehen bis ans Limit. Sie stellen sich dem Risiko. Die Sprache ist nicht etwa von Rennfahrern, Gipfelstürmern oder Extremsportlern - es geht um ehrenamtliche Hilfskräfte. Sie sind rund um die Uhr abrufbereit, um zu helfen. Geht es um Menschen in Not, sind sie zur Stelle, um Leben zu retten.

In den Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr, die mit Blaulicht und Martinshorn zu einem Brand oder Unfall fahren, sitzen Menschen, die vielleicht gerade noch gemütlich mit ihrer Familie beim Essen gesessen haben. Die Alarmierung reißt sie aus dem Alltag. Blitzschnell müssen sie an den Einsatzort eilen und sich auf eine Notsituation einstellen. Was sie genau erwartet, wissen sie jedoch nicht.

Die Ersthelfer des Deutschen Roten Kreuzes, der freiwilligen Feuerwehren oder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) tun alles, um verletzte, gefährdete oder in Not geratene Menschen zu retten oder deren Hab und Gut zu schützen. Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit, die Bürger können sich darauf verlassen, dass die Helfer anrücken, wenn es brennt, ein Unfall passiert ist oder ein anderer Notfall vorliegt.

Dieses besondere Ehrenamt ist Thema einer "SHM"-Serie über Retter in der Not, die wir heute starten. Darin stellen sich die örtlichen Feuerwehren, DRK-Ortsvereine und die DLRG vor.

Die Mitglieder berichten, warum sie sich für ihr Ehrenamt entschieden haben. Sie erzählen von ihren Erlebnissen und den Herausforderungen, denen sie sich bei ihren Einsätzen stellen. Vielleicht können sie damit auch andere Bürger überzeugen, sich zu engagieren und selbst ein Retter in der Not zu werden. Neue Mitglieder und tatkräftige Helfer sind immer gefragt. zesa

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Andere Jugendliche hätten oft nur ein Lachen übrig, wenn sie erfahren, was die jungen Brandschützer auf sich nehmen, erzählen die beiden. "Die wissen einfach nicht, um was es geht - es interessiert sie nicht", meinen Sebastian und Johannes. Die verbreitete Meinung sei: "Wenn der Alarm losgeht, kommen die doch sowieso." Nicht zuletzt durch die Gemeinschaft in der Freiwilligen Feuerwehr haben Sebastian und Johannes jedoch ein gutes Selbstbewusstsein und stehen zu dem, was sie für andere tun.

Angebote schon für Sechsjährige

Bei Tagen der offenen Tür können Kinder und Jugendliche schon früh die Feuerwehr und ihre Technik kennenlernen. Der Nachwuchs kann schon ab sechs Jahren bei der Kinderfeuerwehr mitmachen oder ab zehn Jahren die Jugendfeuerwehr besuchen. Ab 17 Jahren ist auch der direkte Einstieg in die Einsatzabteilung möglich. Ein Quereinstieg für Ältere ist immer möglich.

"Was ich schon alles mit der Feuerwehr erlebt habe", sagt Johannes. Er erinnert sich an Zeltlager mit Wettbewerben, Grillen, Lagerspielen und mehr. "Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl", sagt er. Ein Team zu sein, das sei besonders wichtig, wenn es in den Einsatz gehe. "Davon hängt der Erfolg ab", da ist sich der 17-Jährige sicher.

Und wie ist das Gefühl beim Gedanken an den ersten Einsatz? Oliver sagt: "Ich habe Respekt davor." Sebastian freut sich einfach darauf. Und Johannes holt weiter aus: "Eigentlich wäre es mir lieb, wenn nie etwas Ernstes passiert. Es könnte ja sein, dass mal jemand zu Schaden kommt, den wir kennen. Aber wir gehen sehr gut vorbereitet in den Einsatz, das macht ruhig und sicher."

Die Technik und ihre Funktionen sitzen im Schlaf, Theorie und Ablauf von Einsätzen ebenfalls. Zum persönlichen Ziel haben sich alle drei jungen Männer gesetzt, Atemschutzgeräteträger zu werden. Eventuell könnte es in der Höhenrettung weitergehen. In der Hierarchie wollen sie mindestens den Rang eines Gruppenführers erreichen.

© Südhessen Morgen, Freitag, 15.02.2013

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