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Tradition: Vereins-AG, Tollitäten und Bürgermeister tragen die Bürstädter Fastnacht zu Grabe / Im Anschluss Heringsessen

Am Sarg fließen Tränen

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Zeuner

Ganz in Schwarz und mit Trauermiene: Prinzessin Jamira I. (unteres Bild, l.) und ihre Infantin Julia I. am Grab der Fastnacht. Den Stadtschlüssel geben sie an Bürgermeister Alfons Haag zurück.

© zesa
© Picasa

BÜRSTADT. Schwarz gekleidete Gestalten marschieren am Abend des Aschermittwochs mit Trauermienen durch Bürstadt. "Schwester Fastnacht" ist tot - gestorben am Fastnachtsdienstag, um Punkt 24 Uhr. Im Stall der Familie Tremmel wird sie nach 93 Tagen traditionell beerdigt.

Trauer ist auf den blassen Mienen der einst schillernden Hoheiten Jamira I. und ihrer Infantin Julia I. zu sehen, als sie die Insignien der Narrenmacht auf die grüne Samtdecke des Sarges legen. Und als sich der Deckel schließt, wischen sie zaghaft Tränen von den Wangen.

Vorbei ist nun die schöne Zeit mit Jubel, Trubel, Heiterkeit. Für Jamira ist klar: "Die letzten drei Wochen könnte ich sofort noch einmal erleben." Es ist ein Abschied für 272 Tage. So lange ruht der Narrenschatz jetzt, bis er am 11.11.2013 wieder auferstehen darf.

Weck, Worscht und Woi

Damit die Fastnacht in dieser Zeit keinen Hunger leiden muss, liegen Weck, Worscht und Woi mit im Ruhelager. Kunterbunte Konfetti als Hommage an den Spaß, die Orden der Kampagne 2012/2013, das herzförmige Zepter, das Krönchen der Prinzessin, die Kette für die Rathausmacht, Popcorn, eine Narrenkappe, eine Tröte und eine Luftschlange kommen noch hinzu.

Die Trauergemeinde aus Vereinsvertretern, ehemaligen Hoheiten, Vertretern der Vereins-AG sowie Bürgermeister Alfons Haag stimmen "Fastnacht ade" als letzten Gruß an - nach den Feiern der vergangenen Tage versagen so manchem Sänger noch die Stimmbänder.

"Es bleibt die Erinnerung an eine schöne Zeit", so endet der zweite Trauergesang. Annegret Fettel von der Vereins-AG betont in ihrer Ansprache, wie sehr die beiden närrischen Hoheiten Jamira I. und Julia I. der Fastnacht Leben eingehaucht haben. "Mit viel Humor und Engagement eroberten sie die Narrenherzen", unterstrich sie.

Dem schließen sich etliche Vereinsvertreter an, die mit ihren Abschiedsgaben dafür sorgen, dass der Tremmelsche Stall einem Blumengeschäft gleicht. Einzig Joachim Huy von den Sackschdoahoggern hat Süßigkeiten mitgebracht - zur schmackhaften Erinnerung an die turbulente Session.

"Für mich ist diese Fastnacht in besonderer Erinnerung", sagt Bürgermeister Alfons Haag. Erstens sei sie die letzte für ihn als Stadtoberhaupt gewesen und zweitens die erste, bei der er die Spiele beim Rathaussturm gewonnen habe. Für diesen Sieg habe er immerhin 24 Jahre geübt. Ein erneutes Klagelied ertönt: "Oh, Jammer". Jamira gibt Haag den symbolischen Schlüssel der Stadt zurück. Der erste - aber nicht ganz ernst gemeinte - Machtwechsel im Rathaus in diesem Jahr ist damit vollzogen.

Dank gibt es seitens der Ex-Hoheiten für alle, die ihren närrischen Weg begleitet haben. Nach Umarmungen kommt Vorfreude auf die kommende Fastnachtssession auf. Zum Leichenschmaus gibt's dann Heringe und Pellkartoffeln.

© Südhessen Morgen, Freitag, 15.02.2013

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